1. Mai – bist Du dabei?...

Der 1. Mai ist einer der wenigen staatlichen Feiertage, die nicht auf kirchliche Wurzeln zurückgehen. Aber was bedeutet der Tag der Arbeit im Jahr 2014? Eine ganze Menge: Sozialversicherung, Urlaubsanspruch, die Fortzahlung des Gehalts im Krankheitsfall und das Wahlrecht so wie viele weitere soziale und politische Rechte sind nicht vom Himmel gefallen. Was lange als utopisch und revolutionär galt, ist von der Arbeiter(innen)klasse über Jahrzehnte erkämpft worden. Was uns heute ganz selbstverständlich erscheint, ist das Ergebnis einer historischen Entwicklung, die von sozialistischen, demokratischen und gewerkschaftlichen Bewegungen geprägt wurde. Auch wenn heute ein klassenbewusstes Proletariat nur noch in Ansätzen erkennbar ist, lebt die große Mehrheit der Bevölkerung von ihrer Arbeit und ist damit lohnabhängig. Viele soziale Rechte werden schleichend abgebaut – zuletzt war das an der Ausweitung der Arbeitszeit auf bis zu 12 Stunden festzustellen. Die Schere zwischen einigen wenigen Superreichen und immer mehr Menschen, die trotz Job kaum genug Geld zum Leben verdienen, öffnet sich immer weiter. Auch heuer werde ich wieder am 1. Mai demonstrieren. Ich gehöre keiner Partei oder politischen Gruppierung an, bekenne mich aber klar zu Demokratie, Solidarität, Freiheit und Gleichheit. Jeder Mensch ist einzigartig und unverzichtbar – alle Menschen sind gleich an Rechte und Würde: Heraus zum 1. Mai – sei dabei!  1. Mai-Demonstration Treffpunkt am Landhausplatz um 11...

FPÖ-Turnaround: Federspiel für Drogen-Freigabe!...

Schwer verkehrter Herr Federspiel, mit Verwunderung und Erstaunen nahm ich jüngst zur Kenntnis, dass Sie eine Trendwende in Ihrer Null-Toleranz-Drogenpolitik vollzogen haben und möchte Ihnen dazu herzlichst meinen tief empfundenen Respekt aussprechen. Es braucht mehr Politiker Ihres Schlags, die einsehen, sich verrannt zu haben und über einen Irrweg zu einer Politik der Vernunft gelangen. Nun, wie komme ich zu dieser meiner Einschätzung: schlicht, weil man Ihre Aussagen in der Tiroler Tageszeitung von Samstag, 26. April 2014, ja auch nicht anders verstehen KANN. Dort steht nämlich: Einig sind sich Federspiel und die Bürgermeisterin, dass viele Marokkaner nur mit der Absicht nach Innsbruck kommen, mit Rauschgifthandel Geld zu verdienen. „Diese Grundlage müssen wir ihnen entziehen“, forderte Federspiel. Da man ja wohl nicht annehmen darf, dass Sie über Innsbruck eine Atombombe abwerfen wollen oder Rauschgiftdealern die Geschäftsgrundlage entziehen, indem Sie DrogenkonsumentInnen internieren wollen (oder?) kann das ja nur heißen: Drogenfreigabe. Denn wer Drogen legalisiert, entzieht Dealern ja wirklich die Geschäftsgrundlage. Endlich schwenken auch Sie auf die Linie von ExpertInnen ein. Wow, das hätte ich niemals von einem FPÖ-Klubobmann erwartet. Toll und weiter so! Dazu, und nur dazu möchte ich Ihnen gratulieren. Denn zu Ihrer anderen Aussage „Wir müssen Sie Tag und Nacht jagen …“ fehlen wohl nicht nur mir die Worte. Wollen wir hoffen, dass ein Staatsanwalt und letztlich ein Richter die passenden Worte dafür findet. Schmerzlichst, Markus Koschuh Foto c...

Benefizschwimmen spült Geld in Streetwork-Kasse...

