Die totale Patscherkofel-Verarsche

Der Patscherkofel heute am 8. Juni (Quelle: webcam patscherkofelbahn.at)

Es ist ein viel geplagtes Wort, dieses „Farce“. Laut dem guten alten Duden bedeutet es: „ Angelegenheit, bei der die vorgegebene Absicht, das vorgegebene Ziel nicht ernst zu nehmen ist (u. nur noch lächerlich gemacht, verhöhnt wird). Die „Volksabstimmung“ zum „58-Mille-Patscherkofel-Wahn“ (und genau so schwammig wird der Abstimmungsgrund von vielen wahrgenommen) ist eine einzige Pflanzerei. Und sie führt die aktive Bürgerbeteiligung völlig ad absurdum.

Das Fundament der neuen Kofel-Bergstation Foto (c) Stadtblatt Stephan Gstraunthaler

Irgendwie hat der Alpenverein den Zeitpunkt versäumt, aus der ganzen Geschichte rund um die Kofel-Bergstation noch gesichtswahrend auszusteigen. Eingebunden in die Planungen war er ja stets. Ich schüttle den Kopf, wie man sich dermaßen in einen Standpunkt einbetonieren kann, wo man doch schon so früh ganz laut „Stopp!“ rufen hätte müssen. Man hat sich seitens des Alpenvereins, dessen Mitglied ich seit Ewigkeiten bin, genau so einbetoniert wie das Fundament der kommenden neuen Kofel-Bahn nun auch schon ist. Richtig gelesen: Wir sollen am Sonntag über die Verlegung einer Bergstation abstimmen (erwünschtes Ergebnis: mindestens 70 Meter Abstand zwischen AV-Schutzhaus und Kofel-Bahn-Bergstation), deren Fundament längst in Beton gegossen ist. So was fällt sonst nur Kabarettisten ein.

Das Alpenvereins-Schutzhaus am Patscherkofel (Quelle: blog.innsbruck.info)

Auf der supertollen Infotafel im Rathaus wird es vermutlich nähere Informationen zur Abstimmung geben, ansonsten: Fehlanzeige. Und bitte jetzt nicht kommen mit („Aber das ist im Stadtrecht nicht vorgesehen“). Wer sich am Sonntag in eines der üblichen Wahllokale verirrt, ist a) entweder entschiedener Gegner der aktuellen Stadtführung rund um Christine Oppitz-Plörer und will’s „denen da oben mal ordentlich zeigen“ oder b) auf der Suche nach dem vergessenen Turnbeutel seines Kindes.

Der Alpenverein hat doch wissen müssen, dass man in Innsbruck nie und nimmer mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten in eine Wahlzelle bringt (52.289 abgegeben Stimmen braucht’s, damit das Ergebnis überhaupt bindend ist). Nicht mal ich als AV-Mitglied werde hingehen. Weil ich mich nicht verarschen lasse. Und eigentlich möchte ich hingehen. Grad der Stadtführung zu fleiß. Weil ich mich nicht verarschen lasse.
Weil`s Wetter aber schön werden soll, mache ich das in diesem Fall einzig Richtige – stadtkompatibel UND alpenvereinskompatibel: Ich gehe auf einen Berg. Mit einer Portion Wut im Bauch darüber, dass in Innsbruck mit der direkten Demokratie ein übles Spiel gespielt wird. Von beiden Seiten.

Weiterer Bericht und mehr Fotos auf https://www.meinbezirk.at/innsbruck/lokales/patscherkofel-wir-arbeiten-bereits-am-limit-vom-limit-d2138150.html

19 Antworten : “Die totale Patscherkofel-Verarsche”

  1. Gerhard Kronthaler sagt:

    Gerhard Kronthaler Lieber Herr Koschuh, die neue Bergstation wird nicht gebaut, weil unsere Stadtregierung oder der Alpenverein so dumm und gemein sind, sondern weil es viel zu viele Bürger von Ihrem Format gibt: fest jammern, wie schlecht alles ist und dass man eh nichts machen kann … um dann nicht mal zur Abstimmung zu gehen. Hören Sie bitte auf mit Ihrem Gesuder und gehen Sie wählen! Mit freundlichen Grüßen Gerhard Kronthaler

  2. Sandra sagt:

    Haben Sie denn Artikel eigentlich verstanden, Herr Kronthaler? Da geht’s nicht darum zu „jammern“, sondern eine Pseudoabstimmung anzuprangern, während längst Fakten in Beton gegossen werden … Lesen hilft gegen geistigen Flachsinn!

    • Gerhard Kronthaler sagt:

      Liebe ‚Sandra‘,

      warum sprechen Sie von Pseudoabstimmung? Die Spielregeln einer Volksbefragung sind rechtlich klar definiert. Und Sie sollten sich nicht von ein paar Betonfundamenten einschüchtern lassen, die sind schnell wieder zugeschüttet. Sonst haben die Herrschaften genau das erreicht, was sie mit dieser Aktion bezweckten.

