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Die Wahl der Qual

 Der Sommer mit all seinen Farben hält Einzug in Innsbruck. 
Passend dazu zeigt sich die Innsbrucker Uni in einem neuen Look. Alle Vorplätze der Fakultäten erstrahlen in einer farbenfrohen Mischung aus Wahlplakaten und Parolen. Übermotivierte Kommilitonen decken einen mit Flyern, Kulis, Kondomen und Gutscheinen ein, dass man sich bis zum Master in drei Jahren keine Sorgen mehr machen muss. 

Wir stellen fest: Die ÖH-Wahlen stehen an. Es liegt in unserer Macht, ob wir weiterhin von jedem Mensabon, dem Karriereportal und UNIT-Seminarmappe von einem nahezu gruseligen Gute-Laune-Gesicht begrüßt werden. Vielleicht ist es aber auch an der Zeit, völlig neue Ideen und Wege zu verfolgen und in der Zukunft sieht alles ganz anders aus. 
Zugegeben, die Studentenausschüsse bringen für die Gunst ihrer Wähler keine Menschen aus feindlichen Lagern um, wie es in anderen Ländern momentan Mode ist. Hier werden mit Podiumsdiskussionen und Partys  andere Geschütze aufgefahren. 

Doch trotz all der Partys, Gutscheine und Versprechen stelle ich mir die große Frage: "Was habe ich für eine Wahl?"

Was bringen Quietscheenten gegen Studiengebühren? Was haben Plakate mit Mauern, die mit Filzstift verziert wurden, mit einer grünen Uni zu tun? Und wie schafft man es, Skriptendatenbanken mit Kommunismus in Verbindung zu bringen?!

Es vergeht keine Woche, in denen man nicht eine E-Mail von PUFFL-GRAS, VSSTÖ und Co im Mailfach vorfindet, worin weiter um die Aufmerksamkeit gebuhlt wird. Immerhin bringen diese Wahlkandidaten noch gute Argumente von einem ungeschlagenem Studenten, wie mir, ein Kreuzchen zu bekommen. 

Andere Gruppierungen sind dann doch äußerst fragwürdig. Den Vogel abgeschossen haben hier die Comunista, eine Studentengruppierung, die sich offen zum Marxismus-Leninismus bekennt. 
In der Mail wird in einem Ton, der eindeutig aus anderen Regimekreisen kommt, aufgefordert mit den anderen Studenten seine Mitschriften zu teilen. An sich ist das ja eine nette Geste. Aber was hat das mit Kommunismus zu tun? 
Haben die Anhänger der Comunista eine Idee, was Kommunismus bedeutet, vorallem in ihrem Bezug auf Marx und Lenin? 
Dem Leser sei hier empfohlen, sich entweder im Geschichtsbuch seines Vertrauens oder unter Google nach den Schlagworten  –-> DDR ->Sowjetunion und -> Roter Terror (siehe Lenin)  zu informieren, ehe man sich zur Wahlurne begibt. 
 

Wenn es sowieso etwas wie die absolut Linken gibt, gibt es dann irgendwann auch das absolute Gegenteil?

Ja, gibt es:

Der Ring Freiheitlicher Studenten. Wie ihre Kollegen aus der linken Ecke setzt sich der RFS mit eigenen Mitteln für die ÖH ein. Diese wollen sogar schon die ganze ÖH Struktur umwälzen. Mit faszinierenden Slogans wie: "Prost, wenn dir die Linken stinken" und Artikeln auf ihrer Homepage, die sich z.B. mit der Frisurenfrage der beiden GRAS Spitzenkandidatinnen Maria Clar und Janine Wulz auseinandersetzt und nebenbei noch Behauptungen in den Raum setzt, dass sich die ÖH gegen die Abschiebung eines Asylbewerbers mit fraglichem Hintergrund mit 5000 Euro-Kaution beteiligt hätte. Zwar verweist der  RFS  auf den ORF als Informationsquelle, aber auch diese kann nur Vermutungen anstellen und nichts bestätigen. Man merkt, hier ist auch nicht alles Gold, was glänzt. 

 

Deswegen empfehle ich jedem, wenn er sich vom 24. – 26. Mai dazu entschließt, zu wählen, sich wirklich Gedanken zu machen, wem man seine Stimme gibt. Immerhin haben wir es doch noch in der Hand, ob das Karriereportal weiter grinst, die Quietscheente quietscht, oder wir unsere nächste Party dank Gutscheine auf minialste Ausgabekosten senken. 

Ich überlege übrigens auch, ob ich in all den Auswahlmöglichkeiten einen Ausschuss gründe: Den "Oder-auch-nicht"- Ausschuss:

Man kann Studiengebühren zahlen, oder auch nicht;  Mietzinsbeihilfe beantragen, oder auch nicht. Seine Skripten teilen, oder auch nicht. Damit wäre dann wahrscheinlich allen geholfen.  

