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Die Post bringt allen was

Mit diesem Slogan versucht die Post zu punkten. Doch mit Marketing alleine lässt sich nicht übertünchen, was in der Realität nicht passiert. Nicht nur durch Konkurrenz und andere Anbieter_Innen, sondern durch ihr eigenes Ungeschick hat die Post viel Vertrauen verloren.

 

Auch wenn 2009 beim  Volksbegehren „Stopp dem Postraub“ nur relativ wenige Innsbrucker_Innen unterschrieben haben, so dürften heute wohl nicht wenige Innsbrucker_Innen folgende Situation kennen: Ein gelber Abholschein liegt im Postkasten, obwohl man eigentlich den ganzen Morgen daheim war. Noch dazu mit falschem Datum. Und der frechen Bemerkung „Leider konnten wir Sie nicht zuhause antreffen“. Dann heißt es also sich aufmachen zum nächsten Postamt und die Sendung abholen. Doch wo ist das nächste Postamt?

 Postämter sperren zu.

In Innsbruck hat sich posttechnisch viel verändert – nicht unbedingt zum Besten: Die alte Hauptpost – geschlossen. Das alte Verteilerzentrum am Bahnhof – abgerissen. Postamt im Bahnhof – geschlossen. Postamt Wilten – von der Schließung bedroht. Diese Liste ließe sich sicherlich auch noch auf die periphereren Postämter der Landeshauptstadt ausweiten. Aber nicht nur die Postämter schließen oder werden verlegt, auch das Service nimmt ab.

Service verschwindet.

So kann man seine nicht zugestellten Sendungen auch nicht mehr im nächsten Postamt abholen: Der neue Postschalter in der BAWAG am Bahnhof nimmt zwar Pakete entgegen, abholen kann man sie dort aber nicht. So muss man nach Pradl ins Postamt, damit man seine nicht zugestellte Sendung abholen kann. Nicht gerade der kürzeste Weg, wenn man als Pensionist_In quer durch die Stadt geschickt wird. Ein zweiter Zustellversuch??? Nein, das kommt nicht in die Tüte!!! Ein anderer Abholort, wie ihn die „Privaten“ anbieten??? Sicher nicht!!!

 
www.postzustellung.at

Eigentlich sollte man sich das fehlende Service der Post zugute machen und eine Firma gründen, die den Innsbrucker_Innen die Post auch wirklich zustellt und abholt. Oder man beschwert sich direkt bei der Post. Doch wer zahlt dann drauf? Der Briefträger und Nebenerwerbsbauer aus dem Stubai, dem sein Leben hart gemacht wird? Hier geht es doch um mehr als nur um einen unzufriedenstellenden Postboten, es ist das System einer privatisierten Post, die sich nicht mehr um die Kund_Innen kümmert, sondern hauptsächlich um den Shareholder-Value. Es ist ein System, in dem Gebäude der Post eher vermietet oder verkauft werden, um kurzfristige Gewinne zu lukrieren, anstatt gutes Service anzubieten. Und es ist ein System, in dem tausende Postbeamt_Innen zum Nichtstun verpflichtet werden, weil sie ja weiterhin vom Staat bezahlt werden müssen, während andernorts zu wenig Personal zur Verfügung steht. Dieses System sollte man ändern, dann würden auch die Briefträger_Innen wieder mehr Engagement an den Tag legen.

Postbesichtigung am Donnerstag 24. März, ab 18:30 Uhr

 

Am 24. März ab 18:30 Uhr findet eine offizielle Besichtigung auf Einladung der Post-BAWAG am Hauptbahnhof statt. Ein guter Termin, um seinen Unmut zu äußern und für bessere Bedingungen einzutreten. Damit die Post auch wirklich allen etwas bringt außer Ärger und Probleme.


Tobias Orischnig

9 Comments

  1.  

     

     

    Ja, gut recherchiert! Ich wohne im Innsbrucker Westen – Allerheiligen – dort gibts noch ein Postamt, weiß allerdings nicht, wie lange noch. Aber  ändern könnte könnte man das wahrscheinlich nur durch eine  Rückgängigmachung dieses Privatisierungswahnsinns, der demokratisch ja überhaupt nicht legitimiert ist, nicht hier in Österreich noch anderswo. Meine eher spontane Antwort darauf wäre MEHR DIREKTE DEMOKRATIE!

