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Tierschützer-Protest am Landhausplatz und immer wieder das Drama

Ich gehe nach Dienstschluss mit einem Arbeitskollegen über die Straße nach Hause. Wir scherzen noch vor meiner Haustüre und bemerken einige Polizeiwagen. Es werden mehr und mehr, als auch die Feuerwehr eintritt. Wir stellen uns direkt vor das Denkmal und ich beginne zu filmen. Zwei junge Beamte treten an uns heran und sagen, wir sollen den Platz verlassen, andernfalls würden sie uns mitnehmen.

 

Mein Kollege saß auf seinem Fahrrad und wir lehnten sein Angebot ab, da meinte der Jüngere etwas aggressiv, dass er sofort „auch einen Alkohol-Test machen könne…“ und ob ihm das gefalle – worauf hin dieser unmittelbar den Platz verließ. Nun stand ich da alleine, es war 06.32 Uhr und ich war eigentlich müde. Was soll ich um diese Zeit zu Hause tun? Ich zog erneut mein Handy aus der Tasche und begann einfach alles rund um mich zu filmen. Da kam ein mir vom Gesicht her bekannter Beamter in schnellem Schritt auf mich zu und mahnte mich sofort das Filmen zu unterlassen und ich solle mich schnellstens „schleichen“, sonst nehme auch er mich in Gewahrsam!

 

Es war kalt und meine Hände zitterten mit der Zigarette in der einen, dem Handy noch in der anderen Hand. Ich sagte ihm, dass ich erst von der Arbeit komme und nüchtern sei. Ich habe ein Recht auf dem ehemals Landhausplatz (heute Wallnöfer Platz) zu stehen und zu filmen. Mir sei es nicht gestattet Beamte zu filmen oder deren Arbeit zu behindern. Keines von beidem war der Fall, aber ich zog mich letztendlich doch zurück. Am Weg über die Straße in meine Wohnung traf ich einen mir gut bekannten Tierschützer. Es gab mal Berichte im 20er über den Mann und die vom Verfassungsschutz verordnete Wohnungsdurchsuchung, bei der herzlich wenig Rücksicht auf ihn und seine Familie genommen wurde…

Wir unterhielten uns nur flüchtig, wobei ich ihn unbedingt wissen lassen wollte, dass ich eh alles filme, vom Platz aber verwiesen wurde und nun vom zweiten  Stock meines Schlafzimmers aus weiter machen werde. Plötzlich begann er zu rennen. Noch ein oder zwei Gestalten waren zwischen den Autos am Straßenrand. Alle begannen sie zu laufen und er schrie nur: „Renn, der große Wagen kommt. Renn, renn, renn…“ Alle begannen zu laufen. Auf einmal fünf oder sechs Personen von allen Ecken der gegenüber liegenden Straßenseite vom Schauplatz unseres Stückes. Zwei zivile Wagen, vermutlich des BVT, bogen mit vollgas in die Wilhelm Greil Strasse. Noch weitere Streifenwagen kurven auf dem Landhausplatz. Ich lief schnell in den zweiten Stock.

 

06.42Uhr

Ich riss das Fenster in dem sonst dunklen Schlafzimmer auf. Schreie und brüllende Männerstimmen hallten über den ansonsten menschenleeren Platz. Eine skurrile Stimmung und ich begann sofort weiter zu filmen. Plötzlich sah ich hinter den kargen Bäumen der Jahreszeit und zwischen dem Monument einen Mann, wie er über den Asphalt gezogen wurde. Wieder ertönten Schreie und der eigentliche Grund für diesen Einsatz war ein in roter Jacke gekleideter junger Mann auf dem Dach des Denkmals. Nun standen circa 15 Beamte rund um das Denkmal. Feuerwehrleute scherzten schon mit Polizei-Beamten mit der Gestik eines wie von einem Haus herunterfallenden und auf dem Boden aufschlagenden Körper eines Menschen.

 

Mir wurde ein wenig übel und ich begann mich zu fragen, was geschehen würde, wie sich die Blätter verzogen, die noch zuvor lachenden Uniformen wohl fühlen würden, wenn dieser überzeugter seiner Sache nun wirklich vom Dach herunter fiel. Er würde wahrscheinlich mit einer ungeheuren Wucht auf den Boden aufschlagen und es herrsche Stille, zumindest für die ersten Sekunden. Danach würden doch nur wieder Schreie über den Platz fallen und die Blätter hoch in den Himmel treiben.

