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5000 EURO ZU GEWINNEN!!!

Grundsätzlich haben wir beim filmfest rejected ja Glück gehabt. Die zwei Wettbewerbe, die wir veranstaltet haben, sind mir in sehr schöner Erinnerung geblieben. Denn es Stand eigentlich nicht das „Bessersein“ oder Gewinnen im Vordergrund, sondern das Miteinander. Der Musikwettbewerb im Cinematograph endete damit, dass alle Musiker (es waren wirklich alle  männlich) gemeinsam zwei Filme synchronvertont haben. Vor dem 48h Filmwettbewerb kam eine Teilnehmerin auf mich zu und meinte, sie wäre schon so gespannt darauf, wie denn die anderen die Themenvorgabe interpretiert hätten. Es ging also um Austausch, um Interesse an gegenteiligen Blickwinkeln und um Respekt vor der Arbeit anderer. Nicht alle Wettbewerbe verlaufen so. Eigentlich die wenigsten.
 
Die Art, wie das filmfest rejected die letzten drei Jahre gestaltet wurde, ist auch einer Form von Wettbewerb geschuldet. 2011 haben wir 7000 Euro von der Kulturförderung Stadtpotentiale bekommen. Anfangs war es natürlich großartig endlich über ein Budget zu verfügen, in der darauffolgenden Zeit zeigte sich jedoch: Wir haben uns – um eben bei dieser wettbewerbsmäßig ausgetragenen Kulturförderung Gelder zugesprochen zu bekommen – selbst unterboten. Wir haben Gagen gedrückt, nicht nur unsere eigenen, und ein Angebot erstellt, das man um diesen Preis eigentlich nicht veranstalten kann, ohne sich und andere auszunutzen. Das wird verständlich, wenn man weiß, dass einzelne Projekte nie viel mehr als 7000 bekommen, und man weiß auch, man muss „besser“ sein als andere eingereichte Projekte, um überhaupt was zu bekommen. So fängt das Kulturdumping an. Ob ein anderes System der Verteilung besser wäre, sei einmal dahingestellt. Dass insgesamt 70.000,- ausgespielt werden ist auf jeden Fall zu wenig. Es ist eine Einladung an alle TeilnehmerInnen, sich und ihre Ideen billigst zu verkaufen.
 
Jetzt ist auch noch ein neuer Player im System aufgetaucht. Die Wirtschaftskammer. Über die Website tirolgewinnt.at werden, sage und schreibe, 5000 – in Worten fünftausend – Euro vor 32 Kulturprojekte geworfen, die dann selbst UnterstützerInnen keilen müssen, um an das Geld zu kommen. Wär eine Kamera dabei, wär’s reality tv. Nur eben mit weniger Preisgeld. Sprich: alle FreundInnen werden dazu angehalten, sich mit Namen und e-mail, noch besser mit Facebookdaten anzumelden und diese Daten bereitwillig der Werbeagentur impalawolfmitbiss, die hinter dieser WKT Fassade steht, zu überlassen.
 
Versteht mich nicht falsch. Ich weiß 5000 sind mehr als Null. Ich weiß mit 5000 können viele dieser Projekte wirklich etwas anfangen. 5000 können für viele vieles besser machen. Aber, und dieses Aber ist für mich nicht nur am Satzanfang groß zu schreiben, warum treten wegen dieser unappetitlich kleinen Summe KulturarbeiterInnen in einen Wettbewerb, der ihnen nicht gut tut? Warum sollen wir vom rejected Leute keilen, damit sie für uns und somit GEGEN die anderen Projekte abstimmen? Viele der eingereichten Projekte liegen uns doch selbst am Herzen. Mehr noch, mit „Follow Herbert“ hatten wir sogar eine Kooperation während des Festivals. Wir sind FÜR Herbert und nicht GEGEN Herbert! Das ist doch lächerlich, wenn man wegen einer 32stel Chance auf 5000 Euro in einen Wettbewerb tritt, der noch dazu hauptsächlich zum Datensammeln und Werbezwecken dient.
 