Benefizlauf für Verein für Obdachlose brachte 2.250 Euro ein Verein will damit „unterfinanziertes Streetwork“ stärken Mit einer ungewöhnlichen Spendenanfrage war Kabarettist Markus Koschuh an die 36 Landtagsabgeordneten und 8 Regierungsmitglieder herangetreten: Er würde 44 Mal ums Landhaus laufen, wenn jedeR PolitikerIn je eine Runde mit 100 Euro sponsert. Das Geld sollte dem Verein für Obdachlose zu fließen und so dessen unverzichtbare Tätigkeit im „Wohn-Hochpreisland Tirol“ unterstützt werden. „Gestern lagen zwar erst die Zusagen von 16 PolitikerInnen auf dem Tisch und es wäre schön gewesen, wenn es ein 4.400-Eur-Ergebnis geworden wäre – trotzdem wurde 44 Mal, und eigentlich sogar 45 Mal um’s Landhaus gelaufen bzw. regenbedingt geschwommen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich nachträglich noch der eine oder die andere Landtagsabgeordnete zu einer 100-Euro-Spende motivieren lässt. Meine Wett-Pflicht, samt Zusatzrunde und -spende ist jedenfalls absolviert und die spüre ich auch heute in meinen Beinen,“ so Koschuh. Der Geschäftsführer des Vereins für Obdachlose, Michael Hennermann, weiß auch schon in welchen Bereich die Spendengelder fließen werden: „Dank weiterer Spenden beim gestrigen Lauf haben wir bisher gesamt 2.250 Euro an Spendeneinnahmen, die im Streetwork dringend benötigt werden. Wir können derzeit lediglich 2 Teilzeitbeschäftigte Streetworker für deutlich mehr als 200 tatsächlich auf den Innsbrucker Straßen lebende Menschen finanzieren. Jede Streetwork-Stunde mehr kommt direkt bei den Wohnungslosen an. Ich blicke wie jedes Jahr besorgt der Urlaubssaison entgegen, wenn sich zeitweise nur mehr einer unserer Streetworker um mehr als 200 Menschen kümmern muss. EinE dritteR StreetworkerIn ist dringend nötig und es wäre eine große Hilfe, wenn vom Land eine entsprechende dauerhafte Förderzusage käme,“ hofft Hennermann auf die Umsetzung einer mündlichen Zusage von Sozial-Landesrätin Christine Baur. — Ich bedanke mich bei allen PolitikerInnen, die das Anliegen mit Ihrer Spendenzusage unterstützen: Die Landtagsabgeordneten Andreas Angerer (GRÜNE),...

The Drawingroom

Nur mehr diese Woche ist in der Galerie im Taxispalais eine sehr sehenswerte Ausstellung zum Thema Zeichnung zu besichtigen. In der vom ehemaligen Leiter der Galerie, die heuer übrigens ihr 50jähriges Jubiläum feiert, Peter Weiermair zusammengestellten Schau sind dabei die verschiedensten Richtungen dieses großen Genres vertreten. Also von „gegenständlich“ bis „abstrakt“  So treibt etwa der Amerikaner Geoff Chadsey ein verfremdendes Spiel mit den Ikonen der amerikanischen Populär- und Subkultur, indem er sie  grotesk verfremdet und dabei unsere „geheimen Erwartungen“ auf die Schaufel nimmt, während die Deutsche Lucie Beppler mittels eines fein gewebten Rasters aus zarten Bleistiftstrichen unser Sehen in neue Dimensionen führt.  Auf gleich drei Wänden verteilt der Salzburger Christian Schwarzwald seine Arbeiten. Neben geometrischen Abstraktionen sind es verfremdete Porträts von Berühmtheiten aus der Geschichte, welche zu identifizieren Aufgabe der Betrachterin und des Betrachters ist, und dem oder der darin Vertrauten Spaß macht.  Einen ganz anderen Weg geht wiederum der Pakistani Waqas Khan, der eine sehr subtile Zeichensprache entwickelt, vielleicht dabei an Arabesken aus dem Islam erinnernd, die man erst bei näherem Hinsehen als fein gezeichnete Ornamente entdeckt, kreisförmig angelegt, so wäre es ein Blick in unser eigenes Auge, in die Retina, und uns so vielleicht einen Blick ins Unendliche gewährt.  Bei Danica Phelps  Arbeiten denkt man eher an Minutenaufnahmen, die sie mit leichtem Strich zu Papier bringt, in denen man den Arbeitsalltag der Künstlerin nachvollziehen kann.  Beeindruckt und irritiert zugleich haben mich die Zeichnungen des Italieners Agostino Arrivabene. In einer altmeisterlichen Weise bringt er Traumhaft-Phantastisches an Hieronymus Bosch und Pieter Bruegel Gemahnendes zu Papier. und verstört dabei wohl manche Betrachterin oder Betrachter.  Sehr melancholisch die Arbeiten von Michael Ziegler. Der aus Wels in Oberösterreich stammende Künstler war ja schon öfter mit Ausstellungen in Innsbruck vertreten. Junge heranwachsende Männer,...

