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Warum Innsbruck eine Bildungsoffensive benötigt

Warum Innsbruck eine Bildungsoffensive benötigt und keine Wahlwerbung

An einem Vormittag erlebt in Innsbruck: Auf der hundewiese, 1/2 bis 1 m nach dem Eingang mit „Sackln fürs Gackl“ und Müllkübel liegt ein Hundehaufen. Auf dem Friedhof liegt (diesmal kein Kondom am Parkplatz, aber) eine Damenbinde beim Brunnen, im Friedhofsgelände selbst. Dort, wo man auch den Katzen Wasser hinstellt… Innsbrucker lassen niemanden aussteigen, sie stehen „brettelbroat“ vor der Tür und wollen hinein ins Gedränge.

Vorschläge für die Bildungsoffensive:

1. Nimm ein Sackl für das Hundegackl – ausdrücklich auch, wenn Du nichtmal gehen musst, um das sackl zu holen. Lasse Dich nicht irritieren: Du darfst auch zwei gratis-Sackln nehmen für grössere Haufen. Titelvorschlag: Hundescheisse auf der Hundewiese macht die Sackln ganz schön miese.

2. Wie man einen Müllkübel öffnet und Müll hineinschmeisst. Mitsamt wahrheitsgemäßen Hinweisen auf Fliegenschwarm und Geruchswolke, wobei die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier hier niedriger einzustufen wäre als die Gefahrenstufe herumliegender Plastikfetzerln und Papierln. Sehr positiv wirkt sich dieses „Deckel heben, Mullsack heben, Mullsack hineinwerfen, Deckel schliessen“ auf die Muskulatur des oberen Bewegungsapparates aus. Als Motto könnte man vorschlagen: Willst du schön sein in Tirol, trainiere stets mit Müll, jawohl!

3. Der mögliche Titel für diesen Bildungskampagnenteil spricht Bände: Busfahren wie die Profis. Heute: Helmi erklärt das Warten beim Einsteigen. Die Vorbereitung auf die Rettungsgasse auf der Autobahn, für Städter und Landbewohner wäre ein möglicher Vorschlag. Siehe die Illustration zum Beitrag, das hier notwendige Reissverschluss-System könnte allerdings Opfer fordern und eine eigene Lektion in der Bildungsoffensive provozieren.

Auf jeden Fall könnte der jugendgerechte Titel lauten: Stagediven mache man beim Konzerte, beim Busfahrn aber achte auf die Werte: Erst steigt aus wer will und kann, dann bin ich dran – aber erst dann. Zugegeben, eventuell benötigt dieser Abschnitt etwas mehr Sex. Aber man könnte mit Damenbinde als Bustür anzüglicher erscheinen, als mit nackter Haut.

4. Messer, Gabel, Schere, Glas, Licht, sind zum Aua machen nicht. Wieder mit einer hoffentlich leicht verständlichen Erklärung des Hintergrundgedankens auch für die lieben Mitmenschen: Mach nicht jedem Bauer, arges Aua Aua. 5. Wasche Hände und Ohren täglich und schmeiss nicht mit deinem WC-Papier, Damenbinden oder benutzten Kondomen herum. Motto könnte so ähnlich lauten wie: Kindergartenhygiene, auch für Erwachsene!

WOLFGANG EBNER

Redaktion

6 Comments

  1. Hast eh recht.
    Aber sei nicht so streng.
    Ich beobachte das Zusammenspiel der Menschen bei uns schon ein paar Jahrzehnte und stelle mit Genugtuung fest dass sich wenigstens bei den Hundstrümmerln sehr viel getan hat. Noch vor 20 Jahren wars üblich, die Hundstrümmerln einfach liegen zu lassen, wer reingstiegen ist hat sich geärgert, war aber selber Schuld. Die Hundehalter wären sich blöd vorgekommen die Scheisse eigenhändig in aller Öffentlichkeit wegzuräumen. Heute ghört sich das schon überhaupt nicht mehr. Dass sich nicht alle an die heutige Übereinkunft halten ist leider natürlich, Verbesserungsbedarf sicher vorhanden.

