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The Spirit Game

Welche neuen Leidenschaften Freundinnen aus spanischen Erasmus-Zeiten entwickeln während man sie ein Jahr lang nicht sieht, habe ich mir vergangenes Wochenende im Zuge eines schon lange überfälligen Wiedersehens live präsentieren lassen – bei abwechslungsreichem Schnee-Regen-Sonnen-Wetter am Rand zweier Fußballfelder im Westen von Innsbruck stehend.

 

Und jubelnd. Zentrales Objekt der neuen Spiellust meiner Freundin: eine tellerförmige Scheibe, in leuchtendem Weiß gehalten, um sich von der Umwelt abzuheben und gut sichtbar zu sein. Nein, nicht von einer fliegenden Untertasse ist die Rede, obwohl besagtes Objekt damit so einiges gemeinsam hat. Es war ein anderes fliegendes Ding, dessen Name auch in der Alltagssprache gebräuchlich ist: das gute alte Frisbee. Man weiß, was damit gemeint ist, jede/r hat mit ihm in seiner Freizeit am Strand oder auf der Wiese schon mal sein Glück versucht und jede Menge Vergnügen, in seltenen Fällen vielleicht auch ein blaues Auge, geerntet. Dass man mit dieser fliegenden Scheibe aber auch anspruchsvollen Team-Sport betreiben kann, wird vielen, so wie mir vor noch nicht allzu langer Zeit, neu sein. Machen wir uns aus diesem Anlass doch daran, dem Klischee Abhilfe zu schaffen: 
 
Ein Frisbee, auch Flugscheibe, Schwebedeckel (!), Segelscheibe oder Wurfscheibe genannt, ist nicht nur ein Freizeit-, sondern auch ein beliebtes Sportgerät. Es wird durch aerodynamischen Auftrieb und Kreiselbewegung in der Luft gehalten (an dieser Stelle sei eingeworfen: danke dir, Wikipedia). Neben der bekannten Verwendung als Strandspielzeug werden mit diesem Sportgerät auch zahlreiche Einzel- und Mannschaftssportarten gespielt. Ursprünglich aus den USA stammend, haben sich vor allem die Team-Sportarten „Ultimate“ und „Discgolf“ mittlerweile rund um den Erdball verbreitet, und damit auch in Österreich zahlreiche begeisterte WerferInnen gefunden. Ja, und dadurch kam dann ich in den Genuss, am 8. und 9. Oktober die Österreichischen Meisterschaften im „Ultimate Frisbee Mixed“ mitzuerleben, die am Universitätssportinstitut in Innsbruck ausgetragen wurden. Rund 280 SpielerInnen waren dabei, insgesamt gab es 64 spannende Spiele zu verfolgen.
 
Wie läuft so ein Spiel nun aber ab? Ich habe mir sagen lassen (und nach dem dritten Spiel, das ich gesehen habe, dann auch langsam selbst erfolgreich festgestellt), dass „Ultimate“ ein körperkontaktloser Mannschaftssport ist, der die besten Elemente aus Basketball, Fußball und American Football zu einem einfachen, aber sehr anspruchsvollen und vor allem Spaß bringenden Spiel vereint. Ziel ist es, Punkte durch das Fangen der Scheibe in der gegnerischen Endzone, die am anderen Ende des eigenen Ausgangspunktes liegt, zu erreichen. Dabei ist das Gehen bzw. Laufen mit der Scheibe in der Hand nicht erlaubt – das Frisbee wird den MitspielerInnen zugepasst. Gespielt wird meist auf Gras 7 gegen 7, oder auf Sand sowie in der Halle 5 gegen 5.
 
Ein besonders wichtiger und für mich faszinierendster Punkt ist, dass es beim „Ultimate“ keine Schiedsrichter gibt, es wird völlig auf die Fairness der SpielerInnen vertraut. „Ultimate“ beruht nämlich auf dem so genannten „Spirit of the Game“, der die Verantwortung des Fair Plays jedem/r SpielerIn als wichtigste Aufgabe überträgt. In diesem Sinne ist die höchste Anerkennung für eine Mannschaft nicht der Sieg über andere, sondern der „Spirit“ – ein Preis, den das Team einer Division erhält, das am fairsten gespielt hat. Ermittelt wird dies über Fragebögen, die jede Mannschaft nach einem Spiel über den Gegner ausfüllt. Sportlicher kann es im Grunde also gar nicht ablaufen, spaßiger wahrscheinlich auch nicht. Lauter gute Gründe also, um auch mal zur Scheibe (die nie lügt, auch das wurde mir als alte „Frisbee-Weisheit“ anvertraut) zu greifen – Kurse für AnfängerInnen werden zum Beispiel am Sportinstitut in Innsbruck angeboten.
 
Infos zu den Regeln des Frisbee-Sports und die Ergebnisse der ÖM gibt es unter folgenden Links:
 
Bildquelle: Team Augärtner aus Graz



Anja Larch

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