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Kunst- und Kulturschaffende in Tirol (1): Florian Hackspiel

In Zukunft soll in (un)regelmäßigen Abständen über Kunst- und Kulturschaffende in und/oder aus Tirol berichtet werden. Heute ein Interview mit Schauspieler und Regisseur Florian Hackspiel.

 
 
Florian Hackspiel, geboren 1983 in Tirol, schloss 2007 sein Schauspielstudium an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz ab und ist seitdem als freischaffender Schauspieler und Regisseur tätig.
2007/08 ließ er sich zum Stimmanalytiker ausbilden. Gründer und Leiter des Theater Melone Innsbruck seit 2003 (12 Inszenierungen).
Bisherige Schauspielengagements: u. a. Schauspielhaus Graz, Drachengasse Wien, Dschungel Wien, TAG Wien, Theater Schwechat, Compagnie Luna, Theater Phönix Linz, Landestheater Linz, Tiroler Landestheater, Theater praesent, Staatstheater Innsbruck, sommer.theater.hall, Schlossspiele Kobersdorf, Junges Schauspiel Ensemble München, Brechtfestival Augsburg, Thüringer Schlossfestspiele und Landestheater Schwaben. Als Theaterautor schrieb er bislang zwei Stücke. Arthur-Haidl-Preisträger der Stadt Innsbruck 2006.
 
 
Was sind deine aktuellen Projekte?

Im Moment spiele ich gerade die Rolle des Humberrie im Stück Humberrie im Forum Theater Schwechat. Gleichzeitig stecke ich mitten in den Proben zum Stück Wolf im Dschungel Wien, in dem ich endlich einen Werwolf spielen darf. In Vorbereitung bin ich gerade für das neue Großprojekt von Paulus Manker mit dem Titel Wagnerdämmerung. An Theater Melone und was ich diesen Sommer produzieren werde, denke ich immer!
 
 
Warum ist 2013 für dich ein besonderes Jahr?
 
2013 bedeutet für mich:
10 Jahre Theater Melone!
20 Jahre Bühnenjubiläum!!
30 Jahre Florian Hackspiel!!!
 
Was bedeutet Innsbruck bzw. Tirol für dich? Ist Innsbruck ein Ort, von dem du weg willst oder einer, an den du immer wieder gern zurückkehrst?
 
Innsbruck bedeutet für mich Ursprung und Geborgenheit. Ein Ort mit hoher Lebensqualität. Sicher ein Traum für ganz viele Menschen auf dieser Welt.
 
Weg wollen, weg sollen, weg müssen, weg dürfen? Selbst wenn ich zurückkommen möchte, müsste ich zuerst mal weg. Aber man soll nicht gleich an das Ende der Reise denken, wenn man gerade eben das Schiff bestiegen hat. Ich bin glücklich und voller Demut zufrieden, wenn ich meine Gedanken in künstlerische Prozesse transformieren kann und dabei meinen Lebensunterhalt verdiene. Innsbruck bremst mich da oft in meiner persönlichen Entwicklung.
 
 
In welche Richtung entwickelt sich deiner Meinung nach Innsbrucks/Tirols Theaterszene?
 
Innsbruck stellt im Moment sehr gute Infrastrukturen bereit. Das ist einzigartig und muss über alle Maßen gelobt werden. Die professionelle freie Theaterszene hat sich in den letzten Jahren enorm an Qualität und Quantität gesteigert. Nun gilt es den wenigen „Größen“ unter den „Kleinen“ auch großen Raum zu geben und mutige Projekte groß andenken zu lassen. Hier wird nach wie vor sehr zögerlich organisiert. „Freies Theater“ bedeutet für mich in erster Linie: frech, politisch, spontan, zeitgenössisch, aktuell, bitter(böse), direkt, radikal und doch voller Liebe, Lust und Poesie, unkonventionell, einzigartig. Attribute, die ich in Innsbruck allerdings im Moment noch vermisse.
 
 
Welche Rolle spielen dabei die Medien?
Nach 10 Jahren Theater Melone passiert es mir leider immer noch, dass die Presse völlig versagt. 2011 hatte ich für meine Sommerproduktion keine Kritiken erhalten. Ebenso verhielt es sich mit der ERÖFFNUNGSPRODUKTION des FREIEN THEATERS INNSBRUCK. „Vielen guten Menschen fliegt der Hut vom Kopf!“ blieb hier ohne Pressemeldung. Das ist, mit Verlaub, ein Skandal. Was soll ich noch machen: Festival, 1. Premiere im neuen Haus, Uraufführung, dazu einen Medienbeauftragten, der 1.000 € von mir bekommt, dafür, dass er eben Pressearbeit macht und einlädt und schreibt und verschickt und anruft und einlädt…
Antwort der Presse: „…Es ist halt nur off, da können wir nicht immer kommen.“
In Wien bedeutet off auch, das TV-Stars auf kleinen Bühnen spielen, dass man ebenso AbonnentInnen hat. In Innsbruck glauben Presse und Publikum im Allgemeinen immer noch, dass wir Halbprofis sind. Ein schlichter Irrtum.
 
 
Wie du hat auch provinnsbruck.at im Januar Geburtstag gefeiert. Was wünschst du unserem Blog nachträglich zum 2. Geburtstag?
 
Alles Gute, viele UserInnen, gutes Netzwerken und den Ö1 Journalismus Preis!
 
 
Foto: G. Kresser
 
Kontakt und Infos:
 
 

Barbara Zelger

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