Die „6er“ ist mehr als nur eine Ausflugs-Bim

Linie 6 bei Bergisel

Alle paar Jahre kochen erneut Gerüchte über eine Einstellung der Linie 6 hoch, einige Male war die Gefährdung auch schon real. Diesmal ist sie es nicht, da nur ein im Zuge einer Ideenfindung geäußerter Vorschlag publik geworden ist, aber auf lange Sicht ist die geschichtsträchtige und landschaftlich wunderschöne Wald-Tram für manchmal weniger als 100 Fahrgäste pro Tag nicht haltbar, zumal die IVB sie im öffentlichen Auftrag betreiben, der öffentliche Nutzen in dieser Form aber fraglich ist. Intensivere touristische Vermarktung wird sie ebenfalls nicht retten, da Freizeit- und Ausflugsverkehr saison- und witterungsabhängig ist.

Innsbrucks und Tirols gewählte Volksvertretungen haben schon vor eineinhalb Jahrzehnten ein klares Bekenntnis zum Ausbau des Schienennetzes der Landeshauptstadt abgelegt. Während laufende Ausbauprojekte die Vororte im Osten und Westen der Stadt künftig ans Schienennetz anbinden und auch für das westliche Mittelgebirge entsprechende Überlegungen existieren, ist neben den MARTHA-Dörfern auch das östliche Mittelgebirge im Schienenkonzept für den Zentralraum noch nicht berücksichtigt worden. Als logische Fortführung des Tram-Ausbaus bietet sich die Nutzung der Linie 6 zur direkten Anbindung der einwohnerstarken Speckgürtelgemeinden Aldrans und Lans an, die zwar heute bereits von der Linie 6 berührt werden, aber mit viel zu weiten Fußwegen von den Haltestellen.

Dafür ist beginnend bei Schloß Ambras eine Neutrassierung nötig. Zusammen mit zwei bis drei weiteren Tramfahrzeugen für ein 15-Minuten-Intervall ist so ein Ausbau für grob geschätzt 30 Millionen Euro machbar – das ist der Preisbereich, in dem sich auch die zahlreichen Ortsumfahrungsstraßen im ganzen Bundesland bewegen, die trotz zweifelhaften Nutzens immer noch errichtet werden. Eine zur schnellen Stadtregionalbahn ausgebaute Linie 6 könnte die Buslinie 4134 in diesem Abschnitt ersetzen und zahlreiche Autofahrende aus dem Mittelgebirge auf die Bahn bringen.

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Mögliche Trassenvarianten Linie 6 (Skizze: Martin Schönherr)

Es ist ganz klar, dass eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik nicht zulassen kann, dass wertvolle Infrastruktur mit dem Potenzial, eine vierstellige Anzahl von Autos pro Tag von der Straße zu holen, auf Dauer brach liegt oder gar zerstört wird.

Der Ausbau der Linie 6 muss daher über kurz oder lang im Schienenkonzept für den Zentralraum verankert werden!

1 Antwort : “Die „6er“ ist mehr als nur eine Ausflugs-Bim”

  1. Helmut Schiestl sagt:

    Hab mir schon mal überlegt,die Bahn bis nach Ampass zu verlängern, dieser Ort ist ja schließlich ein Ausflugshotspot, der in viele Naherholungsgebiete Innsbrucks führt (Hasental, Poltental, Herztal usw.), dann die Schleife hinauf nach Aldrans und über Lans zurück nach Igls. Bin zwar kein Verkehrsplaner, aber ich denke mal, das hätte schon was. Vielleicht nicht heute und morgen, aber übermorgen …

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