Wohin man die 40 Südring-Millionen auch stopfen könnte

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So könnte der stadtverträglich rückgebaute Südring aussehen

Nun hat ja auch das Verwaltungsgericht mit einem Urteilsspruch bestätigt, dass es in der heutigen Zeit und mit dem heutigen Wissensstand keine gute Idee ist, das Geld aller BürgerInnen in Löcher für den Autoverkehr zu versenken, die bewirken, dass dieser zunächst schneller fließt, dabei dann zunimmt und am Ende wieder stockt – dann aber in noch größerem Ausmaß.

Es mag daran liegen, dass selbst nach vier Jahrzehnten und vielfachem Nachweis die damalige Erkenntnis des amerikanischen Ökonomen Anthony Downs bei manchen EntscheiderInnen in Magistrat, Rat- und Landhaus noch immer nicht angekommen ist: neue Straßen sind kein Mittel gegen Stau, denn sie erzeugen zusätzlichen Verkehr. Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten. Sinngemäß lässt sich das auf jede Kapazitätserweiterung für den motorisierten Individualverkehr im Straßennetz anwenden, weshalb solche Ausbaumaßnahmen in der modernen Stadt-, Raum- und Verkehrsplanung bereits seit Jahren tabu sind.

Die konservativen Wurzeln unserer teilzeitliberalen Bürgermeisterin sind aber leider immer noch nicht abgefault, und wer konservativ ist, adoptiert neue Erkenntnisse nur ungern (auch wenn sie schon 40 Jahre alt sind); deshalb will sie das Projekt trotzdem weiterverfolgen. Schließlich gibt es ja auch gültige Beschlüsse.

Ja, die Grassmayrkreuzung ist überlastet. Das bezweifelt niemand. Aber das bedeutet nicht, dass man es den Autos leichter machen muss. Autoverkehr ist schließlich keine Naturgewalt. Im Gegenteil, man kann und muss in solchen Fällen dafür sorgen, dass weniger Autos fahren. Ich möchte daher hier einige Verkehrsprojekte in Erinnerung rufen, die in Köpfen oder Schubladen schlummern oder bereits seit langem auf Beschlüsse und Dotierung warten. In diesen Verkehrsprojekten wären die 40 Millionen wesentlich besser aufgehoben.

  • Verlängerung der in Bau befindlichen Regiotramlinie 5 von Rum nach Hall
    Die „Regionalbahn“ nach Hall wartet auf ihren Baubeschluss. Bis Rum wird sie gebaut, aber für die Verlängerung nach Hall gibt es erst Grundsatzbeschlüsse und noch keine Finanzierung. Sie hat das Potenzial, den Südring und damit die Grassmayrkreuzung von mehreren tausend Autofahrten zu entlasten.
    Weder die vorhandene S-Bahn noch das neue Haller Buskonzept können die Regiotram funktionell ersetzen. Mit den 40 Millionen würde man hier schon weit kommen: die geschätzten Kosten für diese Verlängerung liegen bei etwa 60 Millionen Euro.
  • Verlängerung der Tramlinie 3 von der Layrstraße zum Steinbockweg
    Als die O-Bus-Linie R im Jahr 2007 eingestellt und durch Dieselbusse wurde, war diese Straßenbahnerweiterung noch politisch versprochen und Teil des Straßenbahnkonzepts. Auch hier fehlen aber bis heute Beschlüsse und Finanzierung. Im Moment fahren dort Dieselbusse, und niemand weiß wie lange noch.
    Auch hier schlummert großes Potenzial zur Entlastung der städtischen Straßenhauptachsen, und mit rund 20 Millionen Euro wäre nicht einmal die Hälfte des Südringloch-Budgets verbraucht.
  • Stadtbahnachse Amras – Rossau – O-Dorf
    Ein Lückenschluss im Schienennetz als Verbindung zwischen der Linie 3 (Amras) und der zukünftigen Linie 2 (O-Dorf), der das verkehrsüberlastete Industriegebiet im Südosten und selbstverständlich auch den Südring entlasten würde. Aus den östlichen Vororten könnte man über diese Verbindung beispielsweise schnell den Arbeitsplatz in der Rossau oder das DEZ erreichen.
    Eine Machbarkeitsstudie dazu gibt es hier.
  • Beschleunigung und Verdichtung der Stubaitalbahn
    Viel Autoverkehr aus dem westlichen Mittelgebirge landet von der Brennerstraße kommend direkt auf der Graßmayrkreuzung. Für weniger als die Hälfte der 40 Millionen Euro könnte man die Stubaitalbahn zwischen Mutters und Wilten durch Streckenbegradigungen so beschleunigen und ihre Taktfrequenz verdoppeln, so dass viele Menschen aus dem westlichen Mittelgebirge freiwillig auf ihr Auto verzichten würden. Das Konzept dazu liegt wegen Unfinanzierbarkeit seit vielen Jahren bei den IVB in der Schublade.
  • Rückbau des Südrings
    Wenn große Straßen zum Problem werden, kann man sie entweder erweitern, bis sie pro Richtung fünf Fahrbahnen aufweisen oder noch mehr, oder man kann sie eben rückbauen.
    Das schafft auch Platz für mehr Grün, für Fahrradwege und die auf vielen Abschnitten des Südrings schon längst notwendigen  Busspuren. Mehr dazu in diesem Artikel.
    Selbst ein Totalrückbau wäre denkbar, Vergleichbares wurde in anderen Städten bereits erfolgreich umgesetzt. Automobilität wird durch Urbanität ersetzt, Verkehrsraum durch Lebensraum.