Videoinstallation zum Mitmachen für Kurzentschlossene...

Im Rahmen der Temporary Space Invasion  präsentieren eekhoorn und ludwig technique die interaktive Videoinstallation zu Live-Sounds von Edzgou Advanced Blak Magick im Freien Theater Innsbruck Wilhelm-Greil-Str. 23 am 26.4.2014 von 17:00 bis 22:00 Uhr Live-Sound von Edzgou (und Dir?) Eine multidisziplinäre Jam-Session für alle. Experimentieren, Interagieren oder einfach nur Betrachten. Ein Vorgeschmack auf die gemeinsame Ausstellung von eekhoorn und ludwig technique am 23.Mai im Kooio.        ...

Das Weltbild des Gebi M....

200 Euro hat er an den Verein für Obdachlose gespendet. Und auch gleich den Überweisungsbeleg auf seinem blog http://gebimair.blogspot.co.at/ veröffentlicht. Toll und ein ehrliches Danke an Gebi Mair, dass er die von mir von allen Landtagsabgeordneten und Regierungsmitgliedern erbetene 100-Euro-Spende für den Benefizlauf am 27. April verdoppelt hat. So weit, so gut. Wie er aber in seinem blog unter dem Titel „Ich muss drinnen bleiben“ versucht zu vermitteln, ich hätte alle LandespolitikerInnen persönlich zum am Sonntag stattfindenden Benefizlauf eingeladen, und ihn – und natürlich nur ihn – gebeten, nicht mit zu laufen, spricht Bände über das Mair’sche Weltbild. Galileo Galilei würde wohl sagen: „Egozentrisches Weltbild. Hoffnungsloser Fall.“ Falls es Gebi Mairs Stil sein sollte, auch in der Politik derart mit Halb- und Unwahrheiten aufzutrumpfen, dann: autsch. Denn wahr ist vielmehr, dass ich von allen 36 Landtagsabgeordneten und 8 Regierungsmitgliedern je 100 Euro Spende für einen Benefizlauf für den Verein für Obdachlose erbeten habe. Von Anfang an machte ich klar: Mitlaufen soll für die LandespolitikerInnen nur dann möglich sein, wenn von jeder Partei zumindest einE PolitikerIn zum/zur MitläuferIn wird. Der Lauf sollte nämlich jedenfalls überparteilich bleiben. Rasch kamen die ersten Spendenzusagen. Wenig später war er dann mit einem PR-Versuch in eigener Sache zur Stelle, der Gebi Mair: er bot mir per Foto und über die Medien ausrichtend eine Wette an, wonach derjenige von uns beiden, der nach dem anderen im Ziel ist, pro Runde Rückstand 100 Euro spendet – und zack – schon war im Landhaus vom „Mair-Lauf“ die Rede. Meine Bemühungen nach Überparteilichkeit waren mit einem Schlag zunichte gemacht worden, Abgeordnete gaben mir zu verstehen, dass sie einen „grünen“ Lauf nicht unterstützen würden. Die Mair’sche Selbstdarstellung hat der Sache also geschadet. Und wie. Das habe ich Gebi Mair auch...

Buchpräsentation und Diskussion: VERLEITUNG ZUM AUFSTAND...