 

 

 

Ines Burkhardt

7 Comments

  1. Zur Klarstellung: Dieser Beitrag gibt die persönliche Meinung der Autorin wieder – ist auch ihr gutes Recht – ist allerdings nicht "Redaktionslinie" (die gibts nicht, weil wir "bunt gemischt" sind – alles außer Faschos selbstverständlich). Zur Erklärung und Ergänzung hier nochmals die Original-Mail des KSV Innsbruck, die an alle Studis ging:

     

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen!



    Wir möchten euch mit dieser E-Mail nicht unsere Wahlwerbung auf’s Auge drücken, sondern einen Aufruf ausschicken, der uns sehr am Herzen liegt. Nehmt euch bitte kurz Zeit, ihn zu lesen – er betrifft uns alle. 

    Wer mehr über den Kommunistischen StudentInnenverband erfahren möchte, kann uns im Internet (www.comunista.at/innsbruck) oder bei unserem Wahlkampffestl, Donnerstag 12. Mai ab 20:00 in der "Treppe", Schöpfstr. 14, besuchen – oder uns einfach eine Mail schreiben.



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    AUFRUF AN ALLE STUDIERENDEN – SEID SOLIDARISCH!



    1. DIE WELT, IN DER WIR LEBEN

    Wir leben in einem Zeitalter der rücksichtslosen Konkurrenz. Mächtige Staaten unterdrücken schwächere, internationale Konzerne beuten Menschen, Natur und Rohstoffe gnadenlos aus, überall wird auf die Schwächsten getreten, immer mit dem eigenen Vorteil vor Augen.



    2. DIE UNIVERSITÄT, AN DER WIR STUDIEREN

    Auch unsere Universität ist diesem Konkurrenzwahn mehr und mehr ausgeliefert. Wo man früher noch die Möglichkeit hatte, sich mehr oder weniger frei zu bilden, Fächer nach Interesse zu belegen, wertvolle Erfahrungen und Wissen zu sammeln, steht heute die wirtschaftliche Verwertbarkeit im Vordergrund. 

    Unsere Studienpläne werden verschult, wir werden gedrängt, möglichst schnell und effektiv zu studieren, es bleibt keine Zeit, sich umfassend mit der Wissenschaft zu beschäftigen. Die unter uns, die keine oder zu wenig finanzielle Unterstützung von ihren Eltern bekommen, müssen neben dem Studium arbeiten, geraten extrem unter Druck, so dass ein vernünftiges Studium fast unmöglich ist.



    Durch die Kürzung der Familienbeihilfe versucht man, uns nach dem Bachelorstudium von den Unis zu drängen – die Wirtschaft braucht Fachkräfte, keine WissenschaftlerInnen. Viele Fächer werden finanziell ausgehungert, weil sie der Gesellschaft angeblich nichts nützen – nur was unmittelbar der Industrie nützt, darf vorerst weiterexistieren.

    Zusätzlich dazu versucht man, durch mehr und mehr Prüfungen den Rückgang der Qualität der Lehre zu kaschieren, man ersetzt das Verstehen durch das Auswendiglernen – wer dem Prüfungsstress nicht standhält, fliegt. Besonders trifft das wieder diejenigen, die neben dem Studium arbeiten, oder aber sich um ein Kind kümmern müssen – von Studierenden mit Behinderung ganz zu schweigen.



    Durch Zugangsbeschränkungen wird die Konkurrenz zwischen den Studierenden verstärkt, jede Kollegin, jeder Kollege ist potentielle Konkurrenz im Rennen um die Masterstudienplätze. Nach dem selben Schema funktioniert das beim beschränkten Angebot an Plätzen in den verschiedenen Lehrveranstaltungen – viele würden niemals jemanden auf eine interessante LV aufmerksam machen – durch die Anmeldungsmodi an manchen Fakultäten könnte einem ja der Platz weggenommen werden. 

    Ähnlich verhält es sich mit Studierenden, die aus Deutschland nach Österreich kommen, oft um dem Numerus Clausus zu entgehen – die Ausrichtung der europäischen Universitäten auf den Bologna-Prozess fördert auch die Konkurrenz zwischen den Unis der verschiedenen Länder.



    3. WAS WIR TUN KÖNNEN

    Wir müssen uns selbst darum kümmern, das unsere Uni wieder ein guter Ort zum Studieren wird. Wir dürfen uns nicht  gegeneinander ausspielen lassen, uns unabhängig von Herkunft oder sozialem Status gegenseitig helfen. Seid solidarisch! Teilt eure Mitschriften mit anderen, beteiligt euch an der Erstellung von Skriptendatenbanken. Habt Verständnis, wenn manche in der Lehrveranstaltung nicht so gut mitkommen –  sie werden gute Gründe haben. Viele können nicht mehr zu jeder Vorlesung kommen – sie brauchen Unterstützung durch ihre Mitstudierenden. Helft euch gegenseitig, nur gemeinsam können wir vernünftig studieren! Unsere GegnerInnen sitzen nicht mit uns im Hörsaal, sondern in der Wirtschaft, in der Regierung, in vielen Uni-Gremien! Organisieren wir den gemeinsamen Widerstand, machen wir die Österreichische HochschülerInnenschaft wieder stark! Geht wählen, lasst euch eure Meinung nicht nehmen! Solidarität hilft im Studium hundertmal mehr als der beste Service.



