Silvester im Licht

Er fragte sich, ob es laut war und viel geknallt wurde an diesem Silvester.  Und ob er dann am besten gar nicht aus dem Haus hätte gehen sollen, um sich nicht einen Gehörschaden zu holen, wenn etwa direkt neben ihm oder vor oder hinter ihm ein Silvesterknaller losgegangen wäre. .Aber jetzt war er ja schon hier, und mit der Knallerei musste er dann klar kommen, wenn er wieder nach Hause ging.  So klappte er die Mappe auf, in der sich die Speisekarte befand. Er hörte am Nebentisch zwei Frauen sich Gespenstergeschichten erzählen. Und zwei andere am anderen Nebentisch sich gegenseitig Neujahrsvorsätze schwören. Er hätte die Kellnerin gerne zu einem Glas Champagner eingeladen, und noch lieber hätte er ihr mit seinem Kugelschreiber dabei die beiden Worte „Süße Maus“ auf ihren Arm geschrieben.  Er tat aber keines von beiden, weil die Kellnerin keine Zeit für so etwas hatte, auch keine Zeit für ein  Gespräch, welches ja erst die Voraussetzung für so etwas gewesen wäre. So war es nur bei einem unverbindlichen Gedankenspiel geblieben. Und die Frage, wie weitermachen und wie es überhaupt weiterging mit ihm, war dann doch heftiger gewesen und hatte sich über erstere Überlegung gelegt und hatte wohl noch nach weiteren Fragestellungen verlangt. Und im Übrigen wusste er auch nicht, ob nicht der schon etwas ältere Mann, der ihm schräg gegenübersaß, nicht in den nächsten Minuten durchdrehte, so ernst sah er aus, saß allein bei seinem Bier, und viel Grobkörniges mochte durch seinen Kopf gehen. So wie auch durch seinen Kopf viel Grobkörniges ging. Der Silberflitter am Kleid der jungen Frau, die ein paar Tische weiter saß. „Und gehen sie mit uns …“ hörte er am Nebentisch jemanden zu seinem Gegenüber sagen. Die Spiegelung im Fenster, die das normalerweise...

Auf dem Weg zum Ursprung...

Wenn ein Science Fiction Film ein Gedicht wäre, würde er The Arrival heißen und derzeit im Metropol Kino laufen. Das Metropol Kino ist ein schöner Ort. Die Kassen sind neu und sehen ein wenig aus wie die Kommandobrücke eines Raumschiffes. Dahinter gibt es nun Garderobeschließfächer, die mittels eines beliebigen vierstelligen Codes Jacke, Tasche und sonstige Dinge bequem verschwinden lassen. Sehr praktisch und gratis obendrein. Die berühmte Pfandmünze war gestern. Willkommen in der Zukunft. Bevor man zukunftsfroh auf der Toilette verschwindet, werden noch Kartoffelchips und Cola besorgt. Naturgemäß am falschen Buffett im Aufgang zu den Sälen 3 und 4, aber das ist eine andere Geschichte. Bevor man beim Hauptfilm ankommt, der in Saal 5 im Erdgeschoß läuft, läuft Werbung. Der Biopionier Werner Lampert frägt das gerade zwangslos plaudernd in den Kinositzen herumlümmelnde Publikum, wo der Ursprung liegt. Schweigen im Saal. Am Boden, denke ich stumm. Oder im Mutterleib. In der Ursuppe oder auf Alpha Centauri vielleicht. Die Kamera überfliegt in Vogelperspektive eine sattgrüne Almwiese. Werner Lampert trägt gestreifte Hosenträger und allen Ernstes einen Tisch auf seinem Kopf sapzieren. Samt Tisch und Begleitern setzt er sich damit mitten in einen steilen Berghang. Neben ihm sitzt ein von der Werbefilmcrew zufällig mitgebrachter und dort platzierter Hund, der kunstvoll ein Stückchen Wurst in seinem Maul verschwinden lässt. Die Wurst ist ihm wegen der Tischneigung sozusagen in den Schoß oder besser gesagt ins Maul gefallen. Wass für eine Idee. Derweil ist Guru Lampert schon aufgestanden und gegangen. Aus dem Off erklärt er uns, dass der Ursprung kein Ort, sondern ein Weg ist. Die Lichter gehen aus. Der Vorhang hebt sich nicht, da gar kein Vorhang da ist, der sich heben könnte. Meine Chips in der Tüte knistern mit den Popcorn in den Bechern meiner Nachbarn...

