Von Olympischen Ringen und dünnem Eis...

Mit 7 Jahren, im Olympischen Dorf aufwachsend, hab ich mich auf’s Olympische Glatteis begeben: Den zugefrorenen Olympischen Brunnen im Olympischen Dorf wollte ich überqueren. Zusammen mit dem Olympischen Oliver, Schul- und Kinderfreund. Oliver schaffte das „Wunder von Innsbruck“. In 2:02, 2:03, 1:64,76! Dann ich: Unter erschwerenden Bedingungen (die Schultasche am Rücken) tänzelte ich elefantengleich über’s Eis. Frei nach dem Motto: Dabei sein ist alles, bei jedem Blödsinn mitmachen ist noch viel mehr und baden gehen tun nur Loser. Dann kam der Einbruch. Und nicht der meiner Form. Das Olympische Eis, das mich eben noch getragen und mir die Illusion von nachhaltiger, ökologischer Stabilität gegeben und mir auch wirtschaftliche Tragfähigkeit suggeriert hatte, knackte, bekam Risse – und ich brach ein. Dabei hatte alles so gut ausgesehen und gewirkt: Das blanke Eis hatte mir mich selbst, kindlich naiv lächelnd und an das Gute in der Welt glaubend, gezeigt. Und im selben Moment die Ernüchterung: Zack – das Wasser stand mir bis zum Hals. Denn gottlob hatten die Olympischen Bauväter getrickst: Der Brunnen war kein Brunnen, er war ein Lackerl. Irgendwie ein Speicherteicherl des erfrorenen Olympischen Gedankens. Olympische Illusion pur. Und doch bezahlte ich das Olympische Abenteuer teuer: Ich entfleuchte einer Lungenentzündung in Olympischen Dimensionen nur knapp und beim Zuschauen von Pflicht&Kür der Olympischen Eisprinzessinnen und -prinzen kriege ich heute noch einen starren Blick und meine Augen bekommen Ringe. Fünf an der Zahl und in allen Farben. Das Olympische Eis ist dünn und nicht tragfähig. Nachhaltiges Trauma inklusive....

Abschied vom WIESENROCK – Thank you for the music … and all the good times...

Seinen 10. Geburtstag feierte das legendäre Wiesenrock-Festival in Wattens vergangenes Wochenende – und damit auch seinen Abschied. Es heißt, man soll gehen, wenn es am schönsten ist, aber die Trauer über den Verlust eines Meilensteins der Kulturszene „am Land“ ist dennoch riesengroß.      Beim allerersten Mal – im Jahr 2007 – war ich dabei. Da war die Rede von einem Abrissfest mit Konzerten auf der Wiese, von ein wenig Rebellion im Sinne von „Unsere schöne Spielwiese soll nicht neu bebaut werden“, und meine Freundin und ich, beide 20, schauten halt vorbei. Anoroc hatte eines ihrer ersten Konzerte dort, und wir fanden sie supercool. An diesem heißen Augusttag kamen unzählige Menschen mit uns an diesem nostalgischen Ort zusammen, und der Geist der kommenden Festival-Zeit war bereits zu spüren. Zwei Jahre später hörte man plötzlich vom „Wiesenrock“, einem richtigen Musik-Festival mit mehreren Bands, mitten in Wattens, damals noch am Dorfplatz. Und ab da nahm die steile Entwicklung ihren Lauf, in den Folgejahren brachten sich immer mehr kreative, motivierte Köpfe ein, Kooperationen entstanden, die Anzahl der Bands wurde größer und die Vision eines Musikfestivals mitten am Land mehr und mehr Wirklichkeit. Ich war nicht jedes Jahr dabei, aber oft genug, um mich jedes Mal aufs Neue zu wundern, wieviele neue Ideen verwirklicht wurden, wie vielfältig das Rahmenprogramm und wie ausgefeilt das gesamte Konzept wurden – was für eine professionell organisierte und umgesetzte Veranstaltung aus einem Abrissfest geworden war. Einmal hab ich selbst mitgearbeitet, das Festival vom Merchandising-Stand – der damals nur einer war – aus verfolgt und aus nächster Nähe den großen Zusammenhalt des Teams erlebt. Und jetzt werde ich ein wenig wehmütig. Die Shooting Stars Bilderbuch und Wanda hab ich zum ersten Mal am Wiesenrock live erlebt. Am Wiesenrock hab...

Sommer in der Stadt …...