 

Schließlich griff das EKO Kobra ein, führte den Militanten zu Boden und hiefte ihn auf die Bank. Die Szene verzog sich, so wie nach und nach die Ein-Satz.-Kräfte!

 

Mit der Abwertung alles Etablierten korrespondiert nur ein seltsamer Stolz auf die eigene Unkenntnis. Die Opposition macht´s einem auch nicht leicht. Der Polizist, welcher mich zuerst verwies, war leider seiner Erklärung auch nicht fähig, da diese meist mit Sinn erfassendem Erkennen und Lösen einer Situation einhergeht.

Freund & Helfer. Am Dach. Ein Ãœberzeugter. Alles für den Tierschutz.

 

Jetzt ist es 07.02 Uhr. Montag.

 

Guten Morgen Innsbruck, guten Morgen Welt!

Nicolas Sattler

4 Comments

  1. Einfach nur lächerlich, was hier für Kaliber gegen (mutmaßlich) unbewaffnete Aktivisten aufgefahren werden. Hauptsache die Großkopfatn richten sich Recht und Unrecht, wie’s grad angenehm ist, Strafen sind für unsere Elite ja nur in den seltesten Fällen zu befürchten. Doch muckt der kleine Mann auf, würde unsere Regierung ihn wohl am Liebsten am Galgen sehen.

    Armes Innsbruck und armes korruptes Österreich, an Tagen wie diesen schäme ich mich, in der schönen Alpenrepublik zu wohnen.

     

     

  2. hier ein kurzes gedächtnisprotokoll, ich hab das gestern geschrieben, sobald ich heimkam.

    zum einen weil ich offenbar noch eine ladung zum verhör bekommen soll (warum auch immer)
    viel mehr aber, weil ich eine derart massive aggression noch nie erfahren hatte bisher (auch nicht bei meiner verhaftung am 21. mai 2008!)
    und ich bisher noch nie diese so starke empfindung hatte – die ernsthafte angst von hinten angeschossen zu werden!

    etwa 05.40. montag 08. oktober
    landhausplatz innbruck.
    (kurz nach dem – wie von mir beobachtet: sehr martialischen "abtransport" von martin balluch).
    – ich merkte dass der aktivist (grad wurde dessen räumung vom befreiungsdenkmal vorbereitet mit feuerwehr etc.)
    ein seil vom denkmal geworfen hatte. – wohl so dachte ich, um vielleicht zu verhindern, dass die polizei dieses beschlagnahmen würde.
    das seil wurde vom denkmal auf der landhausseite (nördl. denkmal) heruntergeworfen, etwa 3 meter vom denkmal weg)
    – weil diese seile teuer sind, und wohl einfach verhindert werden sollte, dass es uns wer (in diesem fall die polizei) wegnimmt.
    ich anwesenden beamten (polizei, etwa 7-10 leute) bemerkten. dass das seil heruntergeworfen wurde, und gingen zur "landungsstelle" nachschauen.
    bewegten sich dann gleich wieder weg, auf die andere seite (südl. vom denkmal, wo sie auch vorher standen, von jener seite wurde auch die räumung mit dem feuerwehrfahrzeug vorbereitet).
    – ich ging langsam zum seil, nahm es an mich und wollte wieder weitergehen.
    da bemerkte ich, dass mehrere polizisten auf mich zugingen. ich ging schneller, und die polizisten gingen auch schneller.
    da begann ich zu laufen, in richtung maria-theresienstrasse (immer noch am landhausplatz, in etwa auf der höhe des eingangs zum landhaus)
    ich sah dass mir ein polizist nachlief.
    ich lief weiter, hatte ich ja nich den eindruck, mir was zu schulden kommen zu lassen.
    da schrie der mir nachlaufende polizist, mit sich überschlagender und aggressiv verzerrter stimme: " halt sofort stehenbleiben, sofort stehenbleiben, halt!!!!"
    ich lief weiter, er lief mir weiter nach…..
    er brüllte:" sofort stehenbleiben, halt! WENN ICH DICH ERWISCHE….!!!!!!!! …wenn ich dich erwische…!!!!"