„Es darf nicht sein, dass unsere Gesellschaft dauernd in zwei Gruppen mit mehr und mit weniger Rechten zerfällt: in die Klasse der Einheimischen und in die Klasse der Fremden. In der Diskriminierung der Minderheiten lebt der Faschismus fort. Der Rassismus ist der Faschismus unserer Tage.“ Mit diesem Zitat von Christian Broda, Justizminister in den Kreisky-Regierungen, beginnt Michael Genner sein autobiographisches, dezidiert politisches und widerständiges Buch „Verleitung zum Aufstand“. Auf kurzweiligen 254 Seiten fasst Michael Genner, langjähriger Rechtsberater und Obmann von Asyl in Not, die gesellschaftlichen Kämpfe von den 1960er Jahren bis heute zusammen. Michael Genners Biographie ist die eines „anderen“ Österreichs. Nicht immer schön und glatt, aber immer geprägt von den Gedanken an Demokratie, Menschenrechte, Antifaschismus und der Wut über die herrschenden ungleichen gesellschaftlichen Verhältnisse. Michael Genner schreibt über seine jahrzehntelangen Versuche, Verfolgte zu schützen und die Menschenrechte zu verteidigen: Sein politischer Werdegang reicht von der »Spartakus«­Kampagne über »Öffnet die Heime« bis zur Flücht­lingshilfe bei »Asyl in Not«.  Diese Kämpfe langer Jahre schildert Genner anhand vieler »Einzelfälle«: er erzählt von Jugendlichen auf der Flucht vor dem Erziehungsheim, von Asylsuchenden, denen die Abschiebung droht, von rassistischen BeamtInnen und Apartheidgesetzen. Er beschreibt Mechanismen des Unrechts und nennt dessen AkteurInnen beim Namen.  Genners Buch ist nicht nur autobiographisch, sondern dokumentiert den antidemokratischen Ungeist, der viele politischen und gesellschaftlichen Strukturen dieses Landes durchdringt. Es zeigt aber auch, dass Widerstand Erfolg haben kann, und welche Methoden zum Ziel führen. Daher gibt sein Buch, trotz den darin beschriebenen Schrecknissen, den LeserInnen Hoffnung. Es ist eine Verleitung zum Aufstand gegen eine unmenschliche Politik. Im Anschluss an die Buchvorstellung diskutieren wir über Erfahrungen, Möglichkeiten und Grenzen von Protest und Widerstand gegen ein rassistisches System von Schubhaft & Abschiebungen.   Buchpräsentation und Diskussion mit Michael Genner (Asyl in Not) Dienstag, 29. April um 19 Uhr Café...

Proteste gegen Bildungskürzungen...

Die Erhöhung der SchülerInnenzahl pro Klasse wurde von der Bildungsministerin nach massiven Protesten zwar vorerst zurückgezogen, an den Einsparungen an Schulen und Unis will die Regierung allerdings festhalten. Für Pleitebanken werden Milliarden an Steuergeldern ausgegeben, gespart wird stattdessen bei Bildungseinrichtungen: Wenn bis zu 36 SchülerInnen in eine Klasse gepfercht werden, kann man immerhin einige hundert Lehrerposten einsparen. Und wer weiß: Vielleicht sinken in derart vollen Klassen auch die Heizkosten? Auch große Erbschaften und Vermögen werden hierzulande steuerlich geschont: Viele Superreiche horten ihre Reichtümer in Stiftungen, während jede/r Arbeitnehmer/in einen großen Anteil des hartverdienten Einkommens an den Finanzminister abgibt. Weil das Kapital angeblich ein „scheues Reh“ ist, bleiben auch Milliardenvermögen praktisch unbesteuert – als Ausgleich sparen wir uns Sozialleistungen, privatisieren schleichend das Pensionssystem und kürzen an Schulen und Unis. Zu viel Bildung macht die Menschen schließlich kritisch und vor nichts haben die Mächtigen mehr Angst als vor kritischen und eigensinnigen Unterta… MitbürgerInnen. Weil der Wahnsinn nicht einfach hingenommen werden kann und Widerstand lebendig hält, gibt es morgen, am 23. April 2014 von 7:45 bis 10:00 einen symbolischen Sitzstreik vor dem Landesschulrat in Innsbruck (Innrain 1, gegenüber der Ottoburg). Wir wollen Investitionen in Bildung, Soziales und Kultur statt Steuergeschenke für die Banken und die Superreichen – wir sind das Volk!  ...

WANTED: Wiesenrock Opener Band 2014...

