Nicht’bruck: 18

Was Nicht’bruck ist, steht in Nicht’bruck: 1. Ort 18 Im kalten Großstadtnebel schaue ich auf mein vielleicht tausendstes Sonnenaufgangs-Foto, entstanden vor wenigen Tagen in Griechenland, und fühle mich ein paar Sekunden lang ganz so, als wäre es wieder sechs Uhr morgens auf der Insel. Und ich würde in der morgendlichen Stllle nahe der Akropolis stehen und auf die mittelalterliche Stadt im Meer hinabblicken, die ich nun schon so oft bereist habe weil ich nicht von ihr lassen kann, tief eingesunken in das Farbenspiel von Gelb über Rot und Violett zu tiefem Dunkelblau und nächtlichem Schwarz, die Fotoausrüstung ausgebreitet und den Motorroller nebenan im trockenen, hohen Gras geparkt. Und die warme, salzige Meeresbrise würde mir vom sommerheißen kommenden Tag künden (und mir das Haar in die Stirn wehen, wäre ich eine Anime-Figur und hätte welches), während zu Hause auf der anderen Seite des Balkans, im fernen Innsbruck, schon die Heizanlagen liefen, worauf ich jedoch in Gedanken schisse. In einem Augenzwinkern würde die Sonne dann blutrot dem Meer entsteigen und ich wüsste wieder einmal: davon kriege ich nie genug.       36.444638, 28.212094...

Nicht’bruck: 17

Was Nicht’bruck ist, steht in Nicht’bruck: 1. Ort 17 Ich erkenne langsam, dass um mich herum jetzt alles anders ist. Triviales, eigentlich Alltägliches fesselt meinen Blick. Synaptische Verbindungen schließen sich, ich kann es wieder einmal spüren: das hier, ja, das gehört zu den Dingen, die mich weiter bringen. Ich habe den Planeten unter meinen Füßen wieder mal ein Stück zur Seite verdreht. Niemand kommt an diesen Ort im Winter. Wir sind trotzdem da. Den Winter haben wir zurück gelassen, noch nicht wissend, dass er uns wenige Tage später einholen sollte. Die Nacht in einer verlassenen Siedlung auf einer Insel verbracht, verlassen auch von allen guten Geistern. Die Sicherung nach langer Suche gefunden, endlich Strom! Instantkaffee, über dem Tassenrand das Spiegelbild des fahlen Mondes im touchscreenglatten Meer. Neue synaptische Verbindungen, die ganze Zeit. Auf der Suche nach Sommer. Überall die Schatten seiner Existenz, da eine um die Ecke huschende Ahnung, dort ein kurzes Gefühl von Wärme, ein Geräusch, eine Assoziation. Genug, um die Illusion zu erschaffen, die die Seele nährt. Ich mache das Foto. 43.341777,...

Berichte aus dem Hoppala...

Das Hoppala ist ein schummriges Lokal. Ich mag solche Schuppen, und außerdem kann man hier auf den Screens internationalen Fußball schauen und wer will an den Wettmaschinen sein Geld verspielen. Natürlich fließt das Bier und jede Menge Rauch steigt auf und es gibt ab und zu Jubelschreie, wenn ein Tor der ent-sprechenden Mannschaft fällt oder pure Verzweiflung keimt auf, wenn wieder mal ein Tipp nicht aufgeht. Im Hoppala verkehren kaum Frauen, was in diesem Zusammenhang nicht unbedingt unangenehm ist. So gesehen ist das Hoppala der ideale Ort zum Bier trinken, Fußball schauen, Wetten abschließen und auch für belanglose Diskussionen aber auch heftige Streitgespräche. Elias...

