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Die Trauerweide

trauerweideLangsam nimmt der Tag wieder zu. Am Abend sind es bereits an die 20 Minuten, die die Sonne später untergeht. Am Morgen erst etwa sechs Minuten. Das erklärt sich vielleicht mit den am Abend länger vorhandenen Sonnenstrahlen – während am Morgen die Sonne ja erst zu leuchten beginnt, den Himmel noch nicht erhellt hat, so dass die Strahlen schon voraus scheinen würden.

Immerhin ein Grund zur Aufhellung des Gemütes. Wäre da nicht die städtische Bauwut, die die schöne alte Trauerweide an der Unibrücke gefällt hat. Einfach so, könnte man denken. Die Straße wird nicht erweitert und auch sonst ist nicht viel zu sehen, dass auf eine bevorstehende bauliche Veränderung schließen ließe. Vorher war ihr Stamm noch durch einen Bretterverschlag verdeckt, so dass man schon glauben konnte, dies diene zu ihrem Schutz. Anscheinend aber ist das Gegenteil der Fall: Zuerst wird der Baum verschalt, dann wird er gefällt. Schnell und leise.

Immerhin hat jemand gleich eine Kerze auf ihren abgesägten Stamm gestellt. Im Gedenken an ihren Fall – oder soll man sagen: ihren Tod. Aber wann stirbt ein Baum eigentlich? Das hat mich schon als Kind immer interessiert, als ich mit meinen Eltern oft in den Wald gegangen war und die Baumstrünke sah, aus denen oft grüne Zweige wuchsen.

Also war da noch Leben drinnen, dachte ich. Aber im Wald ist das wahrscheinlich was anderes. Hier in der Stadt wird wohl auch der übriggebliebene Strunk oder Wurzelstock von einem Bagger ausgegraben und entsorgt werden. Damit nichts mehr an den Baum erinnert. Das Loch zugeschaufelt und dann … wird alles vergessen sein.

Helmut Schiestl

15 Comments

  1. Verfasst am Fr., 17.01.2014 – 19:48.

    Ich bin heute auch schon vorbeigekommen und ehrlich gesagt, ist mir fast schlecht geworden, so trostlos, wie es aussieht. Es ist recht einfach einen Baum zu fällen – aber alle Wissenschaft und Technik der Welt reichen nicht aus, einfach einen neuen zu erschaffen.

  2. Verfasst am Fr., 17.01.2014 – 20:34.

    Gestern war noch ein Schreiben auf dem Baumstumpf angebracht, dass der Baum aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste und eine Neupflanzung geplant ist. Ich bin kein Baum-Profi; vielleicht stimmt das ja. Aber sollte ich heute in 3 Jahren keinen neuen Baum dort sehen, der sprießt und gedeiht, dann gnade Gott den Übeltätern (Die dann ja offensichtlich Lügner wären). Ich behalte das im Auge!!

  3. Verfasst am Fr., 17.01.2014 – 22:46.

    warum??? so schade… es war das schönste, unter diesem baum zu sitzen, alleine, mit freunden, nach einem uni- oder arbeitstag, mit einem bierchen oder zwei. geschützt und behütet konnte man wasser, berge, menschen, oder die sich im wind bewegenden zweige beobachten und zur ruhe kommen. ich werd dich vermissen, baum!

  4. Verfasst am Sa., 18.01.2014 – 07:48.

    ich werde nicht ruhen, bis der letzte baum in innsbruck gefällt ist und somit sich kein kiffer mehr hinter einem baum verstecken kann. ruhe, ordnung, disziplin!

  5. Verfasst am Sa., 18.01.2014 – 14:37.

    NEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIN!!!! MEINE lieblingstrauerweide!! Das ist ja entsetzlich!!!! WARUM???Wegen diesem Scheiß Innrain Projekt wofür angeblich nichts zerstört wird?????

  6. Verfasst am Sa., 18.01.2014 – 14:40.

    Sicherheitsgründe – der Baumstumpf sieht mehr als gesund aus – und wie alt der Baum gewesen sein muss, bei der Stammdicke! Es ist einfach unverständlich – so wie damals schon van staa am adolph-pichler platz: „die näueen bäuume wärrden viiiel grööößer und schöööner sein“ – und jetzt???? beton, platten, ein paar stelzige bäumchen! widerliche affen, alle zusammen.

  7. Verfasst am Sa., 18.01.2014 – 15:47.

    das wusste zb die baumschutzgruppe und auch ich schon länger, hab auch nochmal nachgefragt – aber der pilzbefall und die fäulnis waren schon so, dass der stamm auch vorher schon abgestützt werden musste. ich hoffe es kommt wieder eine weide (und zwar gleich eine halbwegs große) hin.

  8. Verfasst am Sa., 18.01.2014 – 20:49.

    Aus gegebenem Anlass (von der leider viel zu früh verstorbenen Sängerin Alexandra):

    Mein Freund der Baum

    Ich wollt dich längst schon wieder sehn mein alter Freund aus Kindertagen
    ich hatte manches dir zu sagen und wusste du wirst mich verstehn
    als kleines Mädchen kam ich schon zu dir mit all den Kindersorgen
    ich fühlte mich bei dir geborgen und aller Kummer flog davon
    hab ich in deinem Arm geweint strichst du mit deinen grünen Blättern
    mir übers Haar mein alter Freund
    Mein Freund der Baum ist tot er fiel im frühen Morgenrot
    Du fielst heut früh ich kam zu spät du wirst dich nie im Wind mehr wiegen
    du musst gefällt am Wege liegen und mancher der vorüber geht
    der achtet nicht den Rest von Leben und reißt an deinen grünen Zweigen
    die sterbend sich zur Erde neigen wer wird mir nun die Ruhe geben
    die ich in deinem Schatten fand mein bester Freund ist mir verloren
    der mit der Kindheit mich verband
    Mein Freund der Baum ist tot er fiel im frühen Morgenrot
    Bald wächst ein Haus aus Glas und Stein dort wo man ihn hat abgeschlagen
    bald werden graue Mauern ragen dort wo er liegt im Sonnenschein
    vielleicht wird es ein Wunder geben ich werde heimlich darauf warten
    vielleicht blüht vor dem Haus ein Garten und er erwacht zu neuem Leben
    doch ist er dann noch schwach und klein und wenn auch viele Jahren gehen
    er wird nie mehr derselbe sein
    Mein Freund der Baum ist tot er fiel im frühen Morgenrot

