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Und wie können Sie sich diese Wohnung leisten?

Wer ist Ihr Arbeitgeber? Rauchen Sie? Woher kommen Sie? Ach Sie haben eine Katze? Dann können Sie die Wohnung eh nicht nehmen! Über Selbstvermarktung und andere Zumutungen bei einer „normalen“ Wohnungssuche in Innsbruck.

Vor vier Monaten startete unsere Wohngemeinschaft mit der Suche einer neuen Wohnung. Früh genug und mit viel Erfahrung, also bestens vorbereitet, betraten wir die Arena verführerischer Angebote und viel zu vieler Menschen, die den gleichen Traum hatten und haben: eine Wohnung in Innsbruck. Dass diese Angebote nicht immer ihre Versprechen hielten und wie viele Menschen wirklich auf der Suche sind, wurde uns erst allmählich bewusst.

Einem bereits veröffentlichtem Artikel auf provinnsbruck.at von Stefan Frischauf kann ich mich nur anschließen. Ein kurzer Blick in die Wohnungsbörsen (ÖH-Wohnungsbörse, immo.tt.com, flohmarkt.at und willhaben.at) verrät sofort die angespannte Wohnungsmarktsituation.

Gebetsmühlenartig wiederholt sich dieses Ritual der Wohnungssuche alle drei Jahre und so einiges hatten wir schon erlebt. Voller Vorfreude auf eine räumliche Veränderung und neue Gestaltungsmöglichkeiten, sagten wir etliche Besichtigungstermine zu. Zu sehen bekamen wir ein Haus mit Schimmelbefall am Fundament. Es soll in drei Jahren abgerissen werden, aber in der Zwischenzeit soll es noch was abwerfen.Ein weiteres war nicht isoliert, sodass die Stromheizkosten(!) monatlich ca. €400,- ausmachen und weil es auch etwas außerhalb war betrug der m²-Preis lediglich €16,-. Eine Wohnung in Wilten kam schlussendlich nicht in Frage, weil eine Hausverwaltung €3500,- Provision verlangte.

Selbstvermarktung bzw. warum das private politisch ist
Sobald eine Wohnung annähernd leistbar scheint (ca. €11,-/m²) und man sich mit diversen Nachteilen einer Wohnung anfreunden kann, beginnt die Phase der „positiven Selbstinszenierung“. Will man sich von bis zu 60 weiteren Interessent_innen abheben, ist es notwendig sich von der besten Seite zu zeigen. Manche potentielle Vermieter_innen kennen dabei keine Tabus.

Aus unseren Erfahrungen habe ich einen Idealtyp herausgearbeitet. Sucht eine_r eine Wohnung, dann kann es hilfreich sein, folgendem Typ möglichst nahe zu kommen: männlicher Tiroler mit einem (sicheren) Arbeitsplatz, freundlicher Nichtraucher, der Ordnungsliebend ist und kein Problem mit autoritären und hierarchischen Strukturen hat. Jede Abweichung kann die Chancen verschlechtern. Ein ganz schlechter Rat wäre irgendwelche persönlichen Informationen zurückzuhalten, denn das kann zu einem vorzeitigen Ende des „Bewerbungsgesprächs“ führen.

Wer diese Selbstentblößung durchhält ist gut beraten nicht zu viele Fragen über den Zustand der Wohnung oder über den/die Vermieter_in zu stellen, sonst wird man/frau sofort als problematischer und kritische_r Mieter_in entlarvt.

Verantwortung
Dass es sich um oben genannte Beispiele nicht um Ausnahmen handelt, dürfte jeder/jedem Suchenden der letzten Zeit bekannt sein. Ich denke viele grausige Geschichten könnten an dieser Stelle aufgezählt werden. Mit einem schmerzenden Schmunzeln erinnere mich an die Diskussion über eine Deckelung der Mietpreise von €7,- pro m² in der Sendung „Im Zentrum“ am 18.11.12. Es ist sehr schön und wichtig, dass Mietverhältnisse mediale Aufmerksamkeit bekommt und gleichzeitig denke ich mir, warum passiert das in Wien, aber dort wo ich lebe, in Innsbruck, und die Situation viel verschärfter ist, ist das Thema nach der Gemeinderatswahl 2012 wieder einmal etwas beiseite.

Auf Statistik Austria ist zu lesen: Von einem unzumutbaren Wohnungsaufwand wird gesprochen, wenn mehr als 25% des Haushaltseinkommens für Miete, Betriebskosten, Heizung und Energie (abzüglich Mietzinsbeihilfe) aufgebracht werden muss. Akute Armutsgefährdung ist das Ergebnis. (Quelle: Armutsgefährdung und Lebensbedingungen in Österreich (Bd.5 Studienreihe BMASK).

