Endstation BLECHbruck?

Die Diskussion über den öffentlichen Nahverkehr in Innsbruck ist eine "never ending story" und nur unverbrüchliche OptimistInnen vermögen noch an ein Happy End zu glauben.

 

Wer durch die Stadt spaziert, kann täglich Blechlawinen bewundern und Abgasschwaden inhalieren. Das gesamte Stadtgebiet ist ein Luftsanierungsgebiet, vor allem in der Winterzeit purzeln die Grenzwerte beinahe täglich. "Ins stinkts" könnten die BewohnerInnen ausrufen, doch dem heiligen Blechle wird wider aller Vernunft weiter gehuldigt.

 

Das Projekt "Regionalbahn" ist längst auf eine innerstädtiische Straßenbahn geschrumpft –  Völs und Rum wollen noch nicht so recht mitmachen bzw. mitzahlen. Der Bund zog sich aus der Finanzierung zurück, weil eine "Stadtbahn" angeblich nicht förderungswürdig ist (vgl. das Posting von Manni Schneiderbauer auf dieser Seite). Diese Schrebergartenmentalität führt täglich zu Verkehrsstaus: Ein Großteil der etwa 40.000 PendlerInnen kommt mit der eigenen Blechkiste.

 

Die Straßenbahn wird zurzeit im Schneckentempo erweitert, was natürlich trotz allem ein positives Signal ist. Auf eine eigene Trasse wurde allerdings verzichtet – das sei zu teuer, stattdessen klotzt man lieber noch zwei, drei Designerhotels samt Tiefgaragen ins Stadtgebiet.

Es steht in den Sternen, wann die neue Bim fertig wird – realistisch ist 2020, d.h. die Endabrechnung ist vermutlich in Yuan fällig. Bis dahin wird mancher rote Blitz wohl schon ein wenig Rost angesetzt haben und schwerfällig Fahrt aufnehmen – nur um sich in die nächste Blechlawine einzureihen.

 

Für das Foto bedanke ich mich bei www.strassenbahn.tk/.

5 Antworten : “Endstation BLECHbruck?”

  1. Gut geschrieben. Ja, wir brauchen den Ausbau des Schienennetzes, dringender als je zuvor.

    Fachlich stimmt das mit Rum und Völs allerdings nicht ganz, der Bund zahlt nicht mit, weil der Verkehrsmitteltypus "Stadtbahn" aufgrund trassierungstechnischer Parameter (kann auch im Straßenraum verkehren) von der Nahverkehrsfinanzierung des Bundes nicht erfasst wird. Es ist eben keine Vollbahntrasse, sondern eine Mischung aus Tram und Vollbahn. Einige Politiker glaubten seinerzeit, dem Bund ein X für ein U vormachen zu können, was auch die seltsame Namensgebung "Regionalbahn" erklärt für etwas, das eine klassische Stadtbahn ist, wie sie Mitte der 1970er in Deutschland erstmals errichtet wurden (beschleunigte Straßenbahn, außerhalb der Innenstadt weitgehend auf Eigentrasse).
    In Wahrheit bräuchte es hier eine Gesetzesänderung auf Bundesebene. die Gesetzgebung hinkt nach, moderne Stadtbahnen sind genauso förderungswürdig.
    Es ist aber nicht so tragisch, denn der Bundesanteil hätte nur 10% betragen und die Anteile von Stadt und Land nachträglich gemindert. Finanzierbar ist alles auch ohne Bund.

    Rum und Völs werden selbstverständlich auch ans Stadtbahnnetz angebunden, weil die positiven Effekte der neuen Ost-West-Schienenachse sonst viel geringer sind. Man würde viel Geld in den Sand setzen, wenn man auf die Lückenschlüsse nach Rum und Völs verzichten würde. Warum das so ist, steht in diesem schon etwas älteren Editorial auf meiner Website: http://www.strassenbahn.tk/inntram/editorial_20100620.html

    Der RH-Bericht hat den politisch Zuständigen hoffentlich etwas Feuer unterm Hintern gemacht. Das einzig Wacklige im Gesamtprojekt nach Regional- und Straßenbahnkonzept war bisher nämlich der Zeitplan, dem wir drei Jahre hintennach laufen. Ich erwarte mir jetzt eigentlich innerhalb der ersten Monate des Jahres 2012 einen straffen, verbindlichen Zeitplan, darauf basierende Beschlüsse auf Landes- und Kommunalebene und keinerlei Bauunterbrechungen mehr, bis die Tramlinie O, die Ost-West-Stadtbahnäste nach Völs, Rum und Hall und auch der Westast der Linie 3 zum Steinbockweg fertig sind.