      MfG, Gerhard Kronthaler

      PS: Ich weiss ja nicht genau, was Sie so alles lesen, aber das Wort ‚Flachsinn‘ gehört nicht zum Wortschatz der deutschen Sprache.

  3. Innsbruckerin sagt:

    „Eingebunden in die Planungen war er ja stets“?? -> bitte lesen: http://www.alpenverein.at/portal/news/aktuelle_news/2017/2017_06_07_patscherkofel-schutzhaus.php

  4. Sandra sagt:

    „Pseudo“ ist die Abstimmung deshalb, weil hier über ein Randthema abgestimmt wird. Man hätte den millionenteuren Neubau zur Abstimmung bringen sollen, der Standort der Bergstation interessiert die große Mehrheit der Bürger nicht.

    Wollen wir wetten, dass die Bürgermeisterin am Montag hinstellt und verkündet: „Die große Mehrheit hat sich nicht an der Abstimmung beteiligt, also stimmt der Kurs!“ Ein klassisches Eigentor also …

    Damit Sie auch noch etwas lernen, hier eine Definiton von Flachsinn, vielleicht fühlen Sie sich ja angesprochen: „Flachsinn
    Nie zuvor war das Erzeugen von Rummel leichter. Ob in Politik, Wirtschaft oder anderen gesellschaftlichen Bereichen: Es wird schneller, lauter und dümmer.“

    Siehe unter: https://www.freitag.de/buch-der-woche/flachsinn

    • Gerhard Kronthaler sagt:

      Liebe Sandra,

      den ersten Teil Ihrer Replik kann ich nachvollziehen, daher kritisiere ich auch die Haltung von Herrn Koschuh, nicht an der Abstimmung teilzunehmen.

      Dem zweiten Teil muss ich aber leider vehement widersprechen. Es handelt sich hier nicht um eine Definition des – nicht existierenden – Wortes ‚Flachsinn‘, sondern um den Klappentext eines Buches, das diesen Namen trägt.

      Zur Veranschaulichung: ich habe meinem kleinen Neffen gerade ein Buch mit dem Namen ‚Moppelpo‘ gekauft und würde jetzt auch nicht behaupten, dass es sich hier um ein Wort der deutschen Sprache handelt.

      Um das Niveau Ihrer Allgemeinbildung etwas zu heben, weise ich Sie darauf hin, dass Sie im Zweifelsfall im Wörterverzeichnis des ‚Rates für deutsche Rechtschreibung‘ nachsehen können, ob es sich um ein Wort der deutschen Sprache handelt.

      http://www.rechtschreibrat.com/DOX/amtliches_Woerterverzeichnis_Stand_2010.pdf

      „Grundlage der deutschen Rechtschreibung ist das aus einem Regelteil und einem Wörterverzeichnis bestehende Regelwerk. Vom ‚Rat für deutsche Rechtschreibung‘ herausgegeben, fixiert es die amtliche Norm.“

      Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Vergnügen bei der Lektüre Ihrer oberflächlichen, pseudowissenschaftlichen Schriften. Falls Sie jemals zu einem anspruchsvollen Buch greifen möchte, stehe ich selbstverständlich mit Empfehlungen zu Ihrer Verfügung.

      Mit freundlichen Grüssen,
      Gerhard Kronthaler

  5. Sandra sagt:

    Da Ihnen zur Abstimmungsfarce die Argumente ausgehen, muss jetzt eben der von Ihnen kritisierte Begriff „Flachsinn“ zur Selbstprofilierung herhalten.

    Nun gut: Sprache verändert sich ständig, Begriffe ändern ihre Bedeutung, veralten und kommen neu hinzu. „Geil“ bedeutete einmal „fröhlich“, war dann sexuell konnotiert und bezeichnet heute das, was unsere Großeltern „prima“ fanden. Vor wenigen Jahrzehnten hätte noch kein Mensch gesagt, dass eine bestimmte Argumentation „Sinn mache“ – das wurde aus dem englischen Sprachgebrauch übernommen.

    Es zeugt von einer geradezu rührenden Autoritätshörigkeit, wenn Sie hier den Rechtschreibrat anführen, um Ihre dürftige und rückwärtsgewandte Argumentation zu stützen. Ich ernenne Sie hiermit offiziell zum Sprachpolizisten: Viel Vergnügen beim Aufspüren von undeutschen Sprachsünden, ich bin sicher das Weltnetz hat nur auf Sie gewartet!

  6. Gerhard Kronthaler sagt:

    Liebe Sandra,

    bis jetzt empfand ich unseren Austausch als sportlich und anregend, jetzt driften Ihre Kommentare aber leider ins Untergriffige und Peinliche ab. Warum so viel unterdrückte Wut? Ist es so schwer zuzugeben, etwas einfach mal falsch verstanden zu haben?

    Mit freundlichen Grüssen,
    GK

  7. Sandra sagt:

    Oje, sind Sie jetzt beleidigt? Da Ihnen die Argumente ausgehen, werden Sie jetzt plötzlich sehr wehleidig.