Radweg der Woche? File not found…...

Ein Netz ist ein engmaschiges Gebilde. Es besteht aus vielen Fäden, zwischen ihnen bestehen Knoten und Verbindungen. Das Netz ist eine zusammenhängende Einheit. Wenn Teile fehlen oder kaputt gehen, ist ein Netz kein Netz mehr, sondern ein Fragment, ein Fadengewirr. Um ein loses und nicht zusammenhängendes Fadengewirr handelt es sich auch beim Innsbrucker Radwegenetz. Die Misere ist seit Jahren bekannt, die Politik schläft – trotz schöner Versprechungen. Siehe unten. provinnsbruck will helfen, das zu ändern und hat ein redaktionell geschultes und voll motiviertes Recherche-Team losgeschickt, um die Radwegelücken aufzuzeichnen. Fazit nach vierzehntägiger Arbeit und unzähligen Kilometern am Rad: es ist beinahe aussichtslos und geradezu unmöglich, alle Fehlstellen und Lücken zu dokumentieren. Es sind einfach zu viele. Das ist nun die Stelle, an der diese Rubrik von einer Privatsache zur öffentlichen Angelegenheit erhoben werden muss. Eure Hinweise und Mitarbeit sind gefragt. Ideen und Vorschläge sind herzlich willkommen! Wie kann man das unterstützen? Ganz einfach: macht Radwegelückenselfies und nerdige Notizen, zeichnet Karikaturen oder Skizzen. Protokolliert Euren täglichen Ärger, verfasst ein Speichenpamphlet oder ein Klingelgedicht. Tut, was immer Euch einfällt und worauf Ihr Lust habt, um Eurem Ärger und Eurer Kritik Ausdruck zu verleihen. Dokumentiert, analysiert oder illustriert alles. Schickt Eure Infos, Bilder und Tabellen an diese Mailadresse: baron.johann@yahoo.com provinnsbruck wird das Material in Ruhe sammeln, sichten und nicht nur die schönsten, sondern alle relevanten Beiträge nach und nach veröffentlichen. Je mehr, umso besser. Je origineller und auffälliger, umso stärker die Signalwirkung. Die Verantwortlichen sollen zu spüren bekommen, dass Unzufriedenheit herrscht und diese klar, präzise, klug und konstruktiv geäußert wird. Wenn wir wollen, sind wir viele, und viele sind eine Macht, die auch die Politik nicht ignorieren oder verleugnen kann. Unser aller Ziel kann nur sein, die Stadtkoalition wachzurütteln und aus ihren...

Lasst uns froho und bunter sein!...

Bundespräsidentschaftswahlqual. Es ist alles gesagt. Es ist alles gefragt. Es wurde noch nicht alles gesungen. Eine spaßige Chorprobe im wunderschönen Treibhaus-Turm. Mit Gernsingern, Falschsingern und -innen. Wir erheben unsere Stimmen zu umgetexteten Adventsweisen und Hadern aus Koschuh’scher Feder. Dem Norbert Pleifer seine Idee. Samt Hirnschmalz von Vielen. Das wird eine Gaudi, ein Spaß, ein Riesenspaß unter der musikalischen Leitung von Sigi Portugaller. Lasst uns froho und bunter sein! JEDEN SONNTAG AB 17 UHR. AUCH HEUTE. TREIBHAUS-TURM: KOMM, SING MIT. STIMMEN FÜR VAN DER...

