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Die Oma im Supermarkt

Es gibt da eine kleine Geschichte, die uns von wenigen, aber unterschiedlichen Quellen zugetragen  wurde. Kommt sie euch bekannt vor? Wir erzaehlen sie in der gängigsten und ansprechendsten Form.

 

„Eines Tages im Supermarkt. Da war mal eine ältere Dame, die nicht nur die Angestellten sondern auch mich gebeten hat, ihr beim Einkaufen zu helfen. Ein bisschen was von oben herunter holen, ein bisschen dort hin laufen und gucken, ob‘s nicht dies und das gibt…usw. Jedenfalls wurde ich ziemlich auf Trab gehalten.

Vor dem Supermarkt hat sie mich dann gebeten, ihr doch bitte beim Heimtragen der Einkäufe zu helfen. Die Dame wohnte dann natuerlich nicht im Parterre, sondern ganz oben. Endlich schnaufend angekommen, hat sie mich im Wohnzimmer kurz warten lassen. Dann ist sie wieder gekommen und hat umständlich in ihrer Geldtasche etwas herausgekramt. Es waren 10 Cent.“
 
 Aber jetzt kommt‘s! Diese Geschichte mag beim ein oder anderen Fall erfunden oder des Spasses wegen weitererzählt worden sein. Tatsache ist: sie ist einer Person, die wir ausfindig gemacht haben, passiert. Aber mit ganz erheblichen Unterschieden. Ob diese Person die Geschichte in Umlauf gebracht hat, ist vielleicht wichtig aber nicht ausschlaggebend.
Interessanter ist jedenfalls, wie sie sich moeglicherweise durch verschiedenste Erzaehlsituationen (knalligere Pointe, um‘s interessanter zu machen etc.) verselbständigt und verändert hat. Wir möchten hier die Chance ergreifen und die uns zugesandten Zeilen zeigen. Auch nicht uninteressant. Hier also die wahre Geschichte:
 

“Also, ich wollte gerade Richtung Supermarkt ueber den Zebrastreifen gehn, da quatscht mich die alte Omi mit Hundeblick an und fragt, ob ich ihr ueber die Strasse helfen kann. Ich bin ja kein Unmensch und die alte Dame hatte sich eh schon untergehakt. Die Ampel war schon nach einem Drittel des Weges wieder rot, aber hilft ja nix, da muss man durch… Dann im Supermarkt hab ich sie wieder getroffen und – man ist ja kein Unmensch –  hört sich ein bisschen Geschwafel an und holt natuerlich den Kaffee den sie so dringend braucht. Und jemand anders holt das Mehl und die Butter.

 Das Beste ist aber, sie hatte die Supermarkt-Leitung so lange bequatscht, bis sie ihren eigenen kleinen Pause-Hocker – weil man ist ja kein Unmensch und die Omi muss eben mal kurz sitzen weil sie ja so schwer gehen kann – organisiert. Aber eigentlich ist die Omi gar nicht so nett, weil am Rückweg treffe ich sie wieder vor ihrer Haustür und sie quatscht wieder wild drauf los und erzaehlt mir, wie sie ihre Mieterin terrorisiert – die hatte doch echt Internet installieren lassen und ein Loch in die Wand gebohrt. Das musste natuerlich sofort rückgaengig gemacht werden, das Loch und die Installation) und ganz generell gegen Ausländer schimpft. 10 Cent gab‘s keine.“

Valeska Flor

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