    Sie schreiben am 10. Juni (siehe oben): „Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Vergnügen bei der Lektüre Ihrer oberflächlichen, pseudowissenschaftlichen Schriften.“ und „Um das Niveau Ihrer Allgemeinbildung etwas zu heben“, um nur zwei Ihrer Beleidigungen zu zitieren. Das „Untergriffige und Peinliche“ ist also nicht von mir ausgegangen.

    Ihr Diskussionsstil reicht für ein paar flapsige Kommentare, sobald es um eine sachliche Auseinandersetzung geht, ist leider kaum noch Substanz zu erkennen.

    Ich vermute, Ihnen geht es weniger um die Verlegung der Bergstation oder einen Begriff wie Flachsinn, sondern einzig und allein darum, im Internet Ihr Mütchen zu kühlen … aber dann dürfen Sie nicht bei einer adäquaten Reaktion nicht gleich den Schwanz einziehen.

  8. markus sagt:

    Ich glaube das reicht jetzt!

  9. Elie sagt:

    Die 5%-Beteiligung bei der Abstimmung hat ja eindrucksvoll bewiesen, wie die Innsbrucker_innen zu dieser Abstimmung stehen … dafür ist „Farce“ noch ein sehr vornehmer Ausdruck!

    • Michael Voldrch sagt:

      Über die Abstimmung wurde aber – wohl absichtlich – nicht breit informiert! (vergleiche dazu die seinerzeitige ausschließliche und einseitige Pro-EU-Beitritts-Reklame im ORF …!)
      Mindestens einige wussten nicht, wann/ wo abzustimmen wäre.

      Und von dem schönen Wetter am Abstimmungs-Sonntag erwarteten sich wohl viele InnsbruckerInnen, dass ihnen dabei – bildlich gesprochen – bei Ausflügen, Schwimmsport etc. gebratene Tauben verschiedener Art (je nach Erwartungen) in den Mund fliegen!

  10. Otto Riedling sagt:

    Mich würde interessieren, ob Bürgermeisterin und AV-Präsident nur unter vier Augen oder jeweils mit einem
    Komitee verhandelten???????

    Wäre auch ganz interessant.

  11. Richard sagt:

    Lieber Koschuh, dass du hier so einseitig/kurzsichtig auf den Alpenverein herumreitest enttäuscht mich – du bist doch für deinen Weitblick bekannt (Agrargemeinschaften, …)!

    Ich bin froh, dass der Alpenverein diese Abstimmung ermöglicht hat. Hier werden 70 Mio Euro für eine Bahn ausgegeben, die weder wirtschaftlich, noch ökologisch nachhaltig ist. Für viele Bürger war diese Abstimmung die einzige Möglichkeit, ihren Protest auszudrücken. Warum? Es gäbe so viele Projekte, die wesentlich wichtiger wären:

    Innsbruck ist eine Stadt, in der das Wohnen für Normalverdiener nicht mehr leistbar ist. Mit
    den 70 Millionen Euro könnte man 4.000 Wohnungen* bauen und damit vielen Jungen Ihre Zukunftsängste nehmen.

    … oder man könnte endlich einmal städtische Kinderkrippen eröffnen – aktuell muss man sich bei den wenigen privaten Anbietern bereits vor der Geburt (!!) einen Platz reservieren!

    … oder kulturelle Einrichtungen anständig fördern und damit Kabarettisten = Gesellschaftskritik = eine lebendige Demokratie ermöglichen! 😉

    * Vgl. Campagnereiter Areal, 2000 Wohnungen um 35,7 Mio €
    http://www.iig.at/presse/presseaussendungen/presseaussendungen-detail/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=637

  12. Solon sagt:

    Liebe Sandra,

    mit großem Interesse habe ich deine Kommentare gelesen. Darf ich mir die Frage erlauben, was du beruflich machst ?

  13. Gastrosoph sagt:

    Die Gastropatsche

    Patschert war s c h e i n b a r die zögernde Reaktion des AV auf die Hyperaktivität des koalitionären Stadtstreich-Quartetts im aktuellen wieder gigantomanischen Bau-Betonismus. Wer Lust und Zeit hat, könnte recherchieren, inwieweit das Verstellen der Aussicht des AV-Schutzhauses auf die Landschaft durch den überdimensionierten Neubau der Patscherkofelbahn so nahe daneben gegen Eigentumsrecht und Eigentumsethik verstoßen. Den AV wurmt dabei wohl eher die verringerte Aussicht auf Gäste wegen der nun künftig verstärkten Gastrokonkurrenz.

  14. Helmut Schiestl sagt:

    Ja vielleicht wird aus dem Patscherkofel noch eines schönen Tages der „Patscherte Kofel“. Die Namen der Berge haben ja oft tiefsinnige und seltsame Gründe. Ist erstmal eine Sage darum entstanden, die wir dann gerne weitertragen wollen.

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