Gestern schöner Sommertag mit Gewitter, würde wohl ein Jahrhundertwendeschriftsteller in sein Reisetagebuch schreiben. Im Café gesessen und Zeitung gelesen. Dann ab ins Promenadenkonzert. Dort spielt eine italienische Kapelle mit den Namen Filarmonika Mousikè wundervollen Rock vom feinsten, also nicht das klassisch gewohnte Blasmusikrepertoire. Mit E-Gitarren, Pauken und Trompeten wird der malerische Innenhof der Hofburg in eine fast rocknostalgische Arena verwandelt. Eine junge Frau direkt vor mir, tippt ihrer Freundin den Rhythmus der Musik auf deren Schulter. Dazu gesellen sich Regentropfen, ein Gewitter, das schon länger sich müht, aufzuziehen, wie der Donnergott im Freilufttheater, welches zu besuchen ich mir gerade noch überlege – ob die wohl spielen bei dem jetzt doch immer heftiger einsetzen Regen? – oder ob ich doch noch in ein anderes Café gehen soll und mich weiter der Zeitungslektüre widmen. O.k., warten wir noch ein wenig, bis die letzten Klänge der Musikbanda verklungen sind, es gibt noch eine Zugabe, aber kein tschingderassabum, sondern ein schöner langsamer Satz aus amerikanischer Bläserharmonik oder doch was anderes? Komponist und Titel werden nicht mehr verraten. Dann erneut tosender Applaus. Der Regen wird heftiger. Jetzt … was tun? Die Menschen verteilen sich in der Altstadt, suchen die Restaurants und Cafés auf. Soll ich doch noch rüberschauen in den Waltherpark, wo organisiert von der rührigen Kulturinitiative Vogelweide unter dem vielsagenden Titel Theater unter Bäumen ein Theater gegeben wird? Eben ein Freilufttheater, von dem ich so gut wie nichts weiß, wer spielt und was gespielt wird. Egal. Ich riskier’s. Über die Fahnenbewehrte Brücke. Alles nass dort im schönen Park, ein paar Scheinwerfer beleuchten die Szene. Ein Stand wo es Pakistanisches  Essen  und Bier zu trinken gibt. Die paar, die ausharren, haben ihre Schirme aufgespannt oder die Kapuzen ihrer Jacken aufgezogen. Es wird noch herumüberlegt,...

Kollektive Grenzüberschreitungen...

Wir sind mit vielen Grenzen (nicht zuletzt den eigenen) konfrontiert, sie beschränken uns, geben uns Sicherheit, spornen uns zum Übertreten an, grenzen aus, ordnen, indem sie das Innen vom Außen trennen… Den unterschiedlichen Facetten der Grenze widmet sich ein Kunstprojekt, das derzeit an der Brennergrenze zu suchen, zu finden und zu erkunden ist. Ein Kollektiv von Künstlerinnen lädt derzeit zur Erkundung des österreichisch-italienischen Grenzgebietes rund um die Sattelbergalm bei Gries am Brenner ein, der hoffentlich noch viele Neugierige folgen, die sich auf das explorative Abschreiten der Landesgrenze und der Grenzen im Kopf einlassen mögen. Bei dem Parcours aus einzelnen Stationen – immer begleitet von der Frage „Ist das Kunst? Gehört das dazu?“ – handelt es sich um das Kunstprojekt PAIVKA von Katharina Treml und Ivonne Barrera Villanueva zusammen mit Konstanze Kukulies, Julia Oberhofer, Eva Schlögl, Angela Wechner, Nina Wechner, Florian Köhler, James Clay, Faru Ina und Christoph Waldhart. Es besteht aus mehreren – keine Ahnung, wie viele wirklich… – verstreute Einzelarbeiten aus verschiedenen Materialien, die unterschiedliche Denkhorizonte, Herangehensweisen, Metaphern, Überlegungen, Reflexionsniveaus berücksichtigen und die zum Staunen, Grübeln und Lachen anregen. Das mag einem im Halse stecken bleiben, wenn man auf dem Rückweg Zeuge von Grenzschutzaktivitäten wird… Auf welche Inspiration diese Live-Performance mit unfreiwillig Beteiligten wohl zurück geht? Das zweite vorzustellende Kunstprojekt, PASSAGEN, von dem im Blog schon mal berichtet wurde, das sich die Überschreitung der Bundesländergrenzen zum Ziel gesetzt hat, stammt ebenfalls von einem Künstlerinnenkollektiv: die Freundinnen der Kunst haben nach Salzburg und Wien am Samstag strömendem Regen trotzend in der Innsbrucker Maximilianstraße Halt gemacht. Dort haben die fünf Künstlerinnen im Rahmen ihres performativen Kunsttransportes im öffentlichen Raum den Buchstaben „S“ aus der sich über die Bundesländer erstreckenden Buchstabenfolge DASEIN der Galeristin Birgit Fraisl (Galerie ArtDepot) als Kunstschenkung überlassen....

