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Wenn das Gras wächst in der Stadt

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Immer wieder sind es die Bruchlinien, in der sichtbar wird, dass eine Stadt auch etwas ganz anderes sein kann, als das sie sich nach außen präsentiert. So sind es oft landwirtschaftlich genutzte oder ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude, die an den Rändern der Stadt zu sehen sind, wie auch in Innsbruck in Pradl oder Wilten etwa. Oder ein verwilderter Garten wie hier etwa am Ende der Andreas-Hofer-Straße, wo das Gras hinter einem meterhohen schönen Eisengitter wächst, und uns so einen Eindruck davon gibt, wie es wohl aussehen würde, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Stadt verlassen würden.

Man wartet, bis Gras über eine Sache gewachsen ist, ist etwa ein bekanntes Sprichwort, oder man hört das Gras wachsen. Hier in der durch den Verkehr doch etwas lauten Andreas-Hofer-Straße hört man es zwar nicht wachsen, aber man kann es sehen und vielleicht sogar riechen.

Leider ist es um die dahinterstehenden Gebäude nicht so gut bestellt, und das mag ja wahrscheinlich auch der Grund für die Verwilderung dieses ehemals sicher gepflegten Vorgärtchens sein. Die Fenster des dazugehörigen Hauses sind vernagelt, was wohl auf sein schon vor längerer Zeit erfolgtes Verlassen-worden-Sein hindeutet. Und in der Tat, neulich konnte man in den Zeitungen lesen, dass der schöne Gründerzeitblock, der die Egger-Lienz-Straße mit seiner historistischen giebelbekrönten Fassade noch dominiert, abgebrochen werden und einem neuen Wohnprojekt der Baugruppe Zima weichen soll. Obwohl ursprünglich nur ein Teilabriss des doch recht großen Gebäudekomplexes vorgesehen war, was auch vom Innsbrucker Gestaltungsbeirat empfohlen wurde, scheint sich nun der Projektträger Zima voll durchgesetzt zu haben. Naja, wer das Geld hat, macht eben die Musik, könnte man jetzt triumphierend sagen.

Der grüne Planungsstadtrat Gerhard Fritz verteidigt laut TIROLER TAGESZEITUNG vom 29. Dezember 2015 das Projekt als „clever“, und dass der Erhalt der Fassade nicht möglich sei. Was Bauausschussmitglied Gemeinderat Helmut Buchacher von der SP nicht so sieht. Es seien wohl „absichtlich monströse Entwürfe“ eingereicht worden, wird er in dem Artikel zitiert. Und es gehe auch nicht um Sozialwohnungen, wie gleich im Titel des Artikels verkündet wird. Womit also wohl einer weiteren Gentrifizierung eines Stadtteils Vorschub geleistet werden dürfte. Nun, über den Anteil an geförderten Wohnungen wird noch verhandelt werden, ist weiter zu lesen.

Mag schon sein, das in den Zeiten, als diese Gebäude gebaut wurden, andere Vorstellungen von Wohnbau geherrscht haben. Immerhin wurde der Gebäudeblock 1890 vom damaligen Büro für Hochbau der K. K. Österreichischen Staatsbahnen für ihre „Diener und Arbeiter“ geplant. Aber dass nicht auch hinter schönen alten Fassaden, die ja schließlich das Gesicht einer Stadt prägen und repräsentieren,  nicht auch Wohnen nach heutigen Vorstellungen möglich sein kann – auch dafür gibt es genügend Beispiele.

Es wäre so gesehen wohl sehr schade, würde hier wieder ein Stück des gründerzeitlichen Wilten zerstört, gerade vis-a-vis des schönen im Jugendstil errichteten und erst vor einigen Jahren erneuerten Westbahnhofes und eben auch der – noch – von einigen schönen Gründerzeitbauten geschmückten Andreas-Hofer-Straße. Und so etwas wie Sinn für Ensembleschutz müsste sich auch bei den politisch Verantwortlichen inzwischen eingeprägt haben. Immerhin handelt es sich um ein Ensemble, das die Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges überstanden hat.

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Helmut Schiestl

3 Comments

  1. um die menschen geht’s da doch schon lange nicht mehr. auch nicht um irgendein stadtbild. da geht’s um kohle und sonst nichts und wer ernsthaft glaubt, dass das anders ist, dem oder auch der ist wohl nicht mehr zu helfen. was der grüne fritz da erzählt ist typisches politikergefasel und kompletter blö*sinn. Mieten rauf, Menschen runter. So und nur so handelt der grüne fritzl und am traurigsten ist, dass es die grünen jüngerInnen auch noch glauben….
    …und der ha ce lacht sich weiter ins fäustchen!

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