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Innsbruck, deine (Gast)häuser … das Breinössl

Für mich eine der schönsten Fassaden der Maria-Theresien-Strasse, die das wohl sehr bekannte ehemalige Gasthaus und Hotel Breinössl ziert. Dieses Gebäude, das 1908 im Besitz des damaligen „Bürgerlichen Bräugasthauses gekommen war, und von Anton Dietrich völlig umgestaltet wurde und dabei eine ziemlich frei komponierte Fassade im damals so präsenten Heimatstil bekam, hat schon vieles gesehen in Innsbrucks wohl beliebtester Straße.Es ist ein stattliches Gebäude, das dann auch als Veranstaltungsort volkstümlicher Art gedient hat. So hat es dort auch die legendäre „Breinösslbühne“ gegeben, auf deren Bretten viele Volksstücke das Licht der Theaterscheinwerfer erblickt haben mochten, nicht zuletzt auch Felix Mitterers erstes Theaterstück Kein Platz für Idioten das Licht der Theaterwelt erblickten

Das Theater gibt es schon länger nicht mehr, die schöne Stube vom Innsbrucker Architekten Franz Baumann wahrscheinlich auch nicht mehr. Das Hotel wurde dann nach dem Krieg erneut vom Architekten Otto Mayer umgebaut. Damals führte noch die bekannte Tiroler Volksschauspielerin Ilse Exl das Theater, die legendäre Breinösslbühne. Paul Flora steuerte Bühnenbilder bei und so war dieser Ort bald mal ein Ort der Tiroler Volkskultur geworden. Das ist schon alles lange Geschichte.Nachdem das Wienerwald-Restaurant vor einigen Jahren auch seine Pforten in diesem Haus geschlossen hatte, schien für dieses der sprichwörtliche Dornröschenschlaf ausgebrochen zu sein. Es gab mehrere Pläne für das Haus. Nespresso wollte mal einen Shop darin eröffnen, daraus wurde dann doch nichts. Jetzt hat ein Bekleidungsgeschäft darin seine Pforten geöffnet. Was mit dem übrigen Haus passiert, scheint wohl noch nicht so recht klar zu sein.

Immerhin ist das Haus, dem vom berühmten österreichischen Architekturkritiker Friedrich Achleitner in seinem leider schon länger vergriffenen Standardwerk Die österreichische Architektur im 20. Jahrhundert „eine erstaunlich moderne, modifizierte Interpretation lokaler Architektur- oder baulicher Strukturelemente“ attestiert wurde, denkmalgeschützt.

Und auch einen Max Weiler findet man dort Er hat eine mit einem Mosaik verzierte Säule, an der wahrscheinlich schon viele achtlos vorübergegangen sind, gestaltet hat. Das war bereits 1956. 1996 wäre es diesem Kunstwerk beinahe an den sprichwörtlichen Kragen gegangen, und in letzter Minute konnte die Säule noch gerettet werden, wie man einem Artikel der TIROLER TAGESZEITUNG von 2011 entnehmen kann.

Wahrscheinlich hat das Hotel den heutigen Anforderungen eines Hotelbetriebes nicht mehr genügt und war daher nicht mehr gewinnbringend zu führen, trotzdem finde ich es schade, dass die alte Innsbrucker Gaststätte so sang- und klanglos aus dem Stadtbild verschwunden ist. Ich kann mich selbst noch an ein paar Partys in dem schönen großen Theatersaal erinnern, die dort noch vor einigen Jahren stattgefunden haben. Jetzt bleibt wohl nur mehr die schöne Fassade, die nicht nur durch die Gliederung der Fenster und Erker, sondern, wenn man genauer hinschaut, auch durch die raue Faserung des Putzes aus den anderen Fassaden der Maria-Theresien-Straße hervorsticht.

Helmut Schiestl

3 Comments

  1. Ich wäre ja für ein Gasthaus.

    Der Stiftskeller beweist, dass es möglich ist.  Ein "Tiroler Gasthaus"  -wenn es gut geführt wird, vor allem mit so viel Platz hätte auf jeden Fall Chancen.

    Es ist einfach schade, so eine Perle vor die Hunde gehen zu lassen.

  2. Ich kann mich noch daran erinnern, dass im alten breinössl Biergarten mit tollem Baumbestand ein riesiger wandgrill ständig gegrillte haxn produzierte und die Gäste dann (junge aktive Bergsteiger eine wirklich große Haxe, Touristen eine kleinere mit einer dicken Scheibe Bauernbrot) verzehren konnten
    Wie das geduftet hat!
    Und erst die riesigen Tabletts, mir welchen die Bedienungen durch die Gänge jonglierten
    Damals in den 60ern eine tolle Atmosphäre, die durch Wienerwald schon deutlich an Flair verloren hat
    Ich bin kein Gastronom, aber warum heutzutage ein solches Konzept in so
    Hervorragender Lage sich nicht mehr rechnen soll, erschließt sich mir nicht!
    Damals bei meinen Besuchen immer proppenvoll.
    Schade, dass sich da niemand rantraut, sollte doch mit dem richtigen Konzept und Events eigentlich heute noch ein Renner werden können, oder?
    Traut sich das Innsbrucks gastroniescene nicht mehr zu!?

    Mit freundlichen Grüßen

    Ein rheinländer

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