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GFK – gewaltfreier Kühlschrank oder wie? – oder geht’s nur um (leere) Worte?

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Irgendwie scheint die Idee des GFK (nein, leider (noch) nicht GewaltFreier Kühlschrank, bisher „lediglich“ GewaltFreie Kommunikation) in der Mitte der Gesellschaft angekommen – wies zum Glück ja mit vielen –grundsätzlich Positiven- Strömungen passiert ist.

Ja, ich weiß; „Positiv“ ist in dem Zusammenhang natürlich eine (Be)wertung. Dennoch finde ich den Grundgedanken der GFK interessant. Logisch. Wer wäre denn nicht an Gewaltfreiheit interessiert?
(Dicke Klammer: Notwehr und Nothilfe mal ausgeschlossen!) – denn obwohl ich von der Idee bisher in erster Linie weiß, was ich eben so aufschnappe in meinem Umfeld, geht’s dabei ja immer grundsätzlich mal um Respekt, Begegnungen auf Augenhöhe – eine wertschätzende Beziehung eben.

Da fällt mir ein, das hier ist natürlich keinesfalls irgendwie moralisierend zu verstehen.
Nein; Eher geht’s um mein ganz persönliches Sodbrennen (klaro: Ichbotschaft) wenn ich mich mit Heuchelei konfrontiert sehe. Und vielmehr geht es um Fragen die sich mir auftun wenn ich Leute beispielsweise im Zug oder auf der Straße beobachte, aber auch immer wieder in persönlichen Gesprächen.

Ich bewege mich ja auch nicht immer in des selben Kreisen.
Da gibt’s ja neben meiner Arbeit als Künstler, meinen Lesungen als Autor und meiner Lohnarbeit zum einen meine aktivistische Tätigkeit im Bereich der Tierbefreiungsbewegung. Und immer wieder – weil das für mich untrennbar verbunden ist – hab ich im Zuge meiner Beteiligung an Aktionen für Menschenrechte leider auch mit Leuten zu tun, denen dafür beispielsweise Tierrechte praktisch fremd sind.

Dann gibt’s aber auch leider wieder Tierschützer_Innen und Tierrechtler_Innen, denen Menschenrechte thematisch fern liegen. Ich höre von vegan lebenden Eltern die ihre Kinder schlagen und ausgesprochene Kinderrechtler_Innen werden nicht müde, von Wertschätzung und Respekt zu sprechen während sie aber gewaltsam getötete Tierkinder und ähnliches konsumieren und so für millionenfache Gewalt verantwortlich sind.
Ja, ich hab schon bemerkt, dass es meistens auch viele Schattierungen oder gar Farben zwischen Schwarz und Weiß gibt.
Aber kann es wirklich sein, dass der Begriff GEWALT tatsächlich noch Platz für Interpretationen und Schattierungen bietet?

Da reden Polizeisprecher_Innen ernsthaft von Gewalt, wenn mal eine Scheibe klirrt während Gremien und Politiker_Innen in ihren Beschlüssen, Verordnungen und Gesetzen, beispielsweise Asylpolitik – Festung Europa – Waffenlieferungen etc. ganz klar Gewalt gegen Menschen ausüben.

Daneben gibt’s scheinbar vegane Eltern die nichts Schlechtes an körperlicher Züchtigung von Kindern finden.
Tierschützer_Innen protestieren zum Beispiel gegen Tierquälereien in Rumänien und haben kein Problem mit menschenfeindlichen Bettelverboten wie es Innsbruck jetzt beschlossen wurde.
Ja und antifaschistische Menschrechtler_Innen die zurecht gegen rassistische und sexistische Gewalt auf die Straße gehen aber kein Problem damit haben, millionenfache speziesistische Gewalt zu verantworten.
Ist Gewalt eine Sache des (biologischen?) Geschlechts? Nein, soweit sind sich wohl die meisten hier einig.
Kann Gewalt eine Sache der ethnischen Herkunft sein? Na, hoffentlich nicht!
Ist Gewalt vielleicht gegen Kinder tolerierbar? Keinesfalls!

Aber kann Gewalt dann plötzlich kein Problem mehr sein, wenn es dabei um die eigenen Gewohnheiten, die eigene Bequemlichkeit geht – und die Betroffenen einer anderen Spezies angehören? Wie das?
Die Leidensfähigkeit von nichtmenschlichen Tieren dürfte mittlerweile unbestritten sein.
Ebenso wie die unvorstellbar grausamen Fakten hinter jeglicher (Aus)nutzung nichtmenschlicher Tiere.
Angefangen von gewaltsamer künstlicher Befruchtung über ein Leben in Gefangenschaft bis hin zum gewaltsamen Tod.

Bitte das nicht falsch zu verstehen; ich will hier weder die eine Grausamkeit gegen eine andere aufwiegen – warum sollte ich? Noch werte ich eine bestimmte Form der „Gewaltfreiheit“ höher als eine andere.
…aber es würde mir um so vieles leichter fallen ohne Sodbrennen mit Menschenrechtler_Innen am Tisch zu sitzen und eine Aktion zu planen, wenn diese Leute Gewalt auch über ihren Tellerrand hinaus (in diesem Fall eigentlich bis über ihren Tellerrand hinein) bekämpfen würden.

Ich würde mich viel wohler in veganen Kreisen fühlen, wenn Selbstverständlichkeiten wie Gewaltfreiheit auch und speziell natürlich im Bezug auf die eigenen Kinder gelebt wird.
Ich hasse es, klärende Gespräche über Menschenrechte und Pegida führen zu müssen, mit Leuten die sich als Tierschützer_Innen oder gar als Tierrechtler_Innen bezeichnen, aber deren Gerechtigkeitsempfinden scheinbar menschliche Tiere ausklammert.

Und zu guter Letzt wäre es mir um so vieles angenehmer, wenn die vielen Menschen die immer wieder betont von Respekt und Gewaltfreiheit sprechen sich zur GFK1 (Gewaltfreie Kommunikation) auch ernsthaft mit GFK2, ihrem gewaltfreien Kühlschrank befassen würden.
In diesem Sinne; frei nach Max Horkheimer: Wer von Gewalt redet, sollte auch von den eigenen Gewohnheiten – bis hin zu eigenen Kühlschrank, nicht schweigen.

Chris Moser ist Familienvater und arbeitet als bildender Künstler (www.radikalkunst.net),
Buchautor („die Kunst Widerstand zu leisten“ 2012 u. „m.E (meines Erachtens)“2013; beide Kyrene Literaturverlag; „Galerie des Entsetzens“ Bild- und Gedichtband mit Tobias Hainer; Seitenhiebverlag 2014) Aktivist, Betreuer an einer freien Schule und Restaurator von archäologischen Bodenfunden.

Gast

One Comment

  1. Danke Chris, du hast mich daran erinnert kurz inne zuhalten und mal meine eigene Ausdrucksweise meinen Mitlebewesen/Menschen, gegenüber zu überdenken und zu mäßigen. Denn ich ertappe mich immer wieder dabei ungerecht, ungeduldig und respektlos erwachsenen Menschen gegen über zu sein. Kinder haben bei mir den selben Status wie die Tiere, im positiven Sinne. Allerdings wwerden aus diesen Kindern Erwachsene und wenn ich ihnen mein Verhalten vorlebe, egal ob real oder in den soz. Netzwerken, werden sie schlimmstenfalls das ihre angleichen. Was mich freut, ich lerne von Euch Jungen 🙂

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