    ich war noch etwa 10 meter vom polizisten entfernt, wäre gerade in die kleine (dunkle!) gasse die den landhausplatz mit der theresienstrase verbindet gekommen.
    und blieb dann vor angst stehen. mit dem gedanken:
    "lieber bleibe ich hier am noch beleuchteten platz stehen, als wie dieser aggressive mensch folgt mir in diese dunkle gasse…wer weiß, was mir dieser mensch ohne zeug_Innen antun würde?"
    ich hätte dem beamten ernsthaft zugetraut, mich anzuschiessen – sein aggressives geschrei, die überschlagende stimme….die klare drohung: "wenn ich dich erwische…!"
    ich blieb stehen und warf das seil weg. (natürlich nicht richtung polizisten, sondern richtungseite landhaus) der polizst hinter mir schrie noch immer.
    "sofort hände hoch, sofort hinlegen – auf den bauch! aber schnell!"
    ich leistete vor angst folge und sah den beamten dann – nur noch im augenwinkel- auf mich zukommen…..

    ich sagte beruhigend:" bitte nicht treten, bitte nicht treten…." aufgrund der aggressiven art des beamten hatte ich ernsthaft angst, er würde auf mich eintreten.
    grob legte er mir dann handschellen am rücken an. mit verdrehten händen, sehr eng und schmerzhaft.
    dann hörte ich einen weiteren beamten, der offenbar gerade dazugekommen war.
    dieser frage seinen kollegen (den aggressiven) – offenbar fiel auch diesem zweiten polizisten auf, wie unverhältnismässig, aggressiv und grob ich hier festgenommen wurde auf:
    "was hat er denn getan, was war denn…was hat er denn getan???"
    worauf der (aggressive) beamte, immer noch ganz ausser sich – antwortete: "der hat sich vorher schon der anhaltung entzogen!"
    der aggressive polizist verschwand dann. – ich lag immer noch bauchwärts am boden, die hände verdreht am rücken gefesselt.

    – der zweite polizist sagte dann ruhig: "komm, ich helf ihnen auf!" – worauf ich antwortete:" ja, bitte!"
    der polizist half mir dann auf, ich fragte kniehend, ob ich aufstehen könne, was er bejahte. ich fragte ob er mir die handschellen nach vorne verlegen könne, was er auch bejahte.
    er machte mir eine seite auf und verschloss sie vorn wieder.
    ich bat dann mir auch die andere hand zu öffnen, damit ich meine hand "entdrehen" könne, weil ich schmerzen hätte. er meinte dann: " naja, angenehm soll das ja nicht sein"
    öffnete mir dann aber die handschelle auch auf der anderen hand und legte sie mir "nicht verdreht" wieder an.
    ein weiterer- älterer polizist der gerade kam sagte schroff:
    " hatt es dir in wien unten nicht gereicht!?"
    – worauf ich sagte: "natürlich, völlig, aber ich bin nach wie vor sicher, dass das richtige tue!"
    er fragte dann nach meinen personalien. und ich sagte, dass meine rechtsvertretung mir geraten hat, meine daten nicht zu nennen.
    er (der ältere) sage daraufhin, dass er mich eh kennt, weil ich ja der bekannte tierschützer sei, und er ohnehin draufkommen würde, und ich meinen namen sagen sollte. ich sagte ich dass keinesfalls kooperieren werde,
    er mich aber gern "googeln" könne….

    – währenddessen telefonierte der andere (nicht der aggressive, der war weggegangen) polizist – offenbar – mit seinem büro.
    "wie heisst den der tierschützer, der bekannte,mit den langen rastas… – von dem hängt doch ein foto im 30er büro (nummer vergessen, 30er büro, dreier raum oder so ähnlich)"
    als er merkte dass ich alles hören konnte, drehte er sich weg.
    ich wurde dann von dem älteren und dem jüngeren beamten auf eine der parkbänke neben (westlich) des befreiungsdenkmals eskortiert. setzte mich hin und
    die beamten fraget ob ich hier (auf der bank) warten würde, wenn die mir die handschellen abnehmen würden. ich fragte ob ich gehen dürfe, und der beamte nagte: " nein, sie sind immer noch festgenommen!"

    ich antwortete dann: "ehrlicherweise; nein, freiwillig bleib ich sicher nicht hier sitzen, lass die handschellen lieber dran…." der polizist schaute mich kopfschüttelnd an….
    – nach etwa 2-3- minuten war meine identität offenbar festegestelt und die handschellen wurden mir abgenommen. ich könne jetzt gehen, sagten die beamten, ich fragte ob ich noch etwas sitzen bleiben könne, was die beamten bejahten, und ich blieb auf der bank sitzen, bis die person vom denkmal geräumt war und in den gefangenenwagen gehoben wurde. als alle polizeiwagen und die feuerwehr abgefahren waren ging ich auch. ich ging dann zur polizeistation kaiserjägerstrasse um auf die verhafteten aktivist_Innen zu warten.

    chris moser, montag 08. oktober 2012, 15.00. 

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