    Solidarische Grüße, 

    euer KSV Innsbruck

     

  2. Geschätzte Frau Burkhardt, wenn ich auch zustimme, dass die unterschiedlichen Fraktionen einem ganz schön auf die Nerven gehen können und nicht jede ihrer Formulierungen wirklich passend formuliert ist, so möchte ich doch darauf hinweisen, dass Ihr Artikel nach den provinnsbruck-Standards auch alles andere als zeitgemäß ist – denn Gendern ist auf provinnsbruck eigentlich einheitlicher Grundkonsens.

    •  Dann möchte ich mich hiermit entschuldigen und noch anfügen, dass auch wenn ich nur von "er" geschrieben habe, natürlich beide Geschlechter gemeint sind und es der Einfachheit und des Textflusses wegen sich auf eins beschränkt hat. 

      Mir persönlich ist es nämlich immer etwas zu holprig, wenn jede Formulierung gegendert wird. 

  3. Liebe Ines.

    Jetzt mal kurz ernsthaft: Beim RFS ist "nicht alles Gold, was glänzt"? Von einer "Germanistik Studentin" (Germanistikstudentin, vielleicht?) kann man sich doch bitte etwas mehr sprachliches Feingefühl erwarten – oder ist das etwa ernst gemeint?

    Und zur Abschiebung "eines Asylwerbers mit fraglichem Hintergrund" – auch das kratzt meiner Meinung nach an sprachlichem Rechtsbruch – liest du besser erstens einmal die Artikel auf der Homepage auf der du veröffentlichst. Dann redest du mit deinen MitredakteurInnen darüber, ob sie wissen was dieser "fragliche Hintergrund" sein soll, ich bin mir sicher, die können dir über diese Frechheit einer Menschenentsorgung ein paar interessante Details erzählen, die ich jetzt hier nicht unbedingt posten und dann unauslöschlich im Netz stehen haben will. Es warad wegen dem Datenschutz.

     Eine vo

    SOLLTEN diese Formulierungen nicht nur malngelndem Willen und mangelnder Fähigkeit, sich selbst zu informieren entspringen, sondern tatsächlich meinen, was man interpretieren kann: Eine Nähe zu einem Gedankengut, das Österreich als Teil der "deutschen Kultur" sieht, die beiden Länder endlich wieder unter einem gescheiten Führer vereint haben will und samt und sonders aus grausigen Nazis besteht – dann solltest du dir überlegen, ob dieses Portal das richtige für dich ist.

    Und nebenbei, alle Kritik an den Fraktionen in Ehren, aber wenn an der ÖH prinzipiell etwas auszusetzen ist, dann ist es wohl der mangelnde rechtliche Spielraum, den sie als Vertretung der Studis hat. Wenn schon etwas über die ÖH-Wahl scheiben wärs nett, nicht nur auf sprachlich dürftigen Motzereien über Plakate aller Fraktionen hängenzubleiben. Moment: Alle Fraktionen? Nein. Eine von unbeugsamen Galliern besetzte… ach, wurscht. Aber die AG hast du trotzdem ausgelassen. So ein Zufall.

    • Danke Lu, du schreibst mir aus der Seele. Habe selten einen derart unreflektierten, schlecht recherchierten Blogartikel gelesen.

      Gruß,
      Ein "Anhänger der Comunista" (was auch immer das bedeuten soll)

  4. na super, dass du studentinnen, mitstreiterinnen, kommilitoninnen, leserinnen, wahlkandidatinnen, wählerinnen, anhängerinnen und kolleginnen mitgemeint hast, wird die frauenbewegung um lichtjahre nach vorn katapultieren… die naivität (oder sollte frau das besser arroganz nennen?) mit der du den beitrag angegangen bist, ist schlichtweg unprofessionell. anstatt dir über den textfluss gedanken zu machen, solltest du dich im vorfeld ernsthafter mit dem inhalt beschäftigen. ich mein, irgendwas wirst du mit deinem beitrag wohl transportieren wollen. oder auch nicht.

     

     

  5. mich wundert ja, dass bei all den politischen themen (der von der abschiebung bedrohte lamin, dem tatsachenbericht, königshofers hetze…) gerade dieser beitrag für unmut und kritische kommentare sorgt. mal ehrlich, habt ihr keine anderen sorgen??? führt jetzt auch schon der öh-wahlkampf zum parteipolitischen tunnelblick oder was???

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