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Der Inn ist so grün wie schon länger nicht mehr

Gestern war’s, ein wunderschöner Wintertag mit fahler Wintersonne. Dem Altstadtweihnachtsmarktspektakel gleich entronnen, wandelst du über den Innsteg hinüber in das noch wirklich urige – vielleicht auch altertümlichere – Innsbruck. Die Schokonikoläuse  sind schon gegessen oder fristen auf dem Wohnzimmerbücherbord bei lockeren 20° ein frühsommerliches bis  mediterranes  Dasein, während ihre teuflischen Widersacher alle wieder brav in die Hölle zurückgekehrt sind. So bleibt nur mehr die Stille zu genießen. Du liest von Freunde schützen-Haus und Bleiberechtsdemo, und raffst dich doch nur zu einem Kinobesuch auf. Ein sehr schöner Film, der dir die Welt wieder von einer anderen Seite zeigt, wenn nicht unbedingt einer schöneren oder gerechteren, so doch von einer, in der Menschen noch mehr Möglichkeiten haben – oder soll man schreiben: hätten? – sich zu entscheiden und ihren Lebensweg zu bestimmen. Sofia Coppola etwa entzaubert mit Leichtigkeit in ihrem letzten Film Somewhere die High-Society-Welt ihres  Scheins, und befreit sie von ihrem Glamour mit den Augen eines Kindes. Wieder zurück zum Inn, dessen Farbe jetzt so grün ist wie immer um diese Jahreszeit, und das monumentale Helden-Rondell so einsam und verlassen wie wahrscheinlich noch nie. Ein Unort vielleicht, ein Irgendwo, das noch seiner Bestimmung harrt. Das Blau des Himmels senkt sich zur Nacht, Mond und Jupiter leuchten uns den Weg. Auf nach Irgendwo!

 

Helmut Schiestl

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