Das 130.000-Euro-Ding

Im Stillen hätte es durchgezogen werden sollen. Das 130.000-Euro-Ding. Und irgendwann sollte es vermutlich ganz plötzlich mit großem Pomp und Trara enthüllt werden. Und jetzt, da durchgesickert ist, was da kommen soll: Niemand will es wirklich gewesen sein. Ein Künstler soll einfach so eine 2Meter70 hohe Bronzestatue angefertigt haben. Kann ja schon mal vorkommen, dass einem über Nacht so eine Statue auskommt. Aber kommen soll sie trotzdem: die Statue, die niemand braucht. Um was geht’s: Auf dem Landhausplatz soll diese Bronzestatue des ehemaligen Landeshauptmanns Eduard Wallnöfer aufgestellt werden. 130.000 Euro kostet das Ding. Bekannt geworden sind die Pläne wenige Tage nach der Ankündigung, dass sich zahlreiche Tiroler Sozialvereine auf Subventionskürzungen von 10 Prozent einstellen müssen. Der Budgetdisziplin wegen. Die schwarze Null ist und bleibt das Ziel von Landeshauptmann Platter. Doch anstatt ENDLICH das Landesbudget wirklich komplett auf den Kopf zu stellen, Veraltetes oder gar Unsinniges (das Land finanziert der Bauernkammer etwa Dutzende Posten) endlich zu hinterfragen, kommt der Budget-Rasenmäher. Und man setzt bei denen an, die es am dringendsten brauchen und die es am wenigsten brauchen können, wenn im Sozialbereich derart radikal gekürzt wird. Und nun das. Plötzlich sind 130.000 Euro da. Nein, natürlich nicht aus dem Landesbudget. Wir sind ja kreativ, und wissen aus welchem Topf man sich bedienen muss, damit das heilige Budget unangetastet bleibt. Es sollen 130.000 Euro aus der Landesgedächtnisstiftung sein. Jener Stiftung, von der Walli-Schwiegersohn Landtagspräsident Herwig van Staa der Vorsitzende ist. Jener Stiftung, die der Förderung junger Menschen, sagen wir: junger Talente aus Tirol dient. Siehe https://www.tirol.gv.at/kunst-kultur/landesgedaechtnisstiftung/ Jung ist Eduard Wallnöfer nun wirklich nicht mehr. Er ist seit mehr als 27 Jahren tot. Talent hatte Eduard Wallnöfer sicherlich. Auf der einen Seite ein politisches. Auf der anderen Seite aber auch das zweifelhafte Talent,...

Christine Oppitz-What?

                In dieser Stadt wird nicht nur digital, sondern auch analog geflüstert. Wichtige und weniger wichtige Dinge werden besprochen, hinter und vor vorgehaltener Hand. Kürzlich wurde ich Ohrenzeuge einer nur auf den ersten Blick alltäglichen Begegnung, auf den zweiten Blick aber umso interessanteren Gesprächs. Die zwei ungleichen Gesprächspartner waren ein afroamerikanischer Tourist, sportlich, Ende zwanzig, mit Turnschuhen, T-Shirt und einer gespiegelten Sonnenbrille, und ein cirka fünfzigjähriger Einheimischer, gekleidet mit grauem Pullover, gescheitelter Frisur und braunem Haar. Ich nenne die beiden, deren Namen ich nicht kenne oder kannte, Helmut und Steve. Abgespielt hat sich das Ganze im belebten Gastraum eines beliebten Altsatdtcafes. Steve: Excuse me Mister, may I take a seat? Helmut: Wie bitte? Steve: (deutet auf einen freien Sessel) Free? Helmut: Achso, ja. Setzen Sie sich. Sit down. Steve: Thank you, Mister. I appreciate that. Helmut: Danke, ich auch. (Beide bestellen. Steve ein Glas Coca Cola, Helmut eine Melange mit einem großem Glas Wasser.) Steve: Sorry, Mister. I have a question. Helmut: Was willsch? Steve: How do you call god in this city? Helmut: Wie? Steve: God. How do you call him? Helmut: Gott? Na, Gott gibt´s da keinen. Steve: I mean, how do you call the mayor? Helmut: The Mayor? Achso, der Bürgermeister. He is called Christine Oppitz-Plörer. Steve: Oppitz what? Helmut: Plörer. Steve: What´s a Plörer? Helmut: I don´t understand. Steve: What´s a Plörer? Helmut: Nein, nicht Plörer. Christine Oppitz-Plörer. Steve: Ok. So, what does this lady, Misses Oppitz-Plörer stand for? Helmut: Bei der ÖVP. Äh, nein. Bei für Innsbruck. Steve: No, no, Mister. I didn´t mean where she’s actually standing. What are her political aims? Politics? Helmut: Ja, Politik, genau. Bürgermeisterin. Steve: Ok, let´s try it another way. What...