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Kindermund tut Vielfalt kund

? Papà!
? Cosa c’è?
? i bin „stanca“. Bitte „aufilupfen“, „sulle spalle“.

Und schon bringt sich meine fast dreijährige Tochter in Position, damit ich sie auf die Schultern nehmen kann.
Vor einiger Zeit wurde schon in diesem Blog über die Vielfalt der Sprachen in unserer Stadt berichtet (http://www.provinnsbruck.at/content/innsbruck-spricht-vielfalt). Ich kann diese Beobachtung bestätigen, und zwar von Spielplätzen und den verschiedensten Einrichtungen für Kinder in Innsbruck. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Zweisprachigkeit ein wichtiges Thema in unserer Familie ist, deshalb fallen mir Kinder, die in mehreren Sprachen mit Ihren Eltern sprechen eher auf. Ich fühle mich daher mit meinem Verhalten nicht als Exot – sondern eher schon als (stetig wachsende) Minderheit.

Fast jeder, mit dem ich mich über Zweisprachigkeit unterhalte, berichten mir von Verwandten oder Freunden, die Ihre Kinder zwei- oder mehrsprachig erziehen. Es ist glücklicherweise nichts Außergewöhnliches mehr. Es ist meiner Meinung auch das Ergebnis der oft verpönten Europäischen Union. Im Bereich der Mobilität scheint die EU die richtigen Maßnahmen zu setzten. Es ist selbstverständlicher geworden, sich innerhalb der EU sich zu bewegen, und dass dadurch Liebe grenzüberschreitender wird ist nur eine logische Folge.

Durch die Verstärkte Mobilität innerhalb (und auch außerhalb) Europas hat meiner Ansicht nach die Zweisprachigkeit einen neuen, höheren Stellenwert in der Gesellschaft erhalten. Vor einigen Jahren waren fast ausschließlich Kinder mit Migrationshintergrund zweisprachig. Ich bin selbst noch als „Gastarbeiterkind“ in Deutschland auf die Welt gekommen. Es war damals einfach nur meine Familiensprache. Eltern wussten oft nicht, ob sie ihre Kinder in der Öffentlichkeit in der Muttersprache anreden sollten, oder nicht. Es gab noch die Befürchtung angepöbelt zu werden und aufgefordert zu werden „gefälligst deutsch zu sprechen“.

Heutzutage ist Mehrsprachigkeit kaum mehr mit einer soziale Schicht assoziiert, deswegen sprechen Eltern viel selbstbewusster mit dem Nachwuchs in der Fremdsprache. PädagogInnen, die Eltern dazu anhalten, mit den Kindern auf Deutsch zu sprechen, sind nun die wirklichen Exoten, die es hier und da aber noch gibt. Meine Einstellung nimmt aber Eltern natürlich nicht aus der Pflicht, Kinder zu fördern und die Landessprache lernen zu lassen. Aber mit regelmäßigen Spielplatzbesuchen, ein bisschen deutschsprachiges Umfeld, müsste es im Normalfall kein Problem sein.

Das Faszinierende der Mehrsprachigkeit ist, dass es beweist wie man sich problemlos mit mehreren Kulturen identifizieren kann. Die Seele des Menschen ist unendlich. Ich selbst fühle mich in zwei Sprachen und drei Kulturen zu Hause. Kein Widerspruch, auch nicht im Sport. Im Fußball juble ich mit Italien und leide mit Österreich. Und beim Handball schlägt mein Herz Schwarz-Rot-Gold.

Dass man Zweisprachigkeit auch personalisieren kann, sehe ich auch bei meiner Tochter. Hin und wieder hört man – wenn sie italienisch spricht – auch das berühmte Innsbrucker „k“. Puristen würden den Kopf schütteln, ich als Vater liebe es natürlich!

Peppino Brienza

3 Comments

  1. Meiner Meinung nach ist es eine große Bereicherung, wenn Kinder mehrsprachig aufwachsen können. Nie mehr wieder im Leben lernt der Mensch so schnell, natürlich und selbstverständlich eine (Zweit)sprache wie im Kindesalter! Zusätzlich zu den rein linguistischen Fähigkeiten (die heutzutage zweifellos in vielen Bereichen Pluspunkte bringen oder gar Vorraussetzung sind für beruflichen Erfolg) erleben die Kinder Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen.

    Klarerweise funktioniert der frühe Erwerb zweier Sprachen nur unter besonderen Bedingungen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Sache unheimlich erschwert wird, wenn die zweite Sprache nur von einem Elternteil gesprochen und vom anderen nicht einmal verstanden wird. Denn dadurch ist ein Familienmitglied ausgeschlossen, sobald in der Zweitsprache kommuniziert wird. Das Kind sieht keinen Sinn im Sprechen der Zweitsprache, schließlich dient ihm Sprache zum Teilen von Erlebnissen, zum Mit-Teilen und nicht zum Ausgrenzen. Das Vermeiden der Zweitsprache und der automatische Wechsel in die von allen verstandene Sprache ist eine – aus Sicht des Kindes – logische Konsequenz.
    Zudem kann es zu Blockaden kommen, wenn die zweite Sprache – auch unbewusst  – als "minderwertig" oder unwichtig empfunden wird – egal von welchem "Beteiligten" (Kind, Elternteil oder andere Bezugsperson).

    • Es stimmt, dass verschiedene Schwierigkeiten auftauchen können. Ich habe, zum Beispiel, von einem Fall gehört,  wo das Kind nach dem ersten Schultag es plötzlich die 2. Sprache verweigert hat.  Ich bin gespannt wie es bei uns sein wird. Meine Frau spricht auch fließend italienisch, aber wir zwei sprechen deutsch. Ich habe auch manchmal Angst, dass ich vielleicht meine Tochter auf unbewusste Weise stresse (obwohl ich nicht verlange, dass sie auf Italienisch antwortet). Derzeit macht es ihr Gott sei Dank Spaß und sie empfindet sogar Dialekte als eigene Sprache.

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