Innsbruck, deine Plätze … Bischof-Reinhold-Stecher-Platz

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In den nächsten Tagen jährt sich der Todestag des Innsbrucker Bischofs Reinhold Stecher bereits zum zweiten Mal. 2013 starb der nicht nur in kirchlichen Kreisen sehr beliebte Oberhirte im hohen Alter von 92 Jahren. Noch im gleichen Jahr entschied sich die Stadt Innsbruck, den Platz vor der Universitätskirche, besser bekannt als Johanneskirche, nach dem Innsbrucker Altbischof zu benennen.

Nicht von ungefähr wählte man diesen Platz, weil Bischof Stecher die Johanneskirche zur „neuen Universitätskirche“ erhoben hat, einen Umstand, den sie ihrer unmittelbaren Nähe zur Neuen Universität verdankt. Die eigentliche Universitätskirche ist ja die Jesuitenkirche im Geviert der Alten Universität. 1993 nun hatte Bischof Stecher die Johanneskirche nach gründlicher Renovierung als neue Universitätskirche erhoben.

Die kleine schöne barocke Kirche, errichtet 1729, geht auf Pläne des Innsbrucker Barockbaumeisters Georg Anton Gump zurück und zählt sicher zu den schönsten Kirchen Innsbrucks. Nach italienischen Vorbildern errichtet, strahlt die Kirche ein leichtes schönes Barock aus. Sie ist ausgestattet mit Deckenfresken des Tiroler Barockmalers Joseph Schöpf, der auch das Fresko in der mächtigen Vorhalle der Kirche gemalt hat, das erst 2003 renoviert wurde und Teil eines sich in die Kirch hinein fortsetzenden Freskenzyklus über das Leben des Kirchenpatrons, des Heiligen Johannes Nepomuk, ist.

Dabei erwies sich die Renovierung als äußerst schwierig, da das Fresko durch seine Exposition in freier Lage in einer vom Straßenverkehr sehr stark frequentierten Umgebung großen Schaden genommen hat. Ein Umstand, der auch für den ganzen Zustand der Kirche Sorge tragen lässt. Es lohnt sich aber, sich das Bild einmal genauer anzuschauen. Es zeigt die gerade in der Barockzeit sehr stark betonten Tugenden und Versuchungen, denen der Mensch laut christlicher Auffassung ausgesetzt ist. Dagegen kämpfend der Erzengel Michael als Sieger über das Böse.

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Das luftig-leichte Innere der Kirche wird von barocken Altären und schönen Stuckaturen ausgefüllt. Der Hochaltar ist mit einer Staue des Heiligen Johannes Nepomuk in der Glorie von Ingenuin Lechleitner geschmückt. Einem Barockbildhauer aus dem Tiroler Oberland, der es mit seinen Werken bis nach Wien gebracht hat, wo etwa eine Herkulesstatue im Belvederepark von seiner Hand ist. Auch die Figur auf dem Joachimsbrunnen im Walterpark ist z.B. von ihm. Erwähnenswert ist auch noch die Kanzel, sie stammt nach einem Entwurf von Clemens Holzmeister, dem bekannten Tiroler Architekten aus dem Stubaital.

Innsbruck-Johanneskirche-Altarraum

Der Johanneskirche gegenüber befindet sich ein klassisches Beispiel der Innsbrucker Nachkriegsmoderne, das Gebäude des Bundesfinanzamtes, ein Bau im Stil der frühen sechziger Jahre und errichtet nach Plänen von Willi Stiegler, Frohwalt Lechleitner und Alfred Matuella. Mit seiner klar gegliederten Fassade mit den vielen Fenstern ist er doch ein schöner Akzent und ein gutes Beispiel über gelungenes neues Bauen in der Innenstadt.

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Der kleine Brunnen etwas unterhalb der Johanneskirche wurde 1914 vom Innsbrucker Tierschutzverein errichtet und wurde letztes Jahr hundert Jahre alt. Seine Vogelskulptur, die ihn ziert, ist vielleicht von den vielen Tauben inspiriert, die den Bischof-Stecher-Platz tagaus tagein bevölkern, so vielleicht ein Symbol für die Lebendigkeit einer vom Verkehr und einer regen Bautätigkeit im Sinne der Stadterneuerung stark ausgesetzten Platzes darstellend. Aber vielleicht auch für seinen Namensgeber, der für viele ein Symbol einer lebendigen Kirche und durch seine Offenheit und seinen Mut auch ein Symbol eines lebendigen Geistes darstellt.

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Foto Kircheninneres: Wikipedia

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