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Ein neues Tor für die Altstadt

Wenn man von der Maria-Theresien-Straße in die Altstadt geht, muss man seit einer Woche durch ein neues „Tor“ gehen, auf dem ein Kran steht. Dies ist eine Spezial-Konstruktion für den 8,5 Mio. Euro teuren Umbau des Swarovski Hauses, der bis August diesen Jahres dauern soll.

Weil es auch in der Altstadt am Vormittag Zulieferverkehr gibt, wäre ein normaler Kran nicht denkbar gewesen und wäre auch nicht genehmigt worden. Deshalb wurde diese spezielle Konstruktion gewählt, um den Umbau dennoch möglich zu machen. Da der Kran die Sicht auf das Goldene Dachl bzw. auf die Anna Säule verdeckt, soll er auf beiden Seiten mit Bildern des jeweiligen Wahrzeichens eingehüllt werden.

Die Konstruktion, die mit 40 Metern nur vom Stadtturm überragt wird, hat auch schon zwei KlettererInnen angezogen, die die schöne Aussicht für Fotos nutzen wollten. Infolge wurden Schilder mit der Aufschrift „Besteigen durch Unbefugte verboten“ auf allen Seiten angebracht.

Doch drängt sich bei so einem massive Eingriff in das Erscheinungsbild der Altstadt eine Frage auf: Wäre die Genehmigung eines solchen Krans auch möglich, wenn es nicht um Swarovski gehen würde?

http://tirol.orf.at/stories/496341/
http://tt.com/csp/cms/sites/tt/Nachrichten/2140807-6/story.csp


Elli Sporer

9 Comments

  1. Also ich finds eine ziemliche Verschandelung – während ein Normalo für jeden kleinen Umbau einen Behördenspießlauf auf sich nehmen müssen, können sichs die großen Viecher einfach richten …

  2. Also bei aller Liebe zur Paranoia, sollte zu Beginn doch eigentlich die Unschuldsvermutung gelten: Gibt es denn Anzeichen, dass diese Genehmigung nur erteilt wurde, weil der Antrag von Swarovski kommt? Oder wird hier einfach nur gebasht, weil das halt dazu gehört zum Dasein in der bösen, ungerechten Welt.

    Seriös fände ich, wenn Fragen nicht einfach gestellt werden, sondern beantwortet.

    Py

  3. Lieber Gast, ich glaube nicht, dass ich paranoid bin. Vor einigen Jahren wollten wir an unserem eigenen Haus einige kleinere Veränderungen vornehmen. Das Ergebnis nach etlichen Behördengängen und Monate andauerndem Papierkrieg: nichts wurde bewilligt, hätte angeblich das „Ortsbild beeinträchtigt“ … Hier wird immerhin das berühmteste historische Gebäude Innsbrucks auf Monate verstellt. Schon sehr unwahrscheinlich, dass eine gewöhnliche Anrainerin diese Bewilligung erhalten hätte …

    Ãœbrigens halte ich es schon für seriös, eine Frage zu stellen, ohne gleich die passende Antwort mitzuliefern … glaubst du im Ernst, die zuständigen Behörden würden auf Rückfrage zugeben, dass sie ein Auge (oder beide) zudrücken mussten?

  4. Es bleibt ein Kommentar ins Blaue hinein (was Kommentare ja sein dürfen) mit dem diffusen Unterton, dass die da oben (bzw. immer die anderen: die Reichen, die ÖBBler, die AusländerInnen, …) es sich richten können.

    Ich kenne Ihre persönlich Umbaustory nicht, und ja, ich kann mir eh vorstellen, dass manche Bewilligungen leichter bekommen als andere. Aber ich habe nicht als Kompass, dass letzteres ein Dauerzustand ist.

    Und zum verstellten GoldDach: Als InnsbruckerInnen haben wir es ja in ein paar Monaten wieder, und als TouristIn muss ich halt wieder kommen (während meines letzten Lissabon-Besuchs war die halbe Stadt eine Baustelle; so was soll außerhalb von Friedhöfen vorkommen)

  5. Lieber Gast77, vorkommen kann natürlich alles, wie diffus das Blaue auch sein mag. Kein Mensch behauptet hier einen Dauerzustand, den Sie auf Ihrem Kompass haben müssten. Wer es sich richten kann, gehört nicht zu den Gerechten, sondern zu den Mächtigen. Und für die gilt (wie Sie ja schreiben) immer noch die Unschuldsvermutung.

  6. Keine Zweifel: Innsbruck lebt in erster Linie vom Tourismus. Der Swarovski-Laden dient als großer Magnet und täglich tummeln sich massenhaft Touristen drin. Täglich wandeln sich dort Steine in Geld um und die Stadt profitiert von jedem Cent, der hier über die Theke wandert. Swarovski befriedigt das Bedürfnis der Kunden nach Funkelsteinen, Glitzer und Glamour. Die Nachfrage ist da, Swarovski erfolgreich und kann sich somit einen Umbau leisten. Die Stadt profitiert davon (allein schon durch Steuern), der Tourismus auch. Und schließlich verdienen viele Innsbrucker ihr Geld im Tourismus oder in tourismusnahen Betrieben.

  7. also ich war heute beruflich in der altstadt und hab mir die situation mit dem kran dann extra angeschaut. eine massive beeinträchigung des sightseeing-erlebnis ist er jedenfalls nicht. sobald man nach paar metern durch ist, hat man wieder die volle wunderbare sicht auf das altstadtensemble, das golddach und den platz davor inklusive silberfrau.

    okay, von der m-t-s sieht man kein funkeln mehr – aber das kommt ja in ein paar monaten wieder.

    und ob die genehmigung nun tatsächlich nur mit bestimmten namen zu bekommen war, bezweifle ich immer noch

  8. Wollen wir hoffen, dass diese Technik auch eingesetzt wird, wenn es um die Vermeidung von Hindernissen für FußgängerInnen und RadfahrerInnen geht – in anderen Städten sind solche Kräne schon lange im Einsatz.
    Zu den Mutmaßungen unten: In der Altstadt stehen doch dauernd irgendwelche Baukräne und Gerüste herum, ob nun BTV/M-Preis, Claudiana/Bundessozialamt, Eckhaus von der Ex-Volksbank beim Goldenen Dachl, nun Touri-Nippes… Bauen eh alle, warum der Swaro nicht?

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