Klar, ich erwarte mir von der Stadtpolitik eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Problem. Daneben wäre es auf jeden Fall sinnvoll sich eine Art Online-Wohnungsdatenbank zu überlegen, die nicht das Ziel hat eine weitere Inseratenmöglichkeit für Eigentümer_innen/Vermieter_innen zu bieten, sondern über Zustand einer Wohnung, diverse Hacken und aktuelle Mietpreise zu informieren – eine Beurteilung beziehungsweise Kommentarmöglichkeit von und für Mieter. Vielleicht finden sich auf diesem Wege engagierte Menschen, die sich mit Datenschutz auskennen oder einfach so Interesse haben an einem solchen Projekt mitzuarbeiten.

Wir haben eine Wohnung gefunden
Seit kurzem haben wir eine heiß ersehnte Wohnung zu aktuellem Preis gefunden. Damit hat sich das Problem leider nicht gelöst. Spätestens in drei Jahren wartet der Markt und wird mich wieder zermürben.

Allen Suchenden möchte ich den Mieterschutz empfehlen, der hilfreich zur Seite steht, berät, Mietverträge überprüft, mit unliebsamen Vermieter_innen korrespondiert, den Mietzins überprüft und angemessene Rückforderungen erhebt.

 

Text: René Mühlbacher

8 Comments

  1. Als für unsere WG der Mietvertrag auslief, sollten wir die Gebühren zahlen, außerdem wurde gleich noch die Miete erhöht. Im zugesendeten Vertrag war dann von einer Wohnung im tiptoppen Zustand die Rede, alles wäre neu , Fenster und Türen im besten Zustand und andere Wachträume mehr …

     

    Wir haben dann erstmal nicht viel getan, keiner hatte Lust zu unterschreiben, bald kam dann die erste Mahnung, darin wurde mit Anwalt und Räumung gedroht. Nach einer längeren WG-Sitzung war eine Hälfte dafür zu unterschreiben, die andere wollte bei der Mietervereinigung nachfragen, wieder passierte wenig bis nichts, noch ein Brief, es wurde gedroht "unverzüglich", man kennt das ja.

     

    Schlussendlich haben wir jetzt fast seit zwei Jahren keinen Mietvertrag mehr – sicher: wir überweisen jeden Monat unsere (hohe) Miete und verhalten uns auch unauffällig. Meiner Meinung zeigt sich daran, dass man sich auch nicht alles gefallen lassen muss und nicht jeder Drohung nachgeben soll. 

     

    Zu den hohen Mieten noch ein Stichwort "Anlegerwohnungen" – und gleich eine Frage: Ist es okay, wenn Leute ihre Wohnungen über Jahre leerstehen lassen, während andere verzweifelt irgendeinen Unterschlupf suchen?

    • Wenn ihr nun schon seit zwei Jahren ohne Mietvertrag drinn seid, dann werden sie euch vor Ablauf der nächsten Frist ja nicht mehr hinausbekommen. Seid aber darauf gefasst, dass sie dann deutlichere Schritte setzen. Denn wenn die Vermieter da die Fristen verpassen, dann ist das Ganze in ein unbefristetes Mietverhältnis übergegangen, was dann sehr gut für euch wäre.

      Anlegerwohnungen sind ein Geschäft mit der Not der Menschen. Bei meiner letzten Wohnungssuche habe ich so eine verdammte Wut auf Anzeigen wie: Anlegerwohnung und Vorsorgewohnung bekommen, weil es offenbar Leute gibt, die nicht wissen wohin mit ihrem Geld, es so anlegen, dass sie noch einmal damit verdienen, während diejenigen, die verzweifelt nach einer Unterkunft suchen, genau deswegen sich nichts mehr leisten können.

       

       

  2. Die Situation ist in der Tat mehr als bescheiden.

    Ich hatte das Glück das ich in der ersten Wohnung einen wirklich guten Vermieter hatte (Imobilienmakler aber fair, freundlich und mit Handschlagqualität) und nach ein paar Jahren im gleichen Wohnhaus eine größere Wohnung mit Garten und Balkon freigeworden ist. Der Vemieter (junge Familie) wohnte mit im Haus und hat mir von sich aus  im Stiegenhaus angeboten, ob ich ab dem und dem Datum die Wohnung übernehmen möchte. 

    So ein Glück hat man selten.

    Habe die ganzen Jahre immermal im web etc den Markt in IBK angeschaut und kam zu dem Entschluss, das wenn ich übersiedle, dann gleich raus aus IBk und zB nach Götzens oder Axams, generell das Mittelgebirge und auch Kematen oder Zirl.
    Das ist die einzigste Alternative. Dort oben bieten meist Privatpersonen die Wohnungen, an, zumeist in kleinen 3-4-Familien Häusern direkt beim Vermieter im Haus.
    Die Mieten liegen sicher 100EUR unter dem Niveau in IBK.  Dem ist leider nicht so in den Orten der IBKer-Perepherie, wie zB Rum, Arzl oder auch Kranebitten.