    Dass wir bei den Öffis jedesmal wieder zum Einstieg drängen, in der Hoffnung, dass eh niemand aussteigt ist ein Phänomen das auch vielen Menschen aus dem Ausland auffällt. Da sind wir eben mehr Süd- als Nordländer. Aber gib die Hoffnung nicht auf, vielleicht lernen wirs auch noch.

    Früher war natürlich alles besser, z.B. hats eine Zeit gegeben wo man sich nicht vorstellen hat können, dass mitten am Gehsteig, mitten unter den Leuten, jemand auf den Boden spuckt. – Heut geht das wieder.

    Ich beobachte da immer gerne unsere nördlichen und unsere südlichen Nachbarn und ziehe Vergleiche mit uns.
    Beispiel: Immer wieder passierts mir in D, dass ich beim Bäcker ohne böse Absicht geradewegs auf die Budel zusteuere, und ernte jedesmal grimmige Blicke und rüde Kommentare. Im Norden gilt: Schlange bilden, hinten anstellen und zwar (wichtig!) immer von rechts nach links! In Italien läuft das ab wie bei uns: Alle drängen sich irgendwie zur Budel, aber: die Italiener sind viel kommunikativer. Kaum stehen mehr als ein Mensch irgendwo beisammen wird ein bissl geplaudert, da ergibts sich dann auch, dass man jemanden den Vortritt lässt oder fragt ob nicht die andere schon vorher da war. Obwohl, das ist dort alles nicht so wichtig. Kaum ein Italiener lässt sich von solchen Kleinigkeiten den Tag verderben. Unvorstellbar in Italien, was ich in D oft erlebt habe: Beim Betreten des Büros in der Früh wird erst einmal den Kollegen brühwarm berichtet wie einem schon wieder ungebührlich der Vorrang genommen wurde, sei’s auf der Strasse, beim Bäcker oder sonst irgendwo ("… da krieg ich so’n Hals…").

    In Österreich hätten wir die Chance aus beiden Kulturbereichen die jeweils brauchbaren Sitten zu übernehmen. Für heute meine Empfehlung aus dem Süden: Ein bissl weniger den unkommunikativen tiroler Grantscherbn kultivieren und sich schon gar nicht den Alltag vermiesen lassen von kleinen Ärgernissen, die man zu Hauf aufspüren könnte, wenn man nur pingelig genug ist.
    Schönen Tag noch…

  2. lieber felix,

    ich wollte eigentlich perspektiven aufzeigen und mögliche lösungswege… außerdem finde ich kondome und binden am friedhof nahe vom grab meines bruders echt eklig, nicht nur weil ich nicht auf frauen steh. wenn ich dann dort das wasserküberl fürs wildlebende katzerl auswasch, möchte ich nicht mit hygienemüll konfrontiert werden.

    wieso du das mit guten alten zeiten vergleichen willst, keine ahnung. ich finde es gut, dass im vergleich zu den guten alten zeiten kondome verwendet werden… aber der grosse starke mann kann auch das wegwerfen erledigen. ich persönlich habe meine ausbildung zum streetfighter-dasein mit magisch-katholischer immunsystemstärkung, um wieder mit den innsbruckern leben zu können, auch in meinen jugendjahren hier nicht absolviert…

    und zu guter letzt ist nicht alles, was auch im kindergarten zu lernen wäre, ein auswuchs einer "tiroler grantscherben". ich bin zwar hier geboren, aber bin erst wieder seit knappen 2 jahren hier.

    so long, die antwort auf die "tiroler" grantscherben musste kommen, und vergiss nicht, ich emfpehle eine werbekampagne mit inhalten wie dich auch hinter den ohren zu waschen

    lg wolfi

    •  lieber Wolfi,

      das hab ich befürchtet.
      "früher war natürlich alles besser "
      war leider nicht deutlich als ironisch oder als Zitat gekennzeichnet. Gute alte Zeiten hab ich keine erwähnt, ich wüsst auch nicht welche da so gut waren. Ich hab dir ja eh recht gegeben, beim Zusammenleben von einem riesen Haufen Menschen gibts immer wieder ein paar unangenehme Ausreisser oder es machen sich sogenannte Unsitten breit worüber man sich ruhig auch einmal ärgern darf, wenns einen gerade besonders hart getroffen hat.

