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Menschlichkeit statt Abschiebungen

In den letzten Monaten haben Abschiebungen von Menschen, die zum Teil schon Jahre lang in Österreich leben, für Schlagzeilen gesorgt. Der jüngste Fall betrifft eine armenische Familie aus Innsbruck.

Die Familie Kirakosyan lebt seit über acht Jahren in Innsbruck. Der Vater ist gelernter Mechaniker, seine Frau Krankenschwester, beide ohne Bleiberecht – und damit ohne Arbeitsbewilligung. Beide haben erfolgreich Deutschkurse auf A2-Niveau absolviert. Arestak und Arman, die beiden Söhne, sprechen fließend Deutsch und gehen hier zu Schule. Sie kennen Armenien nur aus Erzählungen.

Nun wurde die Familie darüber informiert, dass sie am Freitag, den 4. Februar 2011, um 7 Uhr abgeschoben wird. Die Einzige, die eine Abschiebung noch verhindern kann, ist Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer. Über das humanitäre Aufenthaltsrecht entscheidet nämlich das Stadtmagistrat und damit als oberste Instanz die Bürgermeisterin.

Mischen wir uns ein!
Inzwischen fordern das Zentrum für MigrantInnen in Tirol (ZeMiT) und die Innsbrucker Grünen die Bürgermeisterin auf, sich für ein dauerhaftes Bleiberecht der Familie Kirakosyan einzusetzen. Eine Online-Petition gegen die Abschiebung wurde innerhalb weniger Stunden von über 1000 Personen unterstützt.

Entscheidend wird sein, dass die Innsbrucker Bevölkerung jetzt ein Zeichen setzt: Wollen wir eine weltoffene Stadt sein, die Menschen aus anderen Ländern als Bereicherung sieht, – oder sollen auch gut integrierte Familien abgeschoben werden, einfach weil sie den „falschen“ Pass haben?

Die E-Mail-Adresse der Bürgermeisterin lautet:
c.oppitz@magibk.at

Link:
http://tt.com/csp/cms/sites/tt/Ãœberblick/Chronik/ChronikTirol/ChronikTirolContainer/2146616-8/armenischer-familie-in-innsbruck-droht-abschiebung.csp

Andreas Wiesinger

8 Comments

  1. Sowas ist unverständlich! Generell ist die lahme Asylpolitik unverständlich….
    Da gibts Leute, die bewusst nach Österreich kommen um ihre krummen Geschäfte abzuwickeln…die werden angezeigt und angezeigt und…nix passiert, die sind dann illegal hier und man kann nix tun.

    Und eine voll integrierte Familie wird abgeschoben…peinlich.

  2. Am Donnerstag, 3. Februar, findet um 17 Uhr bei der Annasäule in Innsbruck eine Kundgebung für die von Abschiebung bedrohte Familie Kirakosyan statt.

    Erscheint zahlreich!

    Und wenn sich nichts für die Familie endet, müssen wir ihr auch am Freitag morgen helfen!

  3. ——– Original-Nachricht ——–
    Betreff: an Frau Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer
    Datum: Thu, 03 Feb 2011 09:57:21 +0100
    Von: Max Siller
    Organisation: University of Innsbruck, Austria
    An: kontakt@innsbruck.gv.at, post.buergerservice@innsbruck.gv.at, post.oeffentlichkeitsarbeit@innsbruck.gv.at
    CC: Stephan

    Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer,

    ehrlich gestanden empfinde ich es als unerträgliche Schande, dass es im
    Fall der Familie Kirakosyan überhaupt noch des Einsatzes von menschlich
    denkenden und argumentierenden Personen bedarf, um diesem Wahnsinn der
    Abschiebung von hier seit fast einem Jahrzehnt lebenden Mitbewohnern
    zuvorzukommen. Ja, es ist eine SCHANDE! Deshalb möchte ich gar nicht mit
    Ihnen über diesen Fall diskutieren, sondern sie AUFFORDERN, der Familie
    Kirakosyan umgehend das Bleiberecht zu geben! Ich würde einen
    Negativbescheid nicht anders als dahingehend interpretieren können, als
    dass Sie aus Angst vor rechtsextremen, ignoranten, rassistischen
    UNMENSCHEN auf MENSCHLICHKEIT verzichten.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Ao.Univ.-Prof. Dr. Max Siller

  4. Ich danke allen, die mitgeholfen haben, dass Familie Kirakosyan dableiben darf. Bis jetzt war es uns möglich, Familien und Einzelpersonen im Stillen zum Bleiberecht zu verhelfen. Bei Familie Kirakosyan war sofortiges Handeln notwendig.
    Wir haben eine Bleiberechtsgruppe, die sich aus den unterschiedlichsten Leuten zusammensetzt und ein gemeinsames Ziel haben. Menschen, deren Asylbescheid negativ ausfiel und alle Voraussetzungen für ein Bleiberecht erfüllen, zu den Ämtern zu begleiten und zu unterstützen. Selbst mit einer A2-Deutschprüfung ist es kaum möglich, sich durch den Bürokratiedschungel durchzuwühlen. Außerdem ist es immer sehr hilfreich, wenn einE ÖsterreicherIn mit zu den Ämtern geht (wegen Höflichkeit gegenüber den AntragstellerInnen usw).
    Wer Lust und Zeit hat, kann gerne mitmachen. Voraussetzung ist, dass Vormittagstermine (Ämter haben leider nur vormittags Parteienverkehr) wahrgenommen werden können. Und, das Wichtigste, viel diplomatisches Geschick. Selbstverständlich wird man nicht einfach so losgeschickt, es gibt zu jeder einzelnen Begleitung von uns Unterstützung.
    Also, wer Interesse hat, soll sich im Stadtmagistrat unter 5360-1330 im Grünen Büro melden.

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