    Manko ist natürlich, gerade für Studenten, die Anbindung an den ÖPNV. Ohne Auto bist in Natters, Mutters oder Grinzens doch sehr abhängig vom Busfahrplan.

    Und solange in den besten Innenstadtlagen oder in den schönen citynahen Altbauwohnungen (Pradl, Wilten) sich Rechtsanwaltskanzleien und Ordinationen breit machen, wird sich die Situation nicht ändern. Die gleichzeitig leer stehenden Büroflächen in den Stadrandlagen können aber nicht als Wohnungen umgewidmet werden. 🙁

     

  3. eine gut ausgestattete/neuwertige "wohnung" mit 40qm kostet in innsbruck gerne 170 000 € + , jetzt kann sich jeder selber ausrechnen, wieviele menschen wohnungen kaufen, wenn die mieten bei 7€ gedeckelt sind, übrigens steuern (zählt als einkommen, daher gerne 40% +, vater staat dankts) und wertminderung der ausstattung/abnutzung nicht vergessen. in den medien wird fest propaganda gemacht für immobilien als wertanlage. leute die ihr leben lang gespart haben, schmeißen das geld zum fenster hinaus, wo das hinführt hat man ja 2008 gesehen. dann gibt’s menschen wie den pilz mit 8k+ monatlich der auf betriebskostenniveau wohnt. hier gehört dringend reguliert, aber nicht bei den mietpreisen, sondern bei den rahmenbedingungen, die preise pendeln sich dann schon wieder selbst ein.

    • Wir sollten uns besser fragen, warum Eigentumswohnungen so teuer sind. Die Kosten für Wohnungen, Häuser und Baugrund hängen schließlich eng mit den in der jeweiligen Region erzielten Mieten zusammen. Wenn die Mietzinsbildung frei ist, dann darf man sich über so teure Wohnungen nicht wundern. Schließlich wandert das Kapital gerade in Krisenzeiten vorzugsweise in den Wohnungsmarkt. Stichwort: Vorsorgewohnungen. Um dieser Entwicklung einen Riegel vorzuschieben, müssen Mietpreise gedeckelt werden und die Befristung der Mietverträge abgeschafft werden. Eine Mietpreisdeckelung würde auch den Baugrund wieder erschwinglicher machen, sodass auch kommunaler Wohnbau wieder leistbar wäre. Das sind nicht irgendwelche Theorien, sondern die Erfahrungen aus dem Roten Wien der Zwischenkriegszeit. Wenn Vassilakou allerdings von einer Mietpreisdeckelung spricht, dann ist sie damit vage. Denn es wird nicht deutlich, ob diese 7€/qm für alle Wohnungen gelten sollen. Schließlich ist Altbau ja billiger. Da liegt der Richtwert in Wien bei knapp über 5€/qm, in Tirol bei 6,29€/qm. Das läge also unter den 7€/qm. Oder meint sie die Gesamtwohnkosten? Auch dann wären immerhin noch die Wohnungen, die nach dem Kategoriemietzins (3,25€/qm) vermietet sind deutlich darunter. Es ist klar, dass das Mietrecht gründlich reformiert gehört. Schließlich sind "Neubauwohnungen" nun mittlerweile bis zu 60 Jahre alt, da sich die Kriterien, was unter Neubau und was unter Altbau fällt, seit über 1982 nicht geändert hat. Es ist aber unbedingt notwendig, alle Wohnungen mit einer Mietpreisdeckelung zu erfassen, die für Altbau niedriger (da wäre die Höhe des Kategoriemietzinses eine angemessene Obergrenze), für Neubau höher ausfallen sollte. Was Innsbruck betrifft: Ich kenne die Situation hier (leider zu) gut. Ich habe diese Ochsentour mit der Wohnungssuche mehrmals durchgemacht, und es ist einfach unerträglich, wie mit der Not der Menschen, mit einen unbedingten Grundbedürfnis aller Menschen Profit gemacht wird. Die Politik sieht hier nicht nur zu, sondern sponsert das Ganze auch noch, da die Mietzinsbeihilfen eine Subvention für die privaten VermieterInnen und die Mieten erst recht in die Höhe treiben. Es ist ja schon kriminell, wenn auf der ÖH-Wohnungsbörs die Mieten mitunter dann unter Miteinberechnung der Mietzinsbeihilfe genannt werden. Hier werden die Wohnbauförderungsgelder, die noch nicht anderweitig zweckentfremdet verwendet wurden, noch einmal auf perfide Weise dazu verwendet, um Mietpreise zu subventionierten, die sich kein normaler Mensch mehr leisten kann.

       

      •  Außerdem ist nicht einzusehen, warum die MieterInnen außerdem die Umsatzsteuer für gewerbliche VermieterInnen noch zusätzlich zahlen müssen. Denn das ist nach derzeitigem Rechtsstand erlaubt und auch übliche Praxis. Ein zusätzliches Geschenk an die gewerblichen VermieterInnen.

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