Bitte seht doch einmal wie wenig Geld das ist! Viele Projekte würden durch Kooperationen mehr gewinnen als 5000 Euro und 15 Hypo Tirol Seifenboxen. Außerdem unterstützen alle, die da mitmachen, hauptsächlich diese Werbefirma, denn die hat für tirolgewinnt.at sicher mehr kassiert als bei tirolgewinnt ausgespielt wird.
 
Was lernen wir jetzt aus der ganzen Misere? Mikrobeträge würden vielen Ideen, Initiativen, Veranstaltungen usw. wirklich helfen. Sonst würden nicht so viele fragwürdige Wettbewerbsbedidingungen in Kauf nehmen, auch nur für die Aussicht auf ein paar Tausender. Der Preis, den man zahlt, um vielleicht etwas Geld zu bekommen ist allerdings zu hoch. Komplizierte Ansuchen und Kostenaufstellungen, Belege einzeln auf A4 aufkleben, alles rechtfertigen und sich selber nix zahlen auf der öffentlichen Förderschiene oder Datenkeilen und Freunde belästigen auf der privatwirtschaftlichen Seite – das steht zur Auswahl. Die Energie, die man dabei investiert, ist oft nicht das dadurch zugewiesene Geld wert. 
 
Das dumping hat in vielen Bereichen Einzug gehalten. Ich kenne es als Musiker selbst nur zu genau. Stehen doch viele sogar bereitwillig Schlange dafür zu zahlen, dass sie spielen „dürfen“. Pay to Play nennt sich die geniale Erfindung. In Innsbruck vertreten durch die Live Stage. Da muss man für Techniker und Bühne EUR 200,- zahlen, was man aber großzügigerweise in Form von Eintrittskarten abgegolten bekommt. Man darf also auch noch die PR für die Venue übernehmen und all seinen FreundInnen eine Karte andrehen, damit die dorthin gehen und Bier trinken. Man selbst steigt im besten Fall mit dem Minus der Fahrtkosten aus. Hat neben zwei anderen Bands gespielt, die auf dieselbe Weise abgezogen wurden und somit auch vor einem Publikum, das sich einen feuchten Kehricht um die Musik schert. Bravo!
 
Im Theater sieht es auch nicht besser aus. Thomas Ostermeier schreibt über eine besonders schlimme Entwicklung folgendes: „Unter dem Vorwand, für freie unabhängige Strukturen zu sein, werden die Akteure der unterschiedlichen Milieus aufeinandergehetzt. Fürsprecher des freien oder Off-Theaters behaupten, dass sie das viele Geld, das die Institutionen verschlingen, viel effizienter einsetzen. Dabei ist ihnen gar nicht bewusst, dass sie sich so zu Apologeten des neoliberalen Zeitgeists machen: Von uns bekommt ihr mehr Kunst für weniger Geld.“
 
Alles wird so zum Wettbewerb. Und fair ist was anderes.
 
Wer aber kennt die Lösung des Problems? Der vielzitierte Vorschlag, dass alle KulturarbeiterInnen ein Jahr streiken sollen, funktioniert leider auch nicht. Entweder würde es zu viele StreikbrecherInnen geben, die für noch weniger Geld arbeiten. Oder es würde einfach nicht weiter auffallen, dass gestreikt wird.
 
Das filmfest rejected hat sich jedenfalls von tirolgewinnt zurückgezogen. Mit der Forderung, auch alle Daten unserer UnterstützerInnen zu löschen. Und in Ermangelung einer besseren Idee, aber mit der Hoffnung, dass noch viele von dem ungustiösen tirolgewinnt abspringen, folgender Vorschlag: Ich mag das earlybird. Flo, wenn du dich vom Wettbewerb zurückziehst, spiel ich bei dir ein Benefiz, und du kaufst mit dem Geld ein neues Mischpult. Ich weiß es werden nicht 5000. (Die verteilt die Kitzbühler Werbefirma eh an das Kitzbühler Festival). Aber vielleicht 500. Die Leute zahlen das, wenn sie wissen wofür das Geld verwendet wird. Die wollen auch endlich parametrische Mitten bei dir haben. Und der Spatz in der Hand fängt den frühen Wurm. Komm schon. Du wirst dich danach besser fühlen. Und wenn jemand auch noch weiß, wie man jemandem von der Wettbewerbsliste runter helfen kann, macht es mir nach. Wir haben nur mehr bis zum 4. Juli. Dann ist dieser Wettbewerb aus und ein anderer beginnt. Zeigt, dass ihr auch glaubt, dass es so nicht geht. Nicht gegen einander. Miteinander!

