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Gast Freund schafft

Als marokkanische Menschen auf FPÖ-Wahlplakaten pauschal als „Diebe“ verunglimpft wurden, ließ eine Entschuldigung der Stadt Innsbruck auf sich warten. Zwar berichteten einige Medien kritisch bis ablehnend, von offizieller Seite kam aber kaum nennenswerte Kritik. Auch die „Innschprugka“ blieben weitgehend still-schweigend: Wir mögen doch unsere Gäste – vorausgesetzt sie können ein Hotelzimmer bezahlen, besichtigen unsere Sehenswürdigkeiten und reisen dann bald wieder ab.

 

Marokkanische Mitmenschen haben am Samstag, den 21. April, vor der Annasäule zum Fest geladen. Sie bewirteten die Bevölkerung mit Tee und köstlichem Gebäck, Sitzgelegenheiten wurden geschaffen und es spielte Musik. Die gemeinsamen Ziele der Veranstaltung: Offenheit, Austausch, Toleranz und gegenseitige Akzeptanz. Dani Weissbacher, eine Besucherin: „Mich hat die Einladung der marokkanischen Gemeinschaft sehr gefreut und ich bin dafür extra aus Telfs gekommen.“

 

Alle, die dort waren, werden die herzliche Aufnahme nicht so bald vergessen. Im arabischen Raum ist Gastfreundschaft nicht nur eine Frage gegenseitigen Respekts: Gäste aufzunehmen, sie zu bewirten und zu beherbergen, ist eine heilige Pflicht. Ohne viel Phantasie kann man sich den Kulturschock derjenigen vorstellen, die als Fremde – so genannte „Aus-länder" – zu uns kommen. Wir alle sind Gäste auf unserer Mutter Erde.
 

Fotos von Christian Niederwolfsgruber/Niewo



Andreas Wiesinger

12 Comments

  1. araber sind aber alles andere als warmduscher und frauenversteher lieber andreas wiesinger. im gegensatz zu diversen österreichischen weicheiern sind dass noch richtige männer die wissen wo der hammer hängt. ich würde es begrüssen wenn mehr von diesen gestandenen burschen einwandern würden.und das die einen kulturschock erleben ist doch klar,wenn sie in österreich keine kerle mehr vorfinden sondern nur vollutscher die wie die waschweiber herummjammern.

  2. also dass die innsbrucker weitgehends still blieben kann man ja wohl wirklich nicht behaupten. von vielen hörte man dass sämtliche aktivitäten mit dem penz hotel abgesagt wurden. firmen wie Med-el wiesen auch all ihre partner an niemanden dort mehr unterzubringen, private kündigten nach der reihe ihre bereits gebuchten brunch oder essenseinladungen. sehr polemisch da zu sagen dass die innsbrucker still blieben…

  3. Lieber Gast6020, "weitgehend" heißt ja nicht, dass es nicht durchaus auch rühmliche Ausnahmen gab. Der Boykott des PENZ und nicht zuletzt die Berichterstattung waren sicher wichtig und brachten die FPÖ schließlich dazu, ihre grausligen Plakate abzuhängen. Aber die InnsbruckerInnen luden die marokkanischen Mitmenschen nicht zu einem Versöhnungsfest – es war umgekehrt.

  4. Der Schreiber (Wiesinger?) urgiert eine Entschuldigung der Stadt Innsbruck. Warum? Diese Plakate sind doch auf dem Mist der FPÖ gewachsen!

  5. Die Plakate waren im ganzen Stadtgebiet aufgestellt, außerdem wurde ein direkter Innsbruck-Bezug hergestellt "Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe" (vgl. auch die Annasäule auf den FPÖ-Plakaten). Die Berichterstattung ging bis in den arabischen Raum, auch das marokkanische Königshaus hat protestiert. Da hätte eine Entschuldigung (zumindest klare Distanzierung) seitens der Stadt schon geholfen.

