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Was hat die Tiroler Landesuniversität mit P. Swamy SJ zu tun?

Am 16. November 1989 wurden in der Zentralamerikanischen Universität von San Salvador der Rektor, der Vizerektor und vier Professoren sowie die anwesende Köchin und deren Tochter im Auftrag des US-Imperialismus ermordet. Die ermordeten Jesuiten haben in Ausübung ihrer pastoralen Macht das Volk nicht zur Passivität angehalten, sondern sie sind offen an seine Seite getreten, um es aus Unterdrückung und Sklaverei zu befreien.

Rektor Ignacio Ellacuría SJ (1930-1989) und der Vorstand des Menschenrechtsinstitut Segundo Montes SJ (1933-1989) sind Absolventen der Innsbrucker Universität, an der sie Theologie studierten. In der Innsbrucker Jesuitenkirche hat Bischof Paulus Rusch (1903-1986) am 26.Juli 1961 Ellacuría SJ und am 25.Juli 1963 Montes SJ feierlich zu Priestern der katholischen Kirche geweiht.

Die lateinamerikanische Befreiungstheologie, die also mit der Innsbrucker Theologischen Fakultät in deren jüngeren Geschichte verbunden war, ist für den heute 84jährigen Pater Stan Swamy SJ Fundament seines Wirkens in Indien. Pater Swamy SJ setzt sich seit vier Jahrzehnten an der Seite der Armen und Unterdrückten ein und aus. Er ist in Indien nun schon fünf Monate mit anderen Menschenrechtsaktivisten inhaftiert.

Seine Zellengenossen sind im Geiste die beiden Innsbrucker Absolventen Ellacuría SJ und Montes SJ. P. Swamy wird so wie den ermordeten Jesuiten in El Salvador vorgeworfen, kommunistische Bewegungen unterstützt zu haben, weshalb er ein gefährlicher Aufrührer sei und weggesperrt gehört. Es gibt eine breite kirchliche Solidaritätsbewegung für diesen Zeugen der Gerechtigkeit.

Die Universität Innsbruck könnte ein Signal setzen, dass sie aus der Geschichte tatsächlich lernen will und dass ihr auch außerhalb von Festtagsreden zu Jubiläumsfeierlichkeiten die Teilnahme am internationalen Kampf um Gerechtigkeit wichtig ist. Das wäre ein universitäres Signal zur Änderung der globalen gesellschaftlichen Verhältnisse.

Dem Rektorat der Universität Innsbruck liegt seit vier Wochen eine Anregung vom Autor vor, P. Swamy SJ in Erinnerung an die beiden Innsbrucker Theologen Ignacio Ellacuría SJ und Segundo Montes SJ zum Ehrenbürger zu ernennen. Bislang ist diese Anregung inhaltlich nicht beantwortet worden. Aus der Innsbrucker Universitätsgeschichte wissen wir allerdings, dass die Innsbrucker Universitätsführung sehr rasch handeln kann, wenn es ihren unmittelbar vorzeigbaren Interessen gelegen kommt.

Gerhard Oberkofler

Gast

3 Comments

  1. 26. Februar 2021

    Sehr geehrte Herr Dr. Oberkofler,

    vielen Dank für Ihre e-mails vom Jänner 2021 für deren zeitlich verzögerte Beantwortung wir uns entschuldigen möchten. Wir haben Ihren Ehrungsvorschlag im Hinblick auf den Satzungsteil akademische Ehrungen gesichtet und im Rektorat diskutiert. In Anbetracht der fehlenden Verbindung zur Universität Innsbruck ist die Verleihung der Ehrenbürgerschaft leider nicht möglich, obgleich der Einsatz und das Engagement von Pater Swamy SJ für Gerechtigkeit unbestritten wertvoll und unterstützungswürdig sind. Im persönlichen Gespräch mit Rektor Christian Marte SJ wurden wir informiert, dass es parallel bereits diplomatische Bemühungen dazu gibt, Pater Swamy SJ aus dem Gefängnis zu befreien. Wir hoffen sehr, dass diese Bemühungen erfolgreich sein werden!

    Wir bedauern Ihnen im Hinblick auf den Vorschlag der Verleihung der Ehrenbürgerschaft keine bessere Rückmeldung geben zu können und verbleiben

    mit besten Grüßen

    Tilmann Märk Ulrike Tanzer

    Rektor Vizerektorin für Forschung

    26. Februar 2021
    Sehr geehrter Rektor,
    sehr geehrte Vizerektorin,

    danke für Ihre Antwort! Ich darf annehmen, dass Sie mit ihrer katholisch theologischen Fakultät vor Ihrer Entscheidung Rücksprache gehalten haben.

    Ich muss Ihnen leider zustimmen, dass die Befreiungstheologie derzeit keine ideelle Verbindung mehr zur Universität Innsbruck hat. Dies, obschon die beiden Innsbrucker Absolventen Ignacio Ellacuría SJ und Segundo Montes SJ die Befreiungstheologie mitgeprägt haben und für P. Swamy SJ inspirierend sind. 2016 hat mir einer der deutschen Führungsprofessoren der Innsbrucker Theologie versichert, die Befreiungstheologie sei „mausetot“. Der Mode der Zeit angemessen wird dort lieber mit dem Innsbrucker Ehrendoktor René Girard renommiert.

    Mit bestem Gruss
    Gerhard Oberkofler

  2. „Am 3. August begeht Prof. Dr. Gerhard Oberkofler seinen 80. Geburtstag. Seit vielen Jahren läßt er den „RotFuchs“ an seinem reichhaltigen Schaffen als marxistisch-leninistischer Historiker teilhaben und prägt das Profil unserer Zeitschrift. Seine Beiträge zur Geschichte der österreichischen und der deutschen Arbeiterbewegung, zu bedeutenden marxistischen Wissenschaftlern wie Arthur Baumgarten, Konrad Farner oder Arnold Reisberg sowie zur Theologie der Befreiung, zur katholischen Kirche insgesamt und zu den Positionen von Papst Franziskus finden weit über den Kreis unserer Leser hinaus Beachtung. Gerhard Oberkofler ist Autor einer kaum überschaubaren Zahl von Monographien, war Mitglied des internationalen Beirats der von Hans Heinz Holz und Domenico Losurdo herausgegebenen Zeitschrift „Topos“, verfaßte ungezählte wissenschaftliche Artikel und schreibt politische Kommentare in Tageszeitungen Österreichs und der Bundesrepublik. Die „RotFuchs“-Redaktion gratuliert sehr herzlich und wünscht viel Gesundheit. Unseren Dank für die tatkräftige Unterstützung verbinden wir mit der Hoffnung, daß wir noch viele Texte unseres Autors veröffentlichen können.“

    Aus: RotFuchs. Tribüne für Kommunisten, Sozialisten und andere Linke. Berlin. 23. Jahrgang Nr. 282-283, Juli / August 2021, S. 13

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