Diese Liste könnte noch viel länger sein, es gäbe noch viele andere Maßnahmen, aber ich lasse es für heute bleiben. Wichtig ist, dass das Südringloch endgültig gestopft wird, bevor unser Geld darin verschwindet.

6 Antworten : “Wohin man die 40 Südring-Millionen auch stopfen könnte”

  1. Ganz Egal sagt:

    Manni Schneiderbauer… irgendwie fast schon ein militanter ivb lobbyist. man könnte auch unterkünfte schaffen um die mietpreise in innsbruck zu senken, oder flüchtlingsunterkünfte bauen, oder kindergärten reformieren,…
    Diese Liste könnte noch viel länger sein, es gäbe noch viele andere Maßnahmen, aber ich lasse es für heute bleiben. Wichtig ist, dass das Südringloch endgültig gestopft wird, bevor unser Geld darin verschwindet.

  2. Ingo sagt:

    Das aller Wichtigste in Ibk wäre, endlich die Mietpreise zu reduzieren. Die Grünen hatten ja versprochen, dass diese sinken würden, wenn sie in die Regierung kommen würden.
    Im Verhältnis zu den unfassbar hohen Parkgebühren, sind die Mietpreise sogar niedriger geworden. 😉
    Der Landhausplatz hätte eine kleine grüne Oase werden können, aber jetzt ist er nur mehr eine Betonwüste, der bei sommerlichen Temperaturen zum Backofen wird.

    Die Regionalbahn ist das eigentliche schwarze Loch, welches unheimlich viel Geld verschlingt und in Pradl und Saggen auch noch zusätzlich sehr viele Parkplätze.
    An Dummheit kaum noch zu überbieten war, dass angefangen wurde zu bauen, ohne zu wissen, ob Völs oder Hall überhaupt eine Regionalbahn wollen!

    Langsam glaube ich wirklich, dass es nur zwei arten von Politidarsteller gibt. Nämlich die Dummen oder die Korrupten.

    Egal, was reg ich mich über Kleinigkeiten auf, denn wenn TTIP oder TISA beschlossen und das Bargeld abgeschafft ist, dann ist eh alles wurscht.

  3. elisabeth sagt:

    oder in einen ganz neuen stadtteil statt dem flughafen. dann wär die gschicht mit den mietpreisen wahrscheinlich wirklich gegessen. und diese „alles ist so teuer weil kein platz“-lüge wäre endlich einmal ausgesetzt.

  4. Otto Riedling sagt:

    Ein Humbug war natürlich, dass die Auffahrt „Innsbruck / Mitte“ nicht an die Brennerautobahn angeschlossen wurde.
    Ein probates Mittel wäre auch, Gleitzeitregelungen – zumindest in reinen Bürobetrieben – einzuführen, damit vielleicht der eine oder andere AN die Öffis benützen könnte. Oft sind es nur ein paar Minuten, die AN auf das Auto zwingen. Dazu bräuchte man aber moderne Sozialpartner bzw. Unternehmer. Für den Südring selbst, wäre ein Kreisverkehrssystem zwischen EKZ West und DEZ die beste Lösung. Es kann natürlich sein, dass der eine oder andere Autofahrer einen „Drehwurm“ bekommt.

  5. Otto Riedling sagt:

    Nachtrag:

    Wie heißt es so schön? Der „Ober“ sticht den „Unter“. In diesem Falle will ja das Land Tirol ein sektorales Fahrverbot erwirken bzw. liegt Innsbruck in einer Luftbelastungszone.
    Da kann man das Störfeuer einer innerstädtischen Diretissima überhaupt nicht brauchen.

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