     

    Und: Die Rechtspopulisten und Rechtsradikalen tun immer so, als hätten sie alleine das Recht von "Heimat" zu sprechen, ihr Motto: "WIR sind die ehrlichen, anständigen Patrioten – SIE sind AUSländer, arbeitsscheu und kriminell". Solcher Schwachsinn hat uns in Kriege gehetzt und Millionen Menschen sind wegen dieser Hassideologie gemordet worden.

     

    Meine Heimat ist die Erde, mein Volk ist die Menschheit – ich LIEBE meine Heimat und ich versuche in jedem Menschen die Liebe zu sehen.

  6. du bist sicher einer von den ganz Harten, stimmts sappalot? Bei mir hängt zwar kein Hammer und ich dusch auch gerne warm – dann aber kalt wegen des Kreislaufs. Und glaub mir eines: Ob einer ein "richtiger Mann" ist oder ein "Voll-lutscher" hängt kaum von der Herkunft ab – sondern vom Selbstbewusstsein. 

  7. Also ich war durchaus empört, habe an dem Tag noch bei der Polizei eine Anzeige machen wollen, bei Rückruf selbiger kam dann raus, dass eh schon Anzeige erstattet wurde – die KPÖ war schneller.

    Ist mir eh lieber, will mich eigentlich mit anderem Beschäftigen, als mit Polizei und Gerichten.

     

    Weiters hab ich etwa 60 Personen auf der Straße direkt da drüber angesrpochen:

    "Entschuldigen sie bitte, ich hab eine Frage – was halten sie vom Spruch blablabla"

    Mir angehört was die dazu zu sagen haben, und mich selber drüber geäussert, dass ich mich dafür schäme, dass wir so etwas zulassen. Nur ein einziger wollte nicht mit mir drüber sprechen, derjenige war mit Familie unterwegs und trug – wie könnts auch anders sein – Jägertracht^^

    Alle anderen angesprochenen haben sich zu meiner Freude nicht damit identifizieren können – die Ausagen gingen von "das ist ein Blödsinn" bis zu einem kurzem aber knappen "Nichts"

     

    Dass die Plakate in kuzer Zeit wieder weg waren, war somit verdienst vieler Innsbrucker, die solche Verleumdungen nicht tolerieren wollen. Die Aktiv dafür Sorge trugen, dass die Plakate schnell wieder von der Bild ähm Plakatfläche verschwunden waren.

    Ich war nämlich der Befürchtung nahe, dass die Dinger hängen bleiben sollen, bis ein Gerichtsurteil kommt, was erst nach der Wahl soweit gewesen wäre.

    Dann hätte aber sicher ein gruppe Innsbrucker die Plackate etwas verschönert, sodass dann "Liebe statt Diebe" die neue Aussage wäre.

     

     

    Ein Dankeschön an alle Frei denkenden Bürger in Innsbruck, die sich zu Recht empört haben 🙂

    Und ein dankeschön für diesen Beitrag, der wieder einmal deutlich macht, wie getrennt der "Homo Austria" eigentlich von menschenfreundlichkeit ist.

    Zum Glück nicht alle 🙂

  8. Gute Idee, schöne Umsetzung. Schade, dass ich das (z.B. hier) nicht mitbekommen habe.

     

    Schwerer tu ich mich mit meinem Beurteilung der ganzen Sache. Weil eigentlich haben die marokkanischen Mitmenschen ja keinen Anlass, sich irgendwelchen InnschbrukkInnen gegenüber als akzeptabel und tolerierbar und freundlich usw darzustellen – nur weil blaubraune Werbetexterfunktionäre nicht differenzieren können, heißt das ja nicht, dass es der Rest nicht kann. Und für manche Taten mancher "ihrer" "hbf-jungs" sind die das-Fest-organisierenden marokkanischen Mitmenschen ja auch nicht in Sippenhaft verantwortlich (sowenig wie es die Stadt Innsbruck (+ BewohnerInnen) für jeden blaubraunen blödsinn ist).

    gleichzeitig muss sich wahrscheinlich irgendjemand um eine verbesserte, positive Kommunikation zwischen den verschiedenen BewohnerInnen Innsbrucks/Tirols bemühen, vor allem wenn man selbst von einer vergifteten Atmosphäre betroffen ist … es ist also wahrscheinlich doch eine ganz gute, charmeoffensive Aktion, (wenn auch aus traurigem Anlass.)