Kamil Szlachta

14 Comments

  1. Lieber Kamil,
    wie Dir sicher aufgefallen ist, hat sich "The Early Bird" bereits wenige Tage nach Start dieser Aktion auffallend ruhig verhalten und keine weiteren Aufforderungen zur Unterstützung verbreitet.
    Sich heute, einen Tag vor Ende der Aktion, davon zu distanzieren, bringt in meinen Augen weniger als die Erkenntnis und Scham darüber, einer gut durchgeführten Adressen-Keilerei aufgesessen zu sein. Ich werde dennoch eine dementsprechende Email an die Veranstalter senden.

    Was Dein Angebot eines Benefiz-Konzertes betrifft, freut mich dieses wahnsinnig, weil es mir zeigt, daß zumindest Du die Arbeit rund um "The Early Bird" zu schätzen weißt und diese in Innsbruck bitter nötig ist: daß eine (wenn auch kleine) Bühne ohne Miet- und Nebenkosten gerade für Nachwuchsbands dringend gebraucht wird; daß ein Ort gewünscht ist, an dem MusikerInnen sich einem tatsächlich interessierten und aufmerksam zuhörenden Publikum präsentieren können!

    Aber gleichzeitig mißtraue ich Deiner Vermutung, das Publikum würde zahlen, wenn sie wissen, wofür! The Early Bird hat in seinem ersten Jahr über 200 Konzerte bei Freiem Eintritt veranstaltet und alle auftretenden MusikerInnen wurden durch die Spenden in den Hut ("Chapeau!" – Respektsbezeugung!) honoriert – von vielen mit einem gerade zu lächerlichen Betrag! Nur wenige haben verstanden und sich angemessen erkenntlich gezeigt! (Diesen hier meinen Dank auch im Namen der MusikerInnen!)
    Das eigene Bier steht vielen eben oft näher, als das Verständnis für den Wert künstlerischer Arbeit und der daraus hervorgehenden Bereicherung unser aller Leben.

  2. Ob einen Tag vor Ende der Aktion oder früher besser (gewesen) wär, sei dahin gestellt. Respekt trotzdem vor der Haltung.

    • diskutiert haben wir schon vor der teilnahme. nachdem wir gesehn haben, dass fb daten beim abstimmen gesammelt werden noch mehr. da waren wir aber sehr mit dem ablauf vom rejected beschäftigt. dann gedanken machen, beschluss fassen. haltung bilden. bis alle im team gefragt waren vergeht auch noch zeit. email schreiben. aussteigen. dann wird von denen nochmal nachgefragt ob man’s ernst meint. bestätigen. langen text schreiben und bloggen. alles braucht seine zeit.

      ach ja, und man soll auf jeden fall noch mehr machen als sich über dumme preisausschreiben aufregen. (dass es nur bis zum 4. juli geht, hatte ich einfach verschlafen.)

      und noch etwas. die daten der unterstützerInnen der projekte, die ausgestiegen sind, werden gelöscht. da kommt’s auch nicht drauf an, wann man ausgestiegen ist.

      außerdem gibt’s eine kooperation zwischen mir und dem earlybird. und beide seiten werden profitieren. und ich rede hier mal nicht nur vom geld.

  3. Gebe euch prinzipiell recht, diese Art der "Kulturförderung" ist sicherlich der falsche Weg. Andererseits ist unsere Kulturförderung generell ein ziemlicher Wahnsinn, voll von Freunderlwirtschaft und Beziehungsnetzwerk. Aber einen Tag vor Ende, wenn man keine Chance auf den Sieg hat, zurückzuziehen und so zu tun als ob man es aus wirtschaftsethischen Gründen tut, ist wohl auch der falsche Weg.

