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Bitte mehr Zusammenspiel!

Es geht nicht ums Geld. Sonst würde ich Coverversionen von Liedern, die mir nicht gefallen, zu denen die Leute aber offenbar gewohnt sind, auf Bällen und Hochzeiten zu tanzen, auf Bällen und Hochzeiten spielen. Worum es wirklich geht, das versuche ich jedesmal herauszufinden, wenn ich auf einer Bühne stehe und meine eigenen Lieder singe. Nicht immer vor vielen Menschen. Und manchmal steh ich nicht mal auf einer Bühne.

Ich hab in Wohnküchen gespielt, in feuchten Kellern, in gefliesten Gewölben, bei 39 Grad im Freien und im Luftschutzbunker mit dem Atem vorm Gesicht. Alles egal, solange mir jemand zuhört.

Im earlybird spiel ich diesen Samstag zum dritten Mal. Das Lokal hat sich in den eineinhalbjahren, die es nun geöffnet hat, zur wahrscheinlich interessantesten Musikbühne der Stadt entwickelt – und das, obwohl es gar keine Bühne hat. Oder vielleicht gerade deswegen. Auf den ersten Blick unterscheidet es sich für mich als Musiker gar nicht so sehr von anderen Auftrittsmöglichkeiten.

Natürlich merkt man schon wenn man reingeht, dass sich da jemand mit der Einrichtung Mühe gegeben hat. Aber auch hier geht’s nicht ums Geld. Der Besitzer kann keine großen Gagen zahlen. Geht allein schon wegen der Größe der Venue nicht. Und die PA, naja, könnte auch besser ausgestattet sein. Warum spiel ich also dort?

 Weil ich merk, dass es im earlybird nicht drum geht, dass ich möglichst viel Leute hinbring, die möglichst viel Bier trinken, damit für die Venue am Ende ein möglichst dickes Plus übrigbleibt. Weil dort mit viel Mühe ein Ort aufgebaut wird, an dem man Musik Platz einräumt, und wo man den Musikerinnen und Musikern respektvoll gegenübersteht. Weil sich diese Einstellung auf die Gäste überträgt und sie dort weder das Gefühl haben, sich fahrstuhlmäßig bedüdeln lassen zu können, noch einen saueren Nachgeschmack mit nach Hause nehmen, weil sie irgendwo waren, nur weil alle anderen auch dort waren. Sie können dort einfach gut zuhören. Der Unterschied ist: Es geht im earlybird um die Musik.

Weil es aber trotzdem immer auch ums Geld geht, und weil dort wirklich ein gutes Mischpult fehlt, mach ich folgendes: Ich spiel am Samstag dafür, dass im earlybird in Zukunft alle mit besserer Ausstattung Musik machen können. Und ich mach das nicht weil ich so gönnerhaft bin. Dem ganzen ist eine Diskussion vorausgegangen, ob man wirklich jedem Fördereuro mit aufwendigen Ansuchen und vor allem jedem Wirtschaftskammereuro durch verstecktes Keilen von e-mail Adressen und mit fragwürdiger Aussicht auf ganz tollen Preisen hinterherhecheln soll.

Mein Standpunkt war: Nein. Soll man nicht. Vielmehr sollte man die Sache selbst in die Hand nehmen. Meiner Meinung nach könnte sich in der Kulturszene der Stadt viel verändern, wenn die Leute endlich aufhörten, mit Neid abzumessen, wer wo wieviel gefördert wurde und warum ich nicht. Jede Förderung ist sauer verdient. Vor allem bei kleinen geförderten Projekten übersteigt der Aufwand an Subventionen zu kommen meist das, was am Ende rauskommt.

Die Energie sollte man manchmal besser gleich in die Umsetzung stecken. Durch Zusammenspiel mit anderen entsteht oft ein viel größerer und bleibenderer Wert. Und wenn man es dem Publikum auch noch richtig präsentiert, sind sie durchaus bereit für diesen Wert, Kulturleistungen im allgemeinen – und im speziellen Fall für Musik – Geld auszugeben. Und sie werden sich sogar gut dabei fühlen. Soweit die Theorie.

Nun steh ich an, das in der Praxis zu beweisen. Ich geb ein Konzert im earlybird. Samstag, 19. Oktober, so ab halb 9. Für ein neues Mischpult. Da haben alle was davon. Musikerinnen, Lokalbesitzer, Publikum. Und natürlich will ich ein strahlendes Beispiel dafür sein, dass es funktioniert wenn man sagt: „He, ich kann was (Musik machen) und ich will einen Ort, den ich gut finde (earlybird), noch besser machen.“ Altruistische Utopie? Glaub ich nicht. Eher vernünftige Zusammenarbeit in Hinblick auf eine Postwachstumsgesellschaft. Aber das führt jetzt zu weit. Ich glaub einfach, dass wenn ich zum vierten mal im earlybird spiel, ich vom Flo danach einen Mitschnitt vom Konzert bekomm. Weil das mit dem neuen Mischpult geht. Und den wiederum bekommen dann alle, die mir zuhören.

Jedenfalls wird das Konzert für eine neue Mischmaschine stattfinden. Wer mich noch nicht kennt kann sich unter Wo ist Kamil? informieren, oder mir einfach glauben, wenn ich jetzt sag: Kommt ruhig, das gefällt euch schon. Es wird auch weiterhin Konzerte im earlybird geben. Und das beinahe täglich. Aber in Zukunft mit einem Stück besserer Ausstattung, das allen was bringt. Nicht zuletzt euch. Kommt hin und ihr werdet’s hören.

Kamil Szlachta

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