     

    zum rest: "arabische medien berichteten" … was heißt das schon in Zeiten von internet, informationsoverkill, medienschwemm und zeilen, die gefüllt werden müssen. Wenn wir von uns zu recht erwarten, dass wir differenzieren können, dann dürfen wir es auch im rest der welt voraussetzen. und die lieben arabischen medien werden ja hoffentlich auch berichtet haben, dass das rechtspopulistische und blaubraune lager bei den wahlen dann nur marginal dazugewonnen hat.

     

    ziemlich undifferenziert wiederum finde ich das aufs podest heben der arabischen gastfreundschaft, noch schlimmer die bezeichnung "als heilige pflicht"!!!

    eine pflicht ist ja nichts verinnerlichtes, nichts freiwilliges. ist also auch nicht unbedingt ehrlich usw …

    und was im namen "heiliger pflichten" alles für verbrechen begangen wurden und werden, darüber brauchen wir wohl nicht zu diskutieren. als heilige pflicht sehen es manche auch, ihre vergewaltigte tochter mit dem vergewaltiger zu verheiraten, auf dass diese sich dann das leben nimmt.

    worauf ich hinaus will:, dass es gefährlich ist, zu vergessen, dass in den Gesellschaften im  arabischen Raum genauso viel Schatten und Kaputtes und Destruktives existiert wie in unseren. Wenn ich die gern zitierte arabische Gastfreundschaft nur im Paket mit all den kranken Familienehr- und schandevorstellungen von dort bekomme, dann verzichte ich jedenfalls lieber.

     

     

     

  9. Ich finde es super, dass man auf die Gastfreundschaft hinweist, die in den arabischen Ländern wirklich ganz normal ist. Wenn man mit Menschen spricht, die Rucksacktouren durch arabische Ländern unternommen haben, ist es unglaublich welche Geschichten die erzählen. Alle sind von der Gastfreundschaft fasziniert und begeistert. Menschen die nur sehr wenig haben, teilen gerne mit ihren Gästen. Dass es eine Pflicht ist, können wir wahrscheinlich nicht wirklich nachvollziehen. Ich habe oft den Eindruck, dass es häufig in westlichen Gegenden als "Belastung"  wahrgenommen wird. Wenn ein Gast kommt ist das toll, man freut sich aber genauso, wenn er wieder geht. Schön wenn es anderen nicht so geht und die sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren, Spaß mit den Menschen zu haben, die da sind. 🙂 

  10. "Schön wenn es anderen nicht so geht und die sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren, Spaß mit den Menschen zu haben, die da sind. 🙂 "

     

    ist sowas eigentlich noch romantische Faszination a la Gaugin oder schon "edler wilder-"Chauvinismus a la Rousseau?

     

    (den rest möglicher polemischer antworten verkneif ich mir)
     

  11. Okay, ich gebe dir recht, meinereiner: Man sollte das Ganze nicht kulturalistisch betrachten – vielleicht ist "heilige Pflicht" auch ein etwas pathetisch gewählter Begriff. Mir geht es darum, dass von rechtspopulistischer und rechtsextremer Seite eine ganze Bevölkerungsgruppe pauschal als "Diebe" verunglimpft wurde. Diese Menschen haben weder wütend demonstriert noch sich beleidigt zurückgezogen – im Gegenteil: Sie wurden selbst aktiv und veranstalteten ein Fest des Dialogs und der Menschlichkeit.

     

    Ich will keine Sippenhaft (weder der MarokkanerInnen noch der Stadtbevölkerung), sondern auf diese meiner Meinung nach menschlich tief berührende Aktion aufmerksam machen – auch weil sie nur in wenigen (oder keinen?) Medien Beachtung fand.

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