Music and the city (Vol. XV)...

Devin fuckin´ Townsend, oder: die Innsbrucker Metal-Szene   Die Frage, die sich angesichts des neuen (grandiosen) Albums von Devin Townsend stellt ist einfach zu stellen aber nur schwer zu beantworten: warum klingt (moderner) Metal auf „Deconstruction“ so aufregend und so euphorisierend, während einen bei den in Innsbruck stattfindenden Metal-Konzerten nur das blanke Grauen, oder, noch schlimmer, die pure Langeweile packt?   Ein bißchen Spaß muss sein…   Wenn Devin Townsend sich im Metal aufhält, dann ist das plötzlich wieder ein Ort, der nicht abgestanden, langweilig und nur mit äußerster Vorsicht zu betreten ist. Das Betreten der klanglichen Welt des Metal war in den letzten Jahren für den Rezensenten stets von Gähnanfällen begleitet, die zusammen mit der Erkenntnis immer stärker wurden, dass Metal nichts mehr zu sagen hat und in seiner Klischeehaftigkeit gefangen bleiben würde. Auch wenn Iron Maiden plötzlich wieder hörbar zu sein scheint, zumindest wenn man dem Massengeschmack traut, so ist diese Band mit ihrem abscheulichen Pathos und ihren immergleichen Riffs für den Kolumnisten noch immer nicht rehabilitiert – aber vielleicht ist das ja auch nur pure, theoretische und intellektuelle Anti-Haltung, um sich nicht zwischen schwitzende, gealterte, zumeist männliche Maiden Fans bei überfüllten Konzerten quetschen zu müssen.   Dann also doch lieber, schon aus Prinzip, Devin Townsend, der immer noch, trotz hymnischer Kritiken vor allem im Metal-Bereich, ein Randdasein zu fristen scheint. Und dabei sind die Riffs von Devin Townsend, von seinen Fans auch liebevoll „hevydevy“ genannt, gar nicht so originell, neu oder über den Metal hinausweisend. Der Trick seiner Musik ist ein völlig anderer: es ist der Trick der Übersteigerung, der Überschreitung mit Hilfe der Vorführung von Klischees, sei es in der Musik oder sei es in den Texten. Da wird schon mal über einen Cheeseburger räsoniert,...

Wie man eine Audienz bei der Bürgermeisterin erhält...

Oder besser gesagt: Wie man verfassungswidrig für eine Verwaltungsübertretung von Magistratsbediensteten festgenommen werden kann. Wenn es nämlich nach Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer gehen soll, soll die stadteigene „Sittenpolizei“, die Mobile Überwachungsgruppe des Stadtmagistrats für Sicherheit (MÜG), die Berechtigung dazu haben, Festnahmen durchzuführen. Nachdem im Gemeinderat ein Konsens zum neuen Stadtrecht gefunden wurde, dass als große Neuerung die Bürgermeister_indirektwahl beinhaltet, war es für Christine Oppitz-Plörer noch nicht gut genug – hinterrücks kommen nun die neuen Kompetenzen für die MÜG hinzu.   Zuständig für Verwaltungsdelikte der Stadt, hat die MÜG genaugenommen nicht einmal die Berechtigung Identitätsfeststellungen vorzunehmen, geschweige denn jemanden in irgendeiner Form festzunehmen. Wenn man so will darf die Lieblingseinsatztruppe der Bürgermeisterin genau das, was alle anderen auch dürfen, nämlich sagen „Sei bitte nicht so laut“, „Benutz zum Pipi-machen doch bitte einen dafür vorgesehenen Ort und nicht die Annasäule“ und „Nimm den Bello doch bitte an die Leine“. Mit dem kleinen Unterschied, dass die MÜG das nicht nur sagt, sondern auch gleich als Verwaltungsübertretung zur Anzeige bringt. Polemisch gesagt handelt es sich also um die bezahlte Denunzierungstruppe der Stadt.   Mitternachtsjause mit der Bürgermeisterin Dass Innsbruck aber eine Statutarstadt ist und Festnahmen laut Verfassung nur von der dafür zuständigen Bundespolizei durchgeführt werden dürfen, scheint die Bürgermeisterin nicht zu jucken. Das generell laut Verfassung ein wie auch immer geregelter Wachkörper oder eine Gemeindewache schlichtweg unzulässig ist, dürfte ihr auch egal sein, aber das ist ja eh nur die Verfassung …   Zum Glück hat sie aber für eine besonders praktisch auszulegende Klausel im Entwurf gesorgt: „Der Festgenommene ist unverzüglich dem Bürgermeister zu übergeben“. Wer also in Zukunft eine Audienz bei Christine Oppitz-Plörer haben will, einfach nach zehn Uhr ein bisschen Krach machen und sich dann weigern dem Stadtmagistrat einen Ausweis auszuhändigen. Schon kommt...