  9. Verfasst am So., 19.01.2014 – 00:11.

    Habt Ehrfurcht vor dem Baum.
    Er ist ein einziges großes Wunder
    und Euren Vorfahren war er heilig.
    Die Feindschaft gegen den Baum ist
    ein Zeichen der Minderwertigkeit eines
    Volkes und von niederer Gesinnung des Einzelnen.
    Alexander von Humboldt (1769 – 1859)

  10. Verfasst am So., 19.01.2014 – 21:00.

    ach michael und nur weil wer sagt, es ist so, akzeptierst du das?

    wann wurde der baum abgestützt? vor einem monat zumindest noch nicht, da bin ich dort noch gesessen. diese weide wird seit jahren sehr kompakt geschnitten, hat keine ausladenden äste, die abbrechen könnten und hat diesen pilzbefall im obersten bereich seit ich in innsbruck bin und das sind mittlerweile über 10 jahre!

    mit dieser miesen begründung wurden schon sehr viele schöne bäume in innsbruck dem erdboden gleich gemacht und ihr grünen zieht da voll mit, wenn ein selbst ernannter experte sagt „der baum muss weg“ neigt ihr eure köpfe und stimmt dem zu

  11. Verfasst am Mo., 20.01.2014 – 10:58.

    Auch ich musste mit Entsetzen feststellen, dass die wunderbare Trauerweide am Innufer gefällt würde. Das zuständige Amt brachte einen Hinweis an, dass der Baum „schwere Schädigungen“ aufgewiesen hat und deshalb gefällt werden musste.
    Man muss nicht vom Fach sein um festzustellen das der Baum bei bester Gesundheit war und keine Zeichen von Stammfäule oder sonstigem Schädlingsbefall aufgewiesen hat. Der angebrachte Zettel ist also ein glatte Lüge die mich wirklich sauer macht.
    Es stellt sich also die Frage wieso immer wieder Bäume in Innsbruck gefällt werden. Es ist natürlich reine Spekulation aber mit kommt es wie eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des zuständigen Amtes vor.
    Ich kann nur empfehlen einmal mit offenen Augen durch die Stadt zu spazieren, es ist fast nicht möglich einen Baum zu finden der über 100 Jahre alt ist, sie sind alle frühzeitig gefällt worden- traurig.

  12. Verfasst am Mo., 20.01.2014 – 16:21.

    das haben wir von unserer grünen stadtregierung! ein großer baum nach dem anderen fällt und unsere vzbgmin versucht uns auf ihrem blog weiszumachen, dass eh mehr bäume gepflanzt werden! minibäume ersetzen keine alten, großen bäume! das einzige was hier wirklich gepflanzt wird, ist innsbrucks bevölkerung! ich weine der trauerweide ähnlich nach, wie meiner stimme für die grünen! es kommt ständig nur ein herausreden und nichts als heiße luft! verkauft, verraten, betrogen!

  13. Verfasst am Mo., 20.01.2014 – 17:30.

    in ein paar jahren haben wir dann eine schöne, sterile, mit einbetonierten u durch metallgitter eingesperrten „designer“-bäume verzierte stadt.
    auch ich trauere meiner stimme, die ich den grünen gegeben habe nach.

    dieser baum bleibt, hieß es damals!

    vielleicht sollte jeder, der gegen diese ausartenden baumfällereien ist, am platz wo einst diese wunderschöne trauerweide stand, als zeichen eine kerze dazustellen!

    @michael: ganz ehrlich, ich glaube euch nicht mehr!

  14. Verfasst am Mo., 20.01.2014 – 20:37.

    Innsbruck die nicht-grüne Stadt.

    Dieser Baum war für mich immer der Fixpunkt um zu wissen das man endlich die Innpromenade erreicht hat. Hinter einem lag die betonfixierte Innenstadt, die braum-freie Anichstrasse (Wie schön würde sich diese mit Baumreihung links/rechts ansehen lassen).
    Aber die Vize BM hat ja versprochen das da ein neuer Baum hinkommt (…der sicher in einer formschönen Metallhalterung daherkommt, und in 30-40 Jahren nennswert dann Schatten spendet wird).

    Der nun gefällte Baum reiht sich in folgende Liste ein:

    – die alten Bäume am Sparkassenplatz vor dem Umbau zur Asphaltwüste
    – Sillzwickel in der Reichenau vor dem Umgestalten zum „internationalen Radwegekreuz“
    – Innpromenaden
    – Sill-Insel (war leider nicht öffentlich zugänglich) beim Sillpark, eine Art innerstädtischer Wald wurde einem Luxus.Immobilien.Standort geopfert

    Wenn man mal zb In Berlin ist, so fällt einem auf wieviele Strassenzüge (auch innerstädtisch) dort voller Bäume sind. Soetwas findet man in IBK nur im Saggen, Kaiserjägerstrasse oder in Wilten.

    In naher Zukunft werden wohl auch am Marktgraben (im Rahmen der Neugestaltung des Strassenzuges) die Bäume verschwinden, ebenso in der Kranebitter Allee (Strassenbahnbau)

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