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Frauen. Nacht. Taxi.

Innsbruckerinnen, die bisher der Meinung waren, dass sich die Bezeichnung „Nacht“ auch für sie auf den Zeitraum zwischen dem Sonnenuntergang und dem Sonnenaufgang bezieht, werden im Fall des Frauen „Nacht“ Taxis eines besseren belehrt.
Adventzeit ist Glühweinzeit, verbindet Angestellte mit Vorgesetzten, Besinnlichkeit mit Billigfusel und Genuss mit Gruppenzwang.
Kritischer Journalismus verabschiedet sich mit Beiträgen über angemessenes Verhalten bei Betriebsfeiern in vorverlegte Weihnachtsferien – und den Umstand, dass Innsbrucker Nächte lang werden können, finden in Zeiten ausgedehnter Christkindlmärkte ohnehin alle irgendwie charmant.
Frauen, die sich nach Weihnachtsfeiern & Co bewusst für die sichere Variante des Nachhausewegs entscheiden, haben in Innsbruck jedoch nur begrenzte Möglichkeiten, denn das sogenannte Frauen „Nacht“ Taxi stellt seine Dienste nur wenige Stunden zur Verfügung. Warum der Schutz vor möglichen Übergriffen in einer Tourismushochburg wie Innsbruck ausschließlich von 20.00 bis 02.00 Uhr gewährleistet wird, lässt dabei Raum für Spekulationen offen.
In Anbetracht der Tatsache, dass eine Verlängerung der dringend benöigten Serviceleistung bis 04.00 Uhr früh nicht mehr als ca. 6.000 Euro kosten würde, kann es wohl nicht am Geld liegen, oder? Neben dem fehlenden Bewusstsein dafür, die Sicherheit von Bürgerinnen um 2 Uhr nachts mit einem Ablaufdatum zu versehen, bleibt auch die Frage offen, warum Frauen und Mädchen an Tagen wie Weihnachten, Silvester oder dem Faschingsdienstag vollständig auf das Angebot verzichten müssen, sicher nach Hause zu kommen.
Richtig gelesen, während Bestellanrufe an weniger geschäftsträchtigen Tagen mindestens 20 Minuten vor der gewünschten Abholung einlangen müssen, bleiben Anrufe unter der Nummer 551711genau dann, wenn die Innsbrucker Nächte wirklich lang werden, unbeantwortet. Und was der Grund dafür sein soll, „dass immer mehr Männer eifersüchtig auf die Nummer 551711 werden“, wie es doch tatsählich unter http://www.nightliner.at/nightliner_frauennachttaxi.php heißt, dürfen mir die Verantwortlichen der Alibiaktion Frauen „Nacht“ Taxi jederzeit gerne erklären.

Isabella Krainer

3 Comments

  1. Hast du nicht gewusst, dass Vergewaltigung, Ãœbergriffe und sexuelle Belästigung nach 02:00 Uhr nachts nicht mehr stattfinden, weil sich alle potentiellen Täter zu besagtem Zeitpunkt schlafen legen – ergo die Straßen wieder sicher sind? Kurzum: Eine peinliche Aktion, die vor allem, das offenlegt, was Verantworliche nur selten aussprechen: Dass anständige Frauen – und Mädchen erst recht – um diese Zeiten sowieso nichts mehr auf der Straße oder in Bars zu suchen haben, weil sich das einfach nicht gehört. Liebe Verantwortliche: Bitte, bitte Gehirn einschalten, die Realität berücksichtigen und erst dann planen und handeln. Weils ansonsten eh überflüssig ist …
  2. Hier zu sparen, ist wirklich komplett daneben! Wenn nur ein einziger Ãœbergriff auf eine Frau verhindert werden kann, ist diese Investition mehr als sinnvoll. Interessanterweise wird für "Sicherheit" im Sinne der Ãœberwachung und Bespitzelung ordentlich (Steuer-)Kohle verpulvert – bei der individuellen Integrität und Unversehrtheit sieht es allerdings anders aus …

  3. „vollständig auf das Angebot verzichten müssen, sicher nach Hause zu kommen.“ ???

    Naja, also die Taxis fahren bitte schon die ganze Nacht, es geht – im Gegensatz zur Formulierung – um das „gesponserte Angebot“.

    Sicher nach Hause geht auch nach 2 Uhr – und da sollte der Unterschiedsbetrag zur Pauschale (von 4,90) in Anbetracht der entfallenden (beim F-N-T erforderlichen) Wartezeit „das Geld wert sein“.

    Ein Taxi, sagen wir von der Innenstadt zum WiSt-Heim bei der USI, kostet so um die 10,- Euro inkl. Trinkgeld, macht also ca. 5 EUR mehr aus. Wieviel kostet die Konsumation bis nach 2 Uhr früh?? Die Rede ist also vom Gegenwert von ca. 2 Spritzern oder Limos.

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