Look inn from the outside Pt.7 – Sophia Brown...

Ich kenne die Sophia mittlerweile seit einigen Jahren. Ich hatte das Vergnügen, sie und den Gottfried, mittlerweile bei GoTV, bei einem Konzert ihrer damaligen Band Jellybeat kennenzulernen (der Gottfried ist immer noch bei Jellybeat, empfehlenswertes neues Material by the way!) Damals trat Sophia in einem Tülltraumkleid auf und verewigte sich anschließend backstage im Weekender Club, das waren good times for sure! Die Fotos stammen aus meinem Archiv…back in the days 😉 – bis auf das von Sophia im roten Rock, das ist eine aktuelle Aufnahme von Sophia Brown.   Und obwohl wir nun älter sind, lassen wir uns unsere adoleszenten kreativen Aufschreie  nicht nehmen. Wir bloggen etwa beide auf www.stylishkidsinriot.com. Und auch wenn sich Sophia von der DJane Picky Bitch in die erwachsene Version Sophia Brown entwickelte, begleitet sie ihre sprudelnde Slutenergie, wo immer sie ist.  Hier nun sprudeln aus ihr Gedanken zu Innsbruck:   – Wie oft und warum warst du Innsbruck? Ich war so eine handvoll Mal in Innsbruck, meistens zum Auflegen oder spielen mit meiner Ex-Band (Jellybeat). Oh warte, einmal war ich auch da, als ich dringend Geld brauchte, da hab ich 2 Tage lang in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt Jonglierbälle für eine große Tiefkühlkost-Firma verteilt. Dazu musste ich ein T-Shirt tragen, auf dem stand „Freches Früchtchen“, ziemlich erniedrigend… – Hast du Lieblingsorte in IBK? Natürlich mag ich den Weekender Club, die dazugehörige Bandwohnung ;), leider muss ich gestehen habe ich noch nicht so viel gesehen von der Stadt, aber die Naturkulisse, wenn man mitten in der Stadt steht ist sehr beeindruckend und einzigartig! Aber ich kann ja noch mal wiederkommen… Wie hast du die Kulturszene hier wahrgenommen, als du da warst? Das was ich vor Ort und aus der Ferne mitbekommen habe, wirkt sehr engagiert, wohl relativ übersichtlich, aber...

Raum für mehr

Wo, wozu und wie arbeitet man heute? Das Projekt Arbeit_Raum in der Kulturbäckerei gibt mögliche Antworten auf diese Fragen. Tastaturgeklapper und Geflüster, konzentrierte Stille und Gemeinschaft, Notebook und Buffet. Die Kulturbäckerei in der Dreiheiligenstraße ist in dieser Woche Raum für mehr: für Arbeit, für Vernetzung, für Kreativität, für Austausch. Moderne Formen der Arbeit werden hier im Kleinen erprobt. Arbeitsplätze an großzügigen Tischen, W-Lan, Drucker und Scanner stehen für 20-25 Freischaffende und Projektarbeiter zur Verfügung. Neben dem ruhigen Arbeitsbereich gibt es Räume für Gespräche, Diskussionen, Kaffeepausen und leckeres Essen, für das Julia Unterberger freudvoll den Kochlöffel schwingt – das schmeckt man.   Die Zeiten haben sich verändert. Haben sich die Arbeitsplätze entsprechend mitverändert? Nein, vielerorts herrscht noch der alte Stil des fixen Arbeitsplatzes und der fixen Arbeitszeiten, die weder Kreativität noch Vernetzung fördern. Das Projekt „Arbeit_Raum“ bietet eine Alternative. Es ist bislang einzigartig in Tirol. In Großstädten wie Wien, Amsterdam und Brüssel sind coworking spaces längst Usus – „The Hub“ in Wien ist in Österreich ein klassisches Beispiel dafür. Ob diese Arbeitsformen das Gelbe vom Ei sind, wird am Freitag in der abendlichen Diskussionsveranstaltung erörtert.   ––––––– Hintergrund: Susanne Pedarnig und Nina Fuchs, beide zwischen Studium und Arbeitswelt pendelnd, haben sich gefragt, was Arbeit heute eigentlich bedeutet und bedeuten kann. So haben sie gleich das Projekt „Arbeit_Raum“ ins Leben gerufen. Finanziell werden sie von der Stadt Innsbruck, im Rahmen der stadt_potenziale, und vom Land Tirol unterstützt. Das Projekt läuft bis einschließlich Freitag 1.Juli 2011. Für spontane Besucher, die die neue Arbeitsweise gerne testen möchten, ist noch Raum. Einfach bei Nina oder Susanne melden: arbeit_raum@hotmail.com Weitere Infos zur Tages- und Abendgestaltung, Diskussionsrunden und Filmen zum Thema „Arbeit“ unter: www.coworkingfestival.at.vu   Autorin: Julia...

