Music and the city (Vol. XVIII)

Mit „Radio Rorschach“ wird auf „Freirad“ eine Sendung angeboten, die von sich selbst behauptet, Auskunft über innnere Befindlichkeiten einer Gesellschaft geben zu können…
 
Ist es erlaubt, über sich selbst zu sprechen? Wer ermächtigt zum Sprechen? Und wann beginnt das Eigenmarketing überzugehen in eine schamlose Eigenwerbung, die nichts mit der eigenen Wichtigkeit zu tun hat? Erstmals: niemand ist wichtig, die Interessen und die Relevanz zerfallen unter den Partikularinteressen der Einzelnen. Anders gesagt: kann man nicht mehr für eine Masse sprechen oder besser auch zu einer Masse sprechen, dann hat man die Pflicht zu „Radio Rorschach“ zu gehen. Hier werden Projekte vorgestellt oder es wird auch einfach nur zwangslos darauf losgeplaudert, verbunden und zusammengehalten damit, dass es Projekte und Menschen sind, die so verquere oder auch so interessanten Ansichten haben, dass sie in einem größeren und anderen Rahmen kein Verständnis finden würden. Verstehen, diese ewige Problem, diese unermessliche Reduktion auf einen Aspekt, der den gesamten Rest der Kommunikation ausklammert.
 
Warum sich also nicht mit Rauschen beschäftigen, wie es Ekki, einer der Moderatoren, gleich zu Beginn einer Sendung vorgeschlagen hat, in der ein guter Freund und meine Wenigkeit zu Gast waren? Dieser Vorschlag ist paradigmatisch dafür, was „Radio Rorschach“ sein will: eine Plattform für künstlerischen Austausch, für kunstvolle Kommunikation, für die gepflegte Utopie, für schön ausgeschmückte Hirngespinste. Und in dieser Hinsicht sind der Kolumnist und sein guter Freund, die ja bekanntlich immer mal wieder und sehr gerne künstlerisch vor den Kopf stoßen, wie gemacht für diese Sendung. Gibt es überhaupt etwas zu sagen über Musik, die niemand in Innsbruck hören will und warum sollten ausgerechnet solche Leute zur Sprache kommen? Gibt es keine Möglichkeit, funktionierend Projekte vorzustellen und: gibt es dieses Projekt mit dem Namen „Musick“ überhaupt noch? Die Frage, wie sich Avant-Jazz und Black Metal berühren, wo widersprechen, wo sich finden können und eine eventuell zukunftsträchtige Symbiose finden können: all das soll in der morgigen Sendung diskutiert werden. Offen ist auch die Frage, welche Fragen Ekki und Marco stellen werden, ob sie überhaupt Fragen haben, oder ob sie einfach nur in ein kryptisches Stammeln einstimmen möchten, aus dem es keinen Ausweg gibt. Hier wird Auskunft über den inneren Zustand einer Gesellschaft gegeben: Ausweglosigkeit, der Kampf gegen Windmühlen.
 
Kann man eine gute Sendung machen, wenn man in dieser betrunken ist und sich somit der Verwandtschaft von Rauschen und Rausch bewusst wird? Oder gehört dazu doch eher die absolute Kontrolle über Gesagtes, Gedachtes, Geplantes, Mögliches? Muss man die Musikstücke vorher exakt auswählen, genau auf seinen Plan abstimmen, das Ziel der Sendung im Auge haben, deren Sinn, deren Aussage, deren Anleitung zum Erkenntnisgewinn?
 
Oder genügt es ein paar CDs mit zu nehmen, die man kaum gehört hat und deren Tracks man kaum kennt und den Zufall die Regie führen zu lassen? Kann man sich selbst überrascht geben, wenn ein tolles Stück kommt, das man aber (noch) nicht kommentieren kann, weil es einen mit seiner Neuartigkeit, mit seinem Grad an Intensität überfordert und herausfordert? Wie noch sprechen, wenn man eigentlich die Musik in den Mittelpunkt stellen will und: warum überhaupt sprechen, wenn das Sprechen eines ist, das nicht mehr auf Verstehen und Verstanden-Werden abzielt, sondern nur mehr leeres Geraune sein will, das in seltenen Momenten eine Sinn-Möglichkeit aufblitzen lässt? Leeres Signifikanten-Gewäsch, vorgetragen von zwei Menschen, die ihr Ziel aus den Augen verloren haben und jetzt, im Taumel der Überzahl an Möglichkeiten, die zugleich aber auch schon alle verstellt sind, auch noch im Radio sprechen wollen.
 
Man darf sich diesen sinnvollen Un-Sinn morgen ab 21:00 auf „Freirad“ anhören und selbst urteilen, sich dabei aber immer bewusst sein, dass ein Urteil nur scheitern kann. „Radio Rorschach“ ist immer schon einen Schritt weiter im produktiven Missverständnis wie es der Rest ist.

http://www.freirad.at/?page_id=25&sendung=139&termin=926&datum=2011-08-16

1 Antwort : “Music and the city (Vol. XVIII)”

  1. nur_Gast sagt:

    Die Relevanz dieses Artikels zerfällt unter den Partikularinteressen der Einzelnen.

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