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Blechbruck oder Innsbradl?

Zwei Fotos, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Das eine zeigt den heutigen Franziskanerplatz Ende der 80er Jahre, das andere wurde von provInnsbrucker Stefan in dieser Woche geknipst.

 

Heute ist es kaum noch vorstellbar, dass der Franziskanerplatz einmal eine ganz normale Durchzugstraße war – und zugleich zeigt das Foto, wie leicht Freiraum für alle entstehen kann, wenn nicht überall Autos durchbrausen und rumstehen.

 

Eine radlfreundliche Stadt ist Innsbruck meiner Meinung nach bis heute nicht. Ich bin das ganze Jahr über per pedales et pedes unterwegs und besitze kein Auto. Zwar hat Innsbruck schöne Radwege zu bieten – vor allem entlang des Inns und der Sill – aber im Zentrum oder entlang des Südrings ist die Situation stark verbesserungswürdig bis gemeingefährlich.

 

Leider geht der Ausbau der neuen Tram, den ich an sich begrüße, bisweilen auf Kosten der Radwege: Ein Beispiel dafür ist die östliche Anichstraße, die inzwischen nur noch für mutige und akrobatisch geschulte RadlerInnen passierbar ist: Alles ist sehr eng und ständig droht die Gefahr in die Schienen einzufädeln. Am Leipziger Platz ist durch den Umbau ein geradezu gemeingefährlicher Parkour entstanden.

 

Eine aktuelle Umfrage der Stadt Innsbruck verdeutlicht die Brisanz dieses Themas: 60 Prozent der RadlerInnen fühlen sich auf Innsbrucks Straßen nicht sicher.

 

Innsbruck wäre eigentlich eine optimale Radlstadt. Das Stadtgebiet ist überschaubar und die kurzen Wege laden dazu ein, in die Pedale zu treten statt die Blechbüchse anzuwerfen. Die Verantwortlichen haben bisher viel zu wenig getan, um das umweltfreundlichste Verkehrsmittel zu fördern. Im Gegenteil: Lieber werden für sündteures Geld Tiefgaragen gebaut, um noch mehr PKW in die Stadt zu locken.

 

Die Grundfragen lautet daher: Wollen wir eine Stadt der Autos, des Blechs und der Abgase oder sollen Radfahren und -wege Vorrang genießen? Wollen wir saubere Atemluft und weniger Lärm oder sollen Blechkübel unsere Stadt erobern?

 

Fotos: Radl von Stefan Wienerroither, Franziskaner Platz von Schwarz Weiß


Andreas Wiesinger

4 Comments

  1. Ich denk mal nicht, dass jemals einer der Stadtplaner, die fast wahllos Radwege verteilen, mitm Rad durch die Stadt fährt.

    Und nein, Innsbruck wird nicht Radfreundlicher, durch das ach so tolle "Tram"projek. Mittlerweile muss ich sagen finde ich das Schienennetz wesentlich gefährlicher als den Verkehr. Aber hauptsache Innsbruck hatt ein neues Prestigeprojekt und man kann sich als Wohltäter feiern lassen.

  2.  … nicht zu vergessen, stadteinwärts über die Unibrücke Richtung Anichstraße, der Balanceakt zw. Stoßverkehr, Schienen und Taxitüren.

     

    Apropos Gießkanne:

    der Radweg hinter der Markthalle war m.E. nicht dringlich oder notwendig – ich sehe das als unausgereifte Schnell-Schnell-Prestigemaßnahme der Grünen Verkehrsstadträtin 

     

    Wie immer gilt:

    Handzeichen beim Abbiegen nicht vergessen, IL-AutofahrerInnen mir Respektabstand begegnen; 

    Nachts mit Licht und nüchtern unterwegs.

     

    Anregung:

    Höchste Zeit wieder einmal für eine "Aktion scharf" gg das Telefonieren mit Handy beim Autofahren

     

  3. Ich habe schon das Gefühl, als Radfahrer auf vielen Straßen regelrecht Freiwild zu sein. Die Autos brausen zwei Handbreit an einem vorbei, im Winter werden Radwege nicht nur selten geräumt, sondern oft auch noch für die Schneeablagerung missbraucht. Schon schade, wenn das umweltfreundlichste Verkehrsmittel systematisch behindert wird.

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