Nie mehr Schule?

Wenige Tage vor Ferienbeginn erreicht uns eine erschreckende Nachricht: Mehr als 300 Hauptschüler(innen) können trotz guten Noten im Herbst keine weiterführende Schule besuchen. Die Begründung: Es gibt in Tirol einfach zu wenige weiterführende Schulen.   Es hört sich an wie ein schlechter Witz: In Sonntagsreden betonen Politiker(innen) aller Couleurs gebetsmühlenartig den hohen Wert der Bildung. Die Realität sieht allerdings ganz anders aus: Bildungsreformen werden zwar eifrig diskutiert, allerdings nur in Trippelschritten umgesetzt. Die Koalitionsparteien liegen mit ihren Konzepten einfach zu weit auseinander. Statt in Bildungseinrichtungen investieren sie unser Steuergeld lieber in Tunnelbau und Bankensanierungen.   Tirol liegt sowohl beim Anteil der MaturantInnen als auch bei der Studierendenzahlen (weit) unter dem Bundesschnitt. Noch immer gilt Bildungsfeindlichkeit hierzulande in manchen Kreisen fast als Charakterstärke – wer zu viel weiß oder wissen möchte, könnte ja unbequeme Fragen stellen.   Alle Jahre wieder Die fehlenden Schulplätze sind übrigens nichts Neues, sondern beschäftigen die Tiroler Politik seit Jahren. Das beginnt mit dem Run auf die Gymnasien – wofür dann oft schon ein "Zweier" im Volksschulzeugnis ein Ausschlussgrund sein kann. Und die Hauptschulabsolvent(inn)en werden eben ins "Poly" abgeschoben: HAK und HTL können sich ihre Schüler(innen) längst aussuchen.    Dem ÖVP-Bildungssprecher LA Franz Berger fällt dazu folgender schöner Satz ein: „Wie am freien Markt orientiert sich auch bei der Bildung das Angebot an der Nachfrage.“ Na dann: Geiz ist geil und ohne Geld ka Musi...

Sportourismus: Zwei eilige Herren…...

…machen Innsbruck unsicher. Sehenswert! http://www.youtube.com/watch?v=5oUigRlxZo0  ...

Sport: Go, Raiders, go!

Die Swarco Raiders Tirol haben abgeräumt. So richtig abgeräumt. Erstmals in der Vereinsgeschichte haben sie das große „Double“ im American Football erreicht: Nur fünf Tage nach dem Sieg im Eurobowl gestern noch der Sieg im Austrian Bowl XXVII. Souverän mit 23:13- gegen die Vienna Vikings und das auch noch auswärts im Happel-Stadion. Jetzt ists Zeit, dass in das Tirol Panorama auch ein Football-Helm kommt. Bravo Raiders, go-t einfach so weiter.   http://www.raiders.at/  ...

Music and the city (Vol. XIV)...

Wadada Leo Smith, oder: wie ich lernte die Trompete zu lieben   Wadada hält sich in einem wunderbaren Zwischenraum zwischen Free-Jazz, Avantgarde, Blues und Funk auf, den nur wenige Musiker jemals betreten haben   … Gottes Werk und Teufels Beitrag   Wie kann man diesem Teufelstrompeter also nachfolgen, der sich explizit dafür ausspricht, dass Musik eine Anleitung ist, zu Gott hin zu gelangen, der sich dafür einsetzt, die Musik wieder in ihrer ganzen Metaphysik stark zu machen, womöglich gar wieder dafür einzutreten, sie als das „gute, wahre und schöne“ zu definieren? Am besten, wenn man diese Kategorien und diese Verstiegenheit von Wadada ignoriert und bemerkt, dass er sich, paradoxerweise, auch für Zen-Buddhismus zu interessieren scheint, wie es seine Aussagen und vor allem seine Musik nahelegen. In dieser Musik findet sich keine Transzendenz, sondern eine „Rezendenz“, ein Rückschritt, der eigentlich ein Fortschritt ist und fortan als sein solcher zu gelten hat. Es ist der Schritt hin zur „Welt“, zur Alltäglichkeit, zum Geräusch, zur Wahrnehmung, dass letztlich alles Musik ist: „everything we do is music“, wie es John Cage ausgedrückt hat. Wenn also alles was uns umgibt Musik ist bzw. auch jede Tätigkeit, die wir ausführen, atmen, uns bewegen, handeln, per se Musik ist, dann muss auch Musik selbst, in einem konventionellen Sinne verstanden, sich dieser Erkenntnis stellen. Wadada tut das auf eindrucksvolle Weise, wenn man ihn atmen hört, seinen Atem in der Trompete zirkulieren hört, wenn er sich bewegt, man förmlich wahrnimmt, wie er sich im Studio bei diesen Aufnahmen bewegt haben muss. Sein Körper kann gar nicht stillstehen, weil auch diese Musik nicht stillsteht, sich ständig bewegt, verändert, bricht, ohne die Zäsur an sich in den Mittelpunkt zu stellen.   … Schwelle, Passage, Verwandlung   Auch deshalb besteht seine...