    • ja, lass uns über einzelne postämter abstimmen.

      nein im ernst:

      service ist ein desaster, das liegt aber nicht an der privatisierung, sondern an der ehemaligen eigenschaft als staatsbetrieb. die privaten konkurrenten stellen 2x zu (oder vereinbaren gleich vorab einen termin), hängen einen zettel ans postfach (termin ausmachen, einmalige andere zustelladresse – etwa der nachbar – oder dauerhaft andere zustelladresse angeben).

      zum thema "nichtstuende postbeamte": sind ja keine leibeigenen und können sich was anderes suchen.

      aber: leider schaffte ein großteil der interessierten (!) die aufnahme in den polizeidienst nicht (was sinn machen würde vor man nichts tut).

      eine ordentliche grundversorgung gehört her, aber nicht wie früher an jedem eck eine post, die tw. mehr kostet als sie umsatz macht (gab es zur genüge).

      und noch was: jeder der über die schließung jammert muss sich auch fragen, wie oft er selber geld in eine postfiliale trägt; kaum einer ist öfter als 1x im monat dort (wenn er nicht beruflich muss).

       

    • Die Privatisierung ist schon demokratisch legitimiert – es gibt entsprechende Gesetze (auch in anderen Laendern) – aber die Idee einer verstaerkten buergerbeteiligung in der daseinsvorsorge ist sicher noch zu wenig umgesetzt – uebrigens liegt es auch nicht allein in der hand der post welche filialen sie schliesst – dazu enthaelt das postmarktgesetz relativ konkrete vorgaben

      • Über dieses Gesetz gab es meines Wissens keine Volksabstimmung, was es bei so weitreichenden, die gesamte Infrastruktur eines Landes betreffenden Entscheidungen, aber geben sollte. Das mag zwar in der Verfassung nicht vorgesehen sein, aber auch darüber sollte mal nachgedacht werden. Ehe es zu spät ist. Es betrifft ja nicht nur die Post, auch die Bahn gehört zur öffentlichen Nahversorgung und ist ein öffentliches Gut, zumindest war sie’s noch bis vor kurzem. Stromversorgung, Trinkwasser, die Liste ließe sich fortsetzen. Im Mittelpunkt einer guten Politik sollte jedenfalls die Versorgung der Menschen mit einer guten Infrastruktur stehen und nicht der Profit in den Taschen weniger

        • Diese Einwände mögen ja alle stimmen. Man muss aber schon a bisserl aufpassen und konkreter argumentieren sowie Reflexe vermeiden, sonst verlaufen sich die an sich guten Argumente im nirgendwo. Erstens bestimmen sämtliche auf die Daseinsvorsorge bezogenen Gesetze relativ konkret die Qualität, Verfügbarkeit und Flächendeckung der Leistungen (von Post, Bahn, Elektrizität, etc). Die Erbringungsformen wechseln natürlich (Wettbewerb, private Unternehmen, öffentliche Unternehmen, Staat selbst). Nur weil die Post eine AG ist (was ohnedies kaum mehr rückgangig zu machen ist), bedeutet dies noch nicht, dass ihre Leistungen per se schlechter werden müssen (ob sies sind, liegt im Auge des Betrachters – und wenn die Klagen zunehmen, dann muss in der Tat was unternommen werden). Unzulänglichkeiten können aber stets behoben werden – auch Gesetze kann man ändern (man kann zB sehr wohl über die Erreichbarkeitskriterien für Postämter bzw Postpartner nachdenken – gerade für alte Menschen oder Leute ohne PKW am Land sind die bestehenden Kriterien nicht gerade zuträglich). Wenig bringt es zu unterstellen, es ginge "der Politik" hier nur um die Profitsteigerung für ein paar Private – das stimmt einfach so nicht. Zweitens: Eine Volksabstimmung über die entsprechenden Gesetze ist rechtlich in der Tat nicht notwendig, sie ist es aber auch politisch nicht: Die Daseinsvorsorgeinfrastrukturen und -dienstleistungen verschwinden ja nicht – sie werden im neuen Gesetz was die Post betrifft "eingefroren" (Mindestanzahl an Postämtern und Postpartnern – keine Schließung ohne Ersatz) – und dürfen auch nicht (am Maßstab der gesetzlichen Mindestkriterien) abgebaut oder verschlechtert werden. Es wird halt eben anders – und da kanns natürlich hapern, was man auch ganz klar und deutlich sagen muss. Tritt man trotzdem für eine Volksabstimmung ein, dann müsste eine solche auch über viele andere, ebenso bedeutsame Angelegenheiten eine Volksabstimmung abgehalten werden (Fremdengesetze, EU-Vertragsänderungen). Das mag man begrüssen, das ist aber durchwegs unrealistisch. Es bleibt (vorerst) dabei: Wahltag ist Zahltag. Oder man gründet eben einen Blog und betreibt selbst Politik…

  2. Ich finde, es sollte mehr Postpartner geben. Dann könnte man seine nicht zugestellten Sachen wenigstens in der Nähe abholen. Bei schweren Dingen wird es allerdings dann auch schwer…

  3. …also mir ist die Post immer noch lieber als die "Privaten". Wenn ich mein Paket in Inzing abholen muss, die ausgemachten Termine auch nicht eingehalten werden usw. usf. bringt mir das auch nichts.

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