  2. Helmut Schiestl sagt:

    Kann mich eigentlich immer weniger für dieses Projekt erwärmen, wenn ich daran denke, dass die Strecke Völs Rum von mehreren verschiedenen Verkehrsmitteln angefahren wird. Da wäre mal die ÖBB mit ihren S-Bahnen, die IVB-Linie T, die vom Völser Einkaufszentrum Cyta bis zum Rumer Hof fährt, und das täglich bis spät am Abend, dann gibt es die Verkehrsverbund-Buslinie 4169, die ebenfalls von Völs über die Bundesstraße über Hall bis nach Mils fährt. Dann gibt es noch diverse Buslinien, die Hall mit Innsbruck verbinden, einmal Bundesstraße, einmal über die Dörfer, und ebensolche Linien, die Innsbruck mit Völs verbinden. Da heißt es allerdings in Innsbruck umsteigen. Aber ich frage mich da echt, was da noch eine Straßenbahn für einen Sinn machen soll, wofür man erst eigene Gleise bauen muss und die diverse technische Infrastruktur errichten. Das für voraussichtlich 306 Millionen Euro. Ich denke, dass man dieses Geld für sinnvollere Projekte einsetzen könnte. Denn eines sollte auch klar sein: So lange Autofahren so billig ist, wie es das zur Zeit noch ist, wird sich an der Blechlawine auf unseren Straßen nichts ändern. Da kann man noch so viele Bahnen und Buslinien errichten. Autofahren muss ganz einfach teurer werden.

    Hierzu noch ein interessanter Artikel aus der TT von heute

    http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Tirol/4049142-2/rote-karte-für-planung-und-struktur-der-regionalbahn.csp

    • Verkehrsplanung ist eine komplexe Angelegenheit, und planerische Entscheidungen können nicht aus dem Bauch heraus getroffen werden. Mag sein, dass es auf den ersten Blick so aussieht, als wäre Innsbruck in Ost-West-Richtung bereits gut öV-technisch erschlossen. Das stimmt aber nicht. Schau dir mal die Reisezeiten und die Kapazitäten der genannten Linien an.
      Die "Regionalbahn" und die S-Bahn werden zusammen zwei hochwertige Schienenachsen bilden, die wir dringend brauchen. Der allem zugrunde liegende Gedanke ist, dass die Schienenachse sich in der dicht besiedelten Kernstadt teilt (Rum und Völs) und die Kernstadt von zwei Schienenverkehrsmitteln erschlossen wird.
      Eine Großstadt kann nicht nur mit Bussen erschlossen werden, die Entfernungen sind dafür zu groß und die Kapazitäten zu gering. Innsbruck ist in Ost-West-Richtung ausgerichtet, fast schon eine Bandstadt (Innsbruck endet nicht an den Gemeindegrenzen, die Agglomeration reicht noch 30 km ins Unterland und 20 km ins Oberland!), weswegen es in dieser Relation die stärkste Verkehrsnachfrage gibt, und ausgerechnet im Zentrum dieser Relation gibt es im Moment nur langsame Busverbindungen.
      Es hat schon seine Gründe, dass Land und Stadt da einige hundert Millionen Euro hineinstecken.

  3. Andreas Wiesinger sagt:

    Danke, Manni: Ich habe die entsprechende Formulierung überarbeitet und hoffe, es stimmt jetzt. Es würde mich übrigens sehr freuen, wenn du auch hin und wieder bei uns mitbloggst, ob zur Tram, Öffis oder anderen IBK-spezifischen Themen ;-).

     

    Übrigens bin ich in Innsbruck hauptsächlich mit dem Radl unterwegs – für mich einfach die schnellste und günstigste Fortbewegungsart. Die fehlende Trasse macht Teile der ohnehin radlfeindlichen Innenstadt zum regelrechten Hindernisparcour: Wer nicht genau aufpasst, gelangt in die Gleise und kann sich schlimm verletzen… bei aller grundsätzlichen Sympathie für Bim und Bus sehe ich ebenso wie Helli einige entscheidende Schwachstellen.

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