Die Föhnleichnamparty war fetzig, föhnig, fein und fun!...

Ich schlendere dem Inn entlang, auf der Suche nach dem Modecafé Taminda, auf das ich schon länger neugierig bin. Heute Abend werde ich es endlich dorthin schaffen, da sich dort ein Provinnsbruckfest abspielt. Das Party-Poster hat mich schon im Vorhinein überzeugt: die Füße eines aufgebarten Leichnams, an dessen Zehe das Provinnsbruck-Logo, ein pinkes Föhn-Slash-Megaphon baumelt. Als Fan von den „My Girl“-Filmen und der fantastischen Bestattungsfamilienserie „Six Feet Under“ hat mich das Poster von vornherein verzaubert. Auf dem Weg zur Party treffe ich auf einen Bloggerkollegen, wir rollen durch leichtes Tröpfeln in Richtung Taminda, dessen Logo in der Ferne erstrahlt, ein halber Blütenzirkel, der sich, wie sich später an der Bar herausstellt, auf der Schulter der Barkeeperin wiederfindet. Weiters bemerke ich zu späterer Stunde, am Weg aufs Klo durch ein prächtig behangenes Kleiderstangenmekka, dass das Taminda-Logo da ja nochmal ist, und zwar auf einem T-Shirt. Eine traumhafte Ansammlung von Einzelstücken, ich weiß jetzt schon, dass ich hier Stammkundin werden werde. Wer war da? Der mich noch zu Unipresszeiten zur Modeikone-machende Wiesinger, der Blog-Guru, der auf den Namen Provinnsbruck kam (Anm. Wiesinger: na servas). Dann war noch Mastermind Isabella Krainer da, die zum Beispiel die Partyankündigung erfolgreich in alle Richtungen verstreut hatte, das volle Tamindahaus bewies dies. Weiters war da der Herr Varano-Punk, der mir die wohl lustigste Partysituation bot, als er sich mit einem weiteren Provinnsbruck-Blogger in Form einer „Johnny Cash oder Bob Dylan“-Poetry-Slam-Battle unterhalten hat. Varanos Gegenüber hat herrlich ausdrucksstark geschwiegen, bis auf kleine verbale Hiebe, ich wurde zur mediatorischen Vermittlerin zwischen den Fronten. Mein Highlight der Party: Um uns herum tummelten sich Hipster, weil wir sind ja auch ein stylischer Blog, aber die Hip Kids wurden dann doch von authentischen Freaks und Geeks und Revoluzzern übertrumpft, das Publikum...

Diese Stadt ist mein Bauch...

Dieses Foto zeigt einen alten Freund von mir. Er ist kein Patriot, sondern eher links – und hat sich das Kürzel IBK tätowieren lassen: Wie so manches ist auch das eine reine Geschmacksfrage.   Allerdings glaube ich, dass dieses Tattoo sinnbildlich für einen bestimmten Trend steht, der mir schon seit einiger Zeit auffällt: Innsbruck scheint langsam cool (bzw. für U-20-provi-LeserInnen: phett) zu werden. Inzwischen wird die Marke „Innsbruck" für verschiedene Produkte und Labels verwendet und scheint sich gerade bei den Youngstas und Gangstas zu etablieren.   Wie cool ist Innsbruck? Nein, ich mein damit wirklich nicht das neue Stadtlogo oder irgendwelche Marketingschmähs – es handelt sich eher um eine jugendliche urbane Szene, oft aus HipHop und SprayerInnen-Kreisen, die mit dem Image von Innsbruck spielt und es selbstironisch zitiert: Das beginnt eben mit Kürzeln und Codes wie IBK und 6020 und hört damit noch nicht auf, das manche inzwischen in pinken Innsbruck-Jacken gewandet ausgehen.    Ist das Ganze nur ein Schmäh oder stehen wir vor einer Welle jugendlichen Lokalpatriotismus? Keine Ahnung. Innsbruck wird sicher nie an den Coolnessfaktor von Kreuzberg und die Street Credibility von Harlem heranreichen. Und doch hat sich diese Stadt irgendwie gemausert zwischen Air-and-Style und Wetterleuchten – zwischen Schanze und Transit. Andererseits spendet in unserer durchmcdonaldisierten Massengesellschaft Herkunft eben auch Identität – und das ohne großen Aufwand.   Dieses Video steht eben für dieses Phänomen, dieses Stadt zu lieben und zu hassen, aber nicht zu...