      Ich mein aber trotzdem, dass das Werkl erstaunlich gut eingespielt ist, fast alle Menschen meinens ziemlich gut miteinander und fast alle bemühen sich so einigermaßen, dass wir gut miteinander auskommen oder zumindest gut aneinander vorbeikommen. Und ich seh auch, dass uns das oft gar nicht mehr auffallt, sondern nur dann wenns irgendwo einmal knirscht. 
      Für mich ist es einfach nur interessant zu beobachten welche Gewohnheiten in anderen Gegenden daheim sind oder was bei uns ein paar Jahre toleriert wird und was dann wieder einmal ein NoGo werden kann, was aber zeigt dass unsere Gesellschaft durchaus lernfähig ist, ich hoff ja auch immer auf weitere Besserung auf bereits hohem Niveau.
      Der unkommunikative tiroler Grantscherbn war natürlich eine Verallgemeinerung, die offene und grundsätzlich freundliche Wesensart gehört aber nicht gerade zu den Attributen die ich den in dieser Gegend lebenden Menschen zuallererst zuschreiben möchte, und möchte mich da gar nicht ausnehmen.
      Was das Leben hier manchmal ein bissl schwierig macht, ist für mich am wenigsten die mangelnde Disziplin, ganz im Gegenteil – da sind wir uns wahrscheinlich einig, sondern eher die mäßige Toleranz allen Ausnahmeerscheinungen gegenüber.

  3. lieber felix,

    ein humoriger beigeschmack ist hoffentlich auch bei mir erahnbar.

    aber trotdzem:
    ja ich ekelte mich, ja ich ärgerte mich und nein kondome und damenbinden am friedhof, kämpfe am buseinstieg und so weietr und so fort fallen nicht unter toleranz, die die welt braucht.

    ebenso finde ich, dass innsbruck tatsächlich von allen städten, in denen ich bisher gelebt habe, fast am wenigsten lebensqualität bietet.
    das macht eine stadt mit toleranz gegen mull am gehsteig und zahrleiche rotlichtattraktionen, eine davon den friedhof als müllkübel verwendend, nicht unebdingt besser.

    in innsbruck sieht man kaum ein lächeln auf der straße, zumindest spätestens wenn man aus der eigenen wohngegend hinauskommt.
    auch das erlebte ich anders, woanders.
    dafür haben wir nicht jede woche schlägereien, usw.

    für sozialromantik sehe ich keinen anlass, und so manches wirklich grundlegendes haut nunmal einfach nicht hin.
    ganz ehrlich: unter anderem, dass du da antwortest und anscheinend versuchst zu "beruhigen"  ist an und für sich eher ein anlass zu meiner beunruhigung.

    mit optimismus allein und als für sich sprechendes argument für und gegen alles ist keine politik zu machen bei mir, i’m sorry

    lg wolfi

    • ja, heut bin ich Optimist,
      das ist aber kein Grund zur Beunruhigung.

      nein, kein weiteres Eingehen auf dein letztes posting, nicht weil ich keine Lust hätte, sondern weils auf dieser Seite keinen interessieren wird.

      ja, Innsbruck ist nicht die Stadt des Lächelns, viell. sollte man das noch in die Bildungsoffensive aufnehmen.

      • lieber felix,

        ok…

        selbstverständlich lernt man im kindergarten auch, ausgenommen innsbruck anscheinend, dass man grundsätzlich höflich und freundlich sein sollte.
        eine grossartige ergänzung für die bildungsoffensive für innsbruck, statt politischen werbeplakaten.

        ebenso natürlich das tägliche waschen des pipihendls, hinter den ohren, händewaschen vor dem essen, das danke sagen usw 🙂

        vielleicht haben wir uns meinungsgemäss doch noch getroffen in den wirren unserer diskussion, scheint ja fast so…

        lg
        wolfi

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