    • "…. wenn man kein Chance auf den Sieg hat …" ach ja – und schon fliegen die wieder die Hackeln auf der Kulturwiese.

  4. Aufgrund der im Internet und realen Leben stattfindenden Diskussionen und der Frage, ob ich diesbezüglich Stellung beziehen kann, habe ich soeben der Wirtschaftskammer folgende Email geschickt.
    lg, m.


    Sehr geehrte Damen und Herren der Wirtschaftskammer Tirol!

    Als Miteinreicher des Projektes „Follow Herbert“ im Rahmen Ihrer Ausschreibung „Tirol Gewinnt!“, verfolge ich seit einigen Tagen gespannt die kritischen Einwände gegenüber dieser Initiative. Gestatten Sie mir, diesbezüglich kurz Stellung zu beziehen.

     

    Seit Anfang an war mir klar, dass „Tirol Gewinnt!“ nur dann funktioniert, wenn zwischen den einzelnen Projekten ein Konkurrenz- bzw. Rivalitätsverhältnis entsteht: Wer die meisten Freunde mobilisieren kann und die meisten Stimmen erhält, erntet auch die 5000€. Als Wirtschaftskammer Tirol wissen Sie es natürlich besser als ich, dass Konkurrenz und Rivalität die Grunddynamiken des kapitalistischen Systems sind: Nur was konkurrenzfähig ist, kann auf dem Markt bestehen. Trotz aller Skepsis die ich gegenüber dieser Dynamiken hege, habe ich mich doch dafür entschieden, das Projekt „Follow Herbert“ von Herrn Michael Fuchs einzureichen. Mit diesem Geld hätten wir einerseits die angefallenen Materialkosten für den Bau des Busses gedeckt (der Bus sowie der Umbau wurden aus eigener Tasche finanziert), andererseits einige Künstler der Stadt Innsbruck gefördert, indem wir ihnen Auftrittsmöglichkeiten gegeben hätten (z. B. Bands, Theater, Lesungen, Vorträge etc.). Kurzum: Wir hätten das Geld in Kreativität investiert, die dann der Öffentlichkeit zu Gute kommt. Aufgrund dieses Kompromisses, das ich bereits bei Einreichung des Projektes eingegangen bin, möchte ich „Follow Herbert“ nicht aus dem Wettbewerb ziehen.

     

    ABER – und dieses „aber“ wird bewusst in Großbuchstaben geschrieben. Ich glaube, dass Sie aufgrund der gegenwärtigen Diskussionen den TeilnehmerInnen von „Tirol Gewinnt!“ eine Erklärung schuldig sind. Diese Erklärung – die in Internetforen diskutiert wird und auf der ich mehrmals schon angesprochen wurde – betrifft folgenden Aspekt:

     

    Welche Rolle nimmt die Werbeagentur „iwmb.now“ im Rahmen von „Tirol Gewinnt!“ ein? Diese Frage scheint vielen insofern am Herzen zu liegen, weil sich daraus unmittelbar die zweite Frage ergibt, was mit den für die Anmeldung erforderlichen Daten geschieht. Es ist ja nämlich nicht abwegig zu vermuten, dass weil eben eine Werbeagentur mitbeteiligt ist, die persönlichen Daten der angemeldeten Personen an diese Agentur weiter geleitet werden.

     

    Es ergibt sich allerdings ein weiterer kritischer Einwand gegenüber der Rolle der Agentur iwmb.now. In den Teilnahmebedingungen steht ausdrücklich geschrieben, dass „Angestellte der Wirtschaftskammer Tirol und aller Mitglieder der Sparte Bank und Versicherung, der umsetzenden Agentur iwmb.now und andere Personen, welche in Planung und Umsetzung des Wettbewerbs involviert sind“, von der Teilnahme ausgeschlossen sind. Alles gut und recht: MitarbeiterInnen dürfen nicht daran teilnehmen, doch nichts steht ihnen im Wege, Leute für „Tirol Gewinnt!“ im Allgemeinen oder für Einzelprojekte im Spezifischen zu mobilisieren. Ich vermute nämlich, dass eine Werbeagentur mehr Menschen mobilisieren kann, als beispielsweise Herr oder Frau XY aus einem kleinen Tiroler Dorf, die irgendein Projekt im Rahmen von „Tirol Gewinnt“ einreichen.