Nicht’bruck: 16

Was Nicht’bruck ist, steht in Nicht’bruck: 1. Ort 16 An jenem Abend, an dem wir das siebte Land unserer Reise erreichen, schlägt ein Blitz in unsere Fähre ein. Schwarze Wolkentürme waren uns auf einem Bett aus flimmernder Hitze viele hundert Kilometer weit gefolgt; hier erwischen sie uns endlich. Unruhig ist die Nacht, köstlich jedoch das vielgängige Menü aus lokalen Spezialitäten, das wir durch Sturm und Regen eilend im Supermarkt ergattern und am Balkon unserer Unterkunft im flackernden Wetterleuchten verspeisen; dazu Campari. Vor der Sonne noch sind wir es dann, die aufgehen, und die sich wegstrebend vom Meer und von der Erde die schmale Straße hinaufschrauben, durch Nebel und Pinien und Kiefern und Reste der Hitze vom Vortag, gespeichert in altem Gestein. Warm und kalt und warm und kalt und wieder warm, als könnte die Septemberlandschaft sich nicht entscheiden, in welche Richtung die Zeit fortschreiten soll. So viel liegt schon hinter uns und noch so viel vor uns. Was hinter uns liegt, hat Spuren auf unseren Seelen hinterlassen, die sich aber lichten, so wie auch die Wolkenfetzen sich bald auflösen nach dem nächtlichen Sturm. Auch diese Reise wird enden, und keine Erinnerung ist für immer. Nichts ist für immer. Und dann sind wir oben. Ich mache das Foto. 42.399254,...

Nicht’bruck: 15

Was Nicht’bruck ist, steht in Nicht’bruck: 1. Ort 15 Es ist warm und die Luft ist trocken. Die Straßen haben sich geleert, das Wochenende hat die Stadt entvölkert und mir etwas Freizeit geschenkt. Ich stehe seit zehn Minuten im Schatten und atme ruhig. Ein metallenes Zischen weckt mich aus einem erschöpften Tagtraum und erinnert mich daran, weshalb ich hier bin. Ich mache das Foto. 37°17’12.4″N...

Boombox Mai15

    JUCE sind ein ganz neues frisches Trio aus London. Sie leben den 90s Spirit, treten als eine punk-funkige Version der Spice Girls auf. Zu ihren Vorbildern gehören No Doubt und Erykah Badu. Georgie, Chalin und Cherish lernten sich beim Tanzen zu “If you want me to stay“ von Sly Stone auf einer Party kennen. Neben ihrem poppigem Punksound teilen sie auch die Liebe für tanzbare Choreografien. Wären sie die Choreografinnen würde ich an einem Musikvideoclipdancing-Kurs mitmachen. Etwa die Moves zu dem Track “(H)ours“ sind einfach nur kultig, anschauen, einstudieren und aufführen! Das Debütalbum – JUCE ist bei dem Major Label Island (eröffneten etwa schon für Basement Jaxx) unter Vertrag – ist noch nicht auf dem Markt, allerdings stellten sie eine EP mit dem Titel “Taste the Juce“ zum Download zur Verfügung. Ihr Album soll laut Gerüchten “Babeology“ heissen, eine Studie des “Babes“ darstellen. Als deklarierte Feministinnen, ja sie haben trotzdem kindischen Spass, wollen sie durch ihre Musik Girl Power vermitteln.     TOCOTRONIC sind wieder da, waren aber eh nie richtig weg, sind ein Stück Vergangenheit, das noch Gegenwart ist und über die Zukunft singt, wie etwa in dem neuen Song „Die Erwachsenen“. Sind sie schon erwachsen, wollen sie nicht doch lieber so wie die Kids in ihrem Larry Clark-sen Video zum Song sein? Im Herzen bleiben sie wohl für immer die Pop-Boys unserer zeitlosen Jugend. Das elfte Album trägt keinen Titel, man spricht aber von dem roten Album. Zeit für Liebe, Leidenschaft, Wut und Aggression? Alles lebenswichtige Emotionen. Und auch wenn unsere Haare und Hosen schütter werden, wie sie so in etwa singen, wir haben immer noch die Leidenschaft für rhythmische Melodien und pop-punkige Diskurstexte gepachtet. Forever Young and sexy sag ich da nur!...