Ritter hinter Staub und Nebel

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Das Gasthaus „Alt Insprug“ hat sicher schon mal besserer Zeiten gesehen. Es ist ja schon seit längerem kein Gasthaus mehr. Zurzeit sind seine Geschäftslokale überhaupt leer und harren wohl einer neuen Vermietung. Nun das alles wäre nicht weiter der Rede oder eines Beitrages wert, wären nicht im Erker im ersten Stock zwei originalgetreue Nachbildungen von zwei Ritterfiguren, deren Original in der Innsbrucker Hofkirche stehen und die den sagenumwobenen König  Artus – das war doch der mit der Tafelrunde – und den Ostgotenkönig Theoderich der Große darstellen. Schon als Kind hat mich das fasziniert, da hatten mich die sogenannten „schwarzen Mander“ in der Hofkirche ja total in ihren Bann gezogen, und sie da jetzt sozusagen in einem Erker noch einmal zu sehen, war dann doch ein für ein Kind schwer beeindruckendes Wiedererkennungserlebnis. Gefertigt wurden die beiden Statuen, die übrigens aus Holz und nicht aus Bronze – wie ihre Originale – sind, vom Kunsttischler und Vergolder Albrecht Reden, der in München ausgebildet wurde und der Sohn des damaligen Wirtes des Gasthauses war.

Jetzt machen die hinter einer angestaubten Glasscheibe stehenden Figuren eher einen etwas traurigen Eindruck, ihre touristische Anziehung, weswegen sie wahrscheinlich 1906 angefertigt worden sind – heute würde man so etwas einen webewirksamen „Eyecatcher“ bezeichnen – hat natürlich schon lange an Glanz verloren und kaum ein Straßenpassant oder –Passantin  verliert noch einen Blick hinauf zu ihnen.  Und so beobachten sie wohl eher gelangweilt die Straßenszene, ehe das Hausm, dessen typisch gotisiernder Heimatstilfassade nicht darüber hinwegtäuschen sollte, das es in seiner Substanz bereits aus dem 15. Jahrhundert stammt, vielleicht doch noch mal im Zuge einer Revitalisierung wiedereiner gastronomischen Verwendung zugeführt wird.

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Immerhin ist es bereits 1801 als kleine Weintaverne bekannt, 1866 wurde es schließlich als „Gasthaus Annasäule“ neu eröffnet. Wobei es bald darauf dann den Namen „Zum einschichtigen Hosenträger“ bekam. 1906 wurde es schließlich im Sinne des damals gerade aufgekommenen Heimatstils “ vom Innsbrucker Baumeister Anton Fritz umgestaltet. Die Innenräume wurden nach Motiven germanischer Heldensagen und alt Innsbrucker Motiven ausgestattet. Da hat es dann wohl auch seinen Namen bekommen, unter dem es dann bis zu seinem Ende bekannt war und wie es unter den Einheimischen wohl noch immer heißt.

In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde es schließlich eine Bar eingerichtet, die bis zwei Uhr nachts geöffnet hatte, womit es wohl zu den ersten Innsbrucker Nachtlokalen gehört haben dürfte.  Man bekam hier „American Drinks“ serviert und traf sich zum „Five o’clocks tea“, wie das sehr  lesenswerte, in Zusammenarbeit mit dem Innsbrucker Stadtarchiv im Studienverlag erschienene Buch Vom Wirtshaus zum Grand Hotel von Peter Walter-Gottsbacher informiert. Selbst der Tiroler Stararchitekt Clemens Holzmeister hinterließ hier seine Handschrift, indem er 1924 einen neuen Speisesaal entwarf. Neben dem schon seit einigen Jahren auch nicht mehr als Gasthaus firmierenden weit über Innsbruck hinaus bekannten Gasthaus Breinössl ist es wohl ein weiteres Zeichen einer sterbenden Innsbrucker Wirtshauskultur, wo gutes und meistens auch erschwingliches Essen auch mit einem schönen und guten  – und meistens auch künstlerisch gestalteten – Ambiente eine gute Verbindung einging. Etwas, was schon seit längerem immer mehr  zu verlieren zu gehen droht.

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2 Antworten : “Ritter hinter Staub und Nebel”

  1. Otto Riedling sagt:

    „Theoderich der Große“ war die historische Vorlage für
    „Dietrich von Bern“

  2. Helmut Schiestl sagt:

    Stimmt!

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