     

    Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich sage nicht, dass die Agentur nicht Leute für „Tirol Gewinnt“ mobilisieren darf (falls dies überhaupt geschehen ist – das kann ich ja aufgrund meiner Unkenntnis nicht behaupten), ich finde es lediglich komisch, dass für ein Projekt, das die Wirtschaftskammer organisiert und Gelder, die die Wirtschaftskammer ausschüttet, eine Werbeagentur mitbeteiligt ist.

     

    Ich ersuche Sie deshalb höflichst um eine öffentliche Stellungahme, vielleicht auf der Internetplattform ProvInnsbruck, wo zurzeit darüber diskutiert wird.

    http://provinnsbruck.at/content/5000-euro-zu-gewinnen

     

    Herzlichen Dank

    Marco Russo

  5. Kamil hat natürlich recht. Aber eine Anmerkung:
    Zur Teilnahme genötigt wurde niemand, oder? Und wer sich freiwillig einer Abstimmung einer nicht definierten Internetgemeinde aussetzt, deren einzige Entscheidungsqualität ihre Quantität ist, hat etwas grundlegendes hinsichtlich Kunst oder auch Kultur- und Sozialprojekten nicht verstanden, die eben gerade nicht nach dieser Logik funktionieren können und dürfen – oder aber er/sie muss ziemlich verzweifelt sein. Insofern hält sich meine "Verurteilung" der WKO in Grenzen. Hat sich da jemand wirklich etwas anderes erwartet?
    Diese Diskussion wäre interessant auf die Logiken von Jury- und Beiratsentscheiden (z.b. der üblich verdächtigen Innsbrucker und anderer Töpfe) auszudehnen. Viel sinnvoller in diesem Zusammenhang sind Crowdfunding-Plattformen. Wo "Tirol gewinnt" Beteiligung nur vorgaukelt und es eigentlich um Marketing geht, kann sie in Crowdfunding-Prozessen wirklich stattfinden.
    Und eine 2. Anmerkung: Das Gerücht geht um, dass das rejected nächstes Jahr sowieso nicht mehr stattfindet. Sollte das stimmen, wäre ein öffentlich gemachter Rückzug aus "Tirol gewinnt" etwas heuchlerisch oder würde zumindest unter ganz anderem Licht erscheinen. Aber ich gehe mal davon aus, dass das nicht stimmt und es das rejected (hoffentlich) auch nächstes Jahr wieder gibt.

    • Ich begrüße die Diskussion und hoffe noch auf viele weitere Kommentare. Genau das war meine Intention. In meinem Artikel hab ich ja auch nicht DIE Lösung gefunden auf die Frage wie man Förderung besser gestaltet. Aber es ist schön wenn viele drüber nachdenken.
      Es war auch nicht meine Intention die Wirtschaftskammer schlecht zu machen. Ich finde nur sie ist im falschen Wasser unterwegs. Wäre ein Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem beurteilt wird welche Idee ihrer Expertenmeinung nach am ehesten Erfolg am Markt hat und diese bekäme von der WKT Förderung, würde ich nichts dran finden. Nur so wie dieses tirolgewinnt abgelaufen ist, mit vielen befreundeten Projekten, die alle um 5000 streiten indem sie UnterstützerInnen keilen – das hat mir einfach nicht geschmeckt. Und ich habe auch ordentlich selbstkritik geübt, und Teile unseres Verhaltens mit als Kern des Übels, nämlich des Kulturdumpings, identifiziert.
      Dass es heuchlerisch ist, sich zurückzuziehen, wenn das rejected nächstes Jahr nicht mehr stattfindet, kann ich nicht nachvollziehen. Wir hätten das Geld dazu verwendet halbwegs gerechte Gagen für das heurige filmfest zu bezahlen und die Reisekosten unserer Gäste abzudecken. Ein großer Teil der Subvention die wir bekommen darf nämlich nicht für Arbeit, sondern nur für Sachaufwand ausgegeben werden. Eine weitere Auflage, die uns zur Entscheidung gebracht hat aufzuhören.
      Auf jeden Fall ist es wichtig, dass über das Thema geredet wird. Auch wenn der Anlassfall, wie es ja oft ist, nicht weltbewegend ist. Reden wir weiter drüber. Das Dokumentationsprojekt 5 Jahre Stadtpotential ist im Entstehen. Ich hoffe das verkommt nicht gänzlich zur Selbstbeweihräucherung und Innsbruckwerbung.

