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# COVID-19 – die Zweite

Nun ist es vierzehn Tage her, als ich meinen ersten Text zur Corona-Krise auf provinnsbruck.at veröffentlich habe. Damals die weitreichenden Folgen dieser Pandemie für unser aller Leben noch nicht wirklich abschätzend. Das, was sich damals bereits langsam aber steig abzeichnete, nämlich die Stilllegung des Kulturbetriebes, vor allem was größere Veranstaltungen mit mehr als hundert Bescher/innen betraf, am Sonntag dann mit dem Schließen alle Kinos, Theater und Museen und Galerien, war ja auch nur ein Anfang. Mittlerweile sitzen wir fest in der Quarantäne: außer Geschäfte für den täglichem Bedarf hat ja bekanntlich nichts mehr offen. Und außer Haus gehen ist nur mehr allein oder höchstens zu zweit und nur mehr oder weniger in der unmittelbaren Wohnumgebung erlaubt.

Nun, zum Glück sind wir ja hier in einer größeren Stadt, so dass wir nicht gleich an die Grenze zum Nachbarort stoßen, den wir ja auch nicht – außer in außerordentlichen Fällen wie Arbeit oder Versorgung naher Angehöriger – betreten dürften. Eine schlimme Zeit, gewiss, vor allem weil wir nicht wissen, wann sie endet, und wie es nachher weitergehen wird. Was also erst mal heißt, sein Alltagsleben komplett umzugestalten, einkaufen gehen, kochen, ein wenig im Freien die Füße vertreten. Und zum Glück gibt’s das Internet, wo wir unsere Befindlichkeiten austauschen und unsere Ängste artikulieren können.

Begegnen wir jemandem auf der Straße, den wir kennen, so halten wir uns meistens nicht lange dabei auf. Grüßen, fragen vielleicht noch, wie es geht, und gehen weiter. Denn der oder die so Gegrüßte könnte ja Träger/Trägerin des Virus sein und es uns mittels Speicheltröpfchen übertragen, auch wenn er oder sie keine Symptome hat. Und wenn wir diese Vorsichtsmaßnahme weiterdenken, heißt das, das wir uns vor unserem Mitmenschen in Acht nehmen müssen. Sie könnten uns – unabsichtlich natürlich! – großen Schaden zufügen. Und das ist eigentlich das Schlimme an der ganzen Geschichte!

Und da ich ein Mensch bin, der immer nach Ursachen fragt, ist für mich natürlich auch eben die Frage nach den Ursachen dieser Pandemie relevant. Auch wenn es noch nicht hundertprozentig bewiesen sein mag, aber allem heutigen Wissensstand nach sollte das Corona-Virus in China auf einem Wildtiermarkt von Flughunden oder anderem Getier auf den Menschen übergesprungen sein. Und das, nachdem es bereits vor Jahren bei der ebenfalls in China ausgebrochenen Sars-Epidemie einen ähnlichen Übertragungsweg gegeben haben soll.

Und daher meine Frage: Hätte hier nicht eine rigorose Kontrolle dieser Lebend-Wildtier-Märkte in China die Ausbreitung dieser Seuche verhindert? Wenn ich daran denke, wie viele Petitionen ich etwa im Internet gegen Palmölplantagen, die Verdrängung bestimmter Tierarten aus ihren Lebensräumen aufgrund von ökologisch bedenklichen Vorhaben diverser Agrarlobbys und Konzernen unterschrieben habe, völlig zurecht, aber ich kann mich nicht erinnern, dass mir mal eine Petition eben gegen diese Handelspraktiken in China untergekommen wäre, dann stimmt mich das schon auch angesichts der nun verheerenden Auswirkungen dieser Pandemie nachdenklich. Hat die vielzitierte und bemühte Zivilgesellschaft hier vielleicht etwas verschlafen oder übersehen?

Nun müssen wir die Sache durchstehen. Es wird noch Wochen-, ja Monate dauern, und viele sagen, die Welt wird eine andere sein als die, die sie vorher gewesen war. Womit wir jetzt beim vielzitierten und manchmal wohl auch missbrauchten Begriff der „Krise als Chance“ wären. Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch heißt es im Patmos-Gedicht des kürzlich erst gefeierten deutschen Dichters Friedrich Hölderlin. Aber wie viel Leid, Elend und nicht zuletzt auch Tote müssen da erst beklagt werden wollen, ehe wir hier sozusagen unseren Lebensalltag neu aufsetzen können? Wie viele Klein- und Mittelbetreibe werden diese Krise überleben, wie viele Menschen ihre Arbeit verlieren und somit ihre Lebensplanung völlig umkrempeln müssen? Wie viele obdachlose Menschen aus ihren ohnehin prekären Lebensverhältnissen herausfallen? Wie viele – oft in ebenso prekären Verhältnissen lebende – Kulturarbeiter/innen ihre berufliche Existenz verlieren? Geld kann zwar vieles lösen, und solches hat ja zumindest unsere Regierung der vielen, die es brauchen werden, versprochen.

Ob es dann auch immer bei denen ankommen wird, wird man wohl erst nach Ende der jetzigen Verhältnisse sehen können, welches ja von Woche zu Woche mehr nach hinten geschoben wird. Wie man auch die horrenden Zahlen von Corona-Fällen in Tirol, ausgelöst durch eine außer Rand und Band geratene hypertrophe Tourismusindustrie, wird nachhaltig aufklären müssen. Viel wurde dazu ja schon in anderen Foren gesagt, nicht zuletzt im uns immer wieder über die Missstände und Widerlichkeiten der Mächtigen im Lande am Laufenden haltenden Blog von Markus Wilhelm dietiwag.org. Nur so viel vielleicht noch: So wie es war, wird es nicht mehr weitergehen können.

Bleibt zu hoffen, dass sich einiges ändern wird. Corona heißt in der Musik auch Pause, und wird in den Noten mit einem Haltepunkt bezeichnet. Ein solcher ist uns nun wohl für länger in unsere Lebenspartituren eingeschrieben.

Dieses Foto habe ich neulich in der Schöpfstraße gemacht. Dort wo wohl nie eine Fahne hängt, hat diese Innsbruck-Fahne wohl eine Hausbewohnerin  oder ein Hausbewohner herausgehängt, vielleicht als einen Appell an das Zusammenhalten der Insbrucker/innen.

Helmut Schiestl

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