Auch noch eine Woche: WIR // HIER. Die sogenannte Subkultur...

Auch noch gut eine Woche läuft im Innsbrucker Stadtarchiv die Ausstellung Wir // HIER.  Die sogenannte Subkultur. Bei deren Eröffnung es ja laut Berichten einen Riesenansturm gegeben haben soll. Was eigentlich auch kaum verwundert, ist das Thema doch ein Quotenbringer oder ein Eyecatcher oder wie immer man so was auch nennen mag. Viele Leute jedenfalls waren mal jung in dieser Stadt, einige sind es noch immer, manche blicken vielleicht mit Wehmut zurück, andere denken, „nein, was waren wir da für …“ Nun gut, das Ausstellungsmotto versprach jedenfalls viel, nicht zuletzt wurde ja sogar ein Archiv angekündigt, das also ständig wächst, indem etwa die Besucher/innen Erinnerungsgegenstände mitbringen können. Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Online-Archiv von Rudolf  Dornauer, und Maurice Kumar, das 2014 als ein Rechercheprojekt zur Alternativ- und Subkultur begonnen wurde und das im Rahmen der Innsbrucker STADTPOTENTIALE gefördert wurde. In dieses Archiv können eben Plakate, Zeitungen, Programme und sonstige Utensilien aus der Zeit von den späten  sechziger bis herauf in die Nullerjahre des neuen Jahrtausends abgegeben werden, die für die Innsbrucker Subkulturszene relevant waren und sind. Und einiges davon hat eben den Weg in die Ausstellung gefunden, die auf zwei Räumen verteilt nun die Besucherin / den Besucher  über eben jene wilden Jahre in Innsbruck informiert, dabei den Älteren wieder vieles in Erinnerung bringt und die Jüngeren über vieles informiert, was damals so alles los gewesen war  in Innsbruck. . Nun, ein rühmliches Unterfangen, das für mich allerdings ein bisschen mit einem Wermutstropfen unterlegt ist. Ist der Fokus der Ausstellung doch fast ausnahmslos auf die Musikszene der letzten vierzig Jahre in Innsbruck gelegt. Was zwar auch recht interessant ist, gab es damals doch viele interessante Bands, die hier alle aufzuzählen den Rahmen  sprengen würde. Erinnert sei hier etwa nur...

Innsbruck, Du Stadt der Weltverbessernden...

              Ein beschauliches Städtchen, umringt vom Alpenpanorama, durchzogen mit kitschiger Bergromantik garniert mit Dirndl und Lederhosen. Wer hier herkommt sucht den Almöhi, trink Gösser Radler, belauscht das Glockengeläut der grasenden Kühe auf den sattgrünen Wiesen. Dazu gibt’s a Brotzeit. Die perfekte Idylle. Niemand erwartet hier den Aufstand der Anständigen, das Aufbranden der Humanist*innen, das Erstarken der Revolutionäre, die Zusammenkunft der Herzensguten, eine Ansammlung von Menschen, die über die Berge schauen, die Welt mit offenen Armen empfangen, obwohl sie, umringt von den steinernen Giganten so wenig vom Leid der Welt teilen. Innsbruck, Du Cosmopolitin. Du einsame Kämpferin mit hochgestreckter Faust, die Du Dich aufbäumst gegen die Abgeschiedenheit und öffnest für eine Welt ohne Grenzen, in der alle Menschen gleich wertvoll sind. Auch das ist eine Idylle. Gerade weil man das Ortseingangsschild mit dem Beiwort „Hinterwald“ untersetzen könnte, wird sie immer bunter, beinahe agressiv menschenfreundlich und will willkommenheißen. Die Eingeborenen und Nachgeborenen bilden ein Potpourri der Möglichkeiten,sie verbinden Tradition mit Weltenkult, Alphorn mit Saz, Käsespätzle mit Berliner Weiße. Innsbruck, Du Weltenbürgerin. Du willst allen beweisen, dass Du anders kannst, dass es eine Welt jenseits von Kleinkariertheit, blindem Konservatismus, Rückgewandtheit, Revisionismus und Achselzucken gibt. Du willst bewusst hinschauen, zuhören, mitfühlen und anpacken. Mitreißend sind Deine wie eine Alpenwiese in Blütenpracht sprießende Vielfalt. Motivierend wirkt Deine Bekenntnis zu Progressivität und Überraschung. Einladend ist auch Dein Charme, dieses schelmisch-verspielte Lächeln, wenn noch unklar ist, ob dieses Mal über den Wolken die Sonne scheinen wird. Wer hier herkommt und Deine Qualitäten als Stadt für Weltverbessernde erkennt, der bleibt. Susanne...