…Kulturverein Grammophon… Im peripheren Raum von Provinnsbruck regt sich kulturell was, und das nun schon seit einigen Jahren. Der gemeinnützige Verein GRAMMOPHON hat in und um Wattens ein neues kulturelles Zentrum geschaffen, das sich sehen und hören lassen kann. Seit mehreren Jahren bereichert er die Region mit Konzerten, Kabarett-, Theater- und Film-Abenden, Ausstellungen, Vernissagen, Vorträgen – eben allem, was das kunst- und kulturinteressierte Herz begehrt und den Raum bunt und lebendig hält. …Musik- und Kunstfestival WIESENROCK… Ein Highlight im Veranstaltungsprogramm bildet nunmehr seit 2007 das jährlich im August stattfindende WIESENROCK-Festival. Wurde damit vor 7 Jahren noch gegen die Verbauung einer erinnerungsträchtigen Spielwiese rebelliert, füllt es heute als Fixpunkt im Tiroler Veranstaltungskalender eine Lücke in der bis dato recht brach liegenden Festivalkultur in Westösterreich. Der Hauptschulhof mitten im Ortszentrum von Wattens wurde seitdem mit Musik von sowohl nationalen als auch internationalen Bands bespielt, unter anderem Guadalajara, den Steaming Satellites, Francis International Airport und Mother’s Cake, und soll in Zukunft auch Platz und Raum für kreative Köpfe aller möglichen Kunstrichtungen bieten. Mit dem Projekt Music & Art soll künftig nicht nur Musik eine Rolle spielen, sondern eine Spielwiese für Kunst aller Art geschaffen werden. …Green Event… Generell soll Wiesenrock laut den VeranstalterInnen immer mehr „wachsen und gedeihen“. Das Festival wird laufend weiterentwickelt, 12 Monate im Jahr sinniert ein über 20-köpfiges Team über neue Ideen, und als Ergebnis soll 2014 vor allem auf zwei Pferde gesetzt werden: Qualität und Nachhaltigkeit. Erstmalig wird das Festival heuer komplett als Green Event ausgerichtet, das ökologische Nachhaltigkeit (Ressourcen werden geschont und die Umwelt geschützt), ökonomische Nachhaltigkeit (zusammengearbeitet wird mit lokalen Partnern und Lieferanten) und soziale Nachhaltigkeit (für alle, die mit Wiesenrock in Berührung kommen, werden optimale Bedingungen geschaffen) bewusst forciert. Ein Nachhaltigkeitsteam ist dafür zuständig, mithilfe...

Die Traurigkeit am Ostermorgen...

  Die Traurigkeit am Ostermorgen. Seit ich bewusst denken und schreiben kann, hatte ich sie schon am sogenannten Ostermorgen.Mir gefiel schon als Kind die Karwoche mit der sich ab dem Palmsonntag ansteigenden Trauer. Kündeten zwar am Palmsonntag die Palmstangen mit ihren bunten Bändern noch von der Fröhlichkeit eben dieses Tages, über den Einzug Jesu in Jerusalem. So nahm die Trauer dann in der beginnenden Karwoche – wo in den frühen sechziger Jahren im Rundfunk fast durchwegs nur mehr ernste Musik gespielt worden war – beinahe exponentiell zu. Auch die Filme im Fernsehen hatten in dieser Woche zum überwiegenden Teil ernste Themen zum Inhalt, und waren wohl meistens schon allein deshalb sehenswert. Am Karfreitag kam dann die Passion im Fernsehen, zum Weinen schön und rührend. Ich genoss es, um ehrlich zu sein. Genoss die Trauer und den Schmerz. Warum? Weil ich selbst durch meine Krankheit ständig an sie erinnert wurde. Eitrige Blasen und davon schmerzende Füße machten mir den gegeißelten und schließlich am Kreuz sterbenden Jesus von Anfang an sympathisch. Das mir dabei die ihn zu Tod gemartert habenden Juden so im höchsten Maß unheimlich waren, erklärt sich so wohl von selbst. Vom Holocaust hatte ich natürlich keine Ahnung, woher auch. Die Juden hatten schließlich Jesus gekreuzigt, das stand so im Religionsbuch und wurde auch in allen Passionsdarstellungen weidlich ausgeschlachtet. Dann kam die Auferstehung. Ein für meine kindliche Seele nicht nachvollziehbarer Prozess. Aber wir feierten ja Ostern, das hieß für mich erst mal Ostereier färben, einige wurden mit bunten Bildchen beklebt, welche – so ich mich recht erinnere – Kücken und Osterhasen darstellten – dann kam am Ostersonntag das Suchen des Osternestes. Es gab Süßigkeiten sonder Zahl, es gab Spielzeug, an einen blauen Jeep aus Plastik kann ich mich noch...