  6. Hackts bei dir eigentlich???? "Die verteilt die Kitzbühler Werbefirmer eh an das Kitzbühler Festival"Willst du dir den Satz noch mal überlegen???

    • ja. der satz war dumm. er stimmt nicht und ich nehm ihn zurück. entschuldigung.
      aber man kann sich hier auch gewählter ausdrücken.

  7.  tirolgewinnt.at ist eigentlich kein Kulturförderprogramm der Wirtschaftskammer, sondern:
    1. Eine Aktion der TirolerBanken die als Sparte Banken&Versicherungen  ohnehin eine Exotenstellung innerhalb der W-Kammer einnehmen, und sich bei dieser Aktion des WKO-Mantels bedienen.
    2. Eine billige Image-Werbeaktion um € 25.000 + einem unbekannten Betrag an die Werbeagentur + ein paar "Preise" aus der Mottenkiste der Bankgeschenke zum Weltspartag + ein paar Arbeitsstunden der Kammerorganisation auf der Soll-Seite und die Einnahmen der Agentur, Imagegewinn, Publicity für die Banken, Daseinsbestätigung der WKT, Entrümpeln der Abstellkammerln (z.B.15 Seifenschachteln), einen Stapel Kontakte für die Agentur und die Banken(!), Ein paar Bildln mit dem Spartenobmann in Gratiszeitungen und nicht zuletzt die Publicity für die Preisgekrönten Projekte auf der Haben-Seite.
    3. Eine Aktion die sich an "Unternehmen" im weitesten Sinne richtet, aufgeteilt in 5 Kategorien und da muss dann neben "Bauen" "Unternehmen" eben auch "soziales" und "Kunst&Kultur" rein, weil das schaut immer gut aus.
    Dass vor allem Projekte in der Kategorie Kultur eingereicht wurden während in anderen Kategorien nur eine Handvoll sich das Gegeier um die 5.000 antun wollten, zeigt wieder einmal in welcher prekären Lage die Tiroler Kulturszene ist (und nebenbei dass die Aktion aus Sicht der Banken wohl ein Flop war).

    Für jemanden der ohnehin etwas vermarkten will und dafür ein bissl Geld gut gebrauchen kann ist es auch nix schlechtes wenn er über FB ein bissl Werbung macht und seine Freunde um ein Voting anhaut. Die Banken sparen sich eine Jury und die Kritik am Auswahlverfahren, und der Wettbewerb entspricht dem Wirtschaftsdenken dieser Leute: diejenigen die was machen wollen sollen sich ruhig selber ein bissl bemühen und der Beste (was immer man darunter versteht) soll dann gewinnen.

    Völlig anders sieht die Geschichte für Kunst-Projekte aus, da hat Kamin völlig recht, diese Aktion ist für den Kulturbereich ungeeignet.
    Ich frag mich aber schon lange weshalb Wettbewerbe aller Art sich im Kulturbereich derartig etablieren konnten. Es gibt schon eine Menge Künstler die sich Wettbewerben grundsätzlich verweigern, aber offensichtlich kann man sich dem Unfug kaum entziehen und eine Mehrheit der Kunstschaffenden nimmt das unkritisch zur Kenntnis oder macht begeistert mit. Aber solange es fesch ist, Kulturschaffen mit Wirtschaft (im engeren Sinne) gleichzusetzen und viel zu viele Unternehmende – sowohl in Wirtschaft als auch in der Kultur- hoffen, durch Anwendung des kapitalistischen Verdrängungs-Regelwerks irgendwann selber einmal zu den Gewinnern zu zählen, wird sich wohl nix ändern daran.

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