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Stadtplanung statt Statt-Planung!

Innsbruck hat einige wunderschöne Plätze, Straßen und Häuser. Manche stammen aus dem Mittelalter, manche aus der Gegenwart. Manche dienen der Selbstdarstellung von Fürsten und Landeshauptmenschen (beispielsweise Schloß Ambras und das Bergisel-Museum, das sich auf seiner Website schlicht „Tirol Panorama“ nennt), manche dienen einfachen Bedürfnissen wie dem Wohnen. Die Selbstdarstellung dient wenigen, das Wohnen vielen. Aber Letzterem widmet sich die hiesige Politik kaum, das soll am Beispiel der Riedgasse gezeigt werden.

Diese enge Straße hat einen Gehsteig, der an manchen Stellen ausreicht für einen schmalen Kinderwagen. Rollstuhlfahrer(innen) sind hier unerwünscht, sie müssen die Straße benutzen, wenn sie sich irrtümlicherweise hierher verirren. Die Straße ist für Autos da und Fußgänger(innen) sollen zu Hause bleiben, dort stören sie den Verkehrsfluss nicht.

Okay, jede(r) Autofahrer(in) ist irgendwann und gezwungenermaßen ein Fußgänger(in), aber so genau nimmt es die Innsbrucker Stadtplanung nicht, sonst hätte sie die Gelegenheit benutzt und den Gehsteig verbreitert.

 

An dieser Stelle kommen zwei Menschen nicht aneinander vorbei, Eltern mit Zwillingen im Kinderwagen müssen auf die Straße ausweichen, auf denen ihnen möglicherweise ein Bus entgegenkommt.

 

Dabei hätte man die Gelegenheit nutzen und den Gehsteig verbreitern können. Stattdessen entsteht ein Wohnhaus, das den Nachbar(inne)n Licht und Sonne nimmt und einfache Fußgänger(innen) weiterhin auf die Straße verbannt.
Eine menschenfreundliche Stadt sieht anders aus.

 

Aber vielleicht handelt es sich um einen Sozialbau? Nicht ganz. Der Preis für die Wohnungen beträgt um die € 6.500,00.
Pro Quadratmeter, versteht sich. 100 m² Wohnfläche sind also schon um € 650.000,00 erhältlich.

Keine Überraschung, dass einfache Fußgänger in diesem Fall sich daher mit einem winzigen Gehsteig begnügen müssen. Schließlich bezahlen sie bloß Steuern für diese „Stadt-Planung“.
Eine menschenfreundliche Stadt für ihre Bewohnerinnen und Bewohner sieht anders aus.

 

 



Erich Ledersberger

4 Comments

  1. Schämen sollten sich die Leut die das planen und die DAS genehmigen.

    Kann man nicht vorschreibem dass  sich Neubauten zumindest grossteils an das Aussehen der umgebenden (alten) Baussubstanz halten sollen. So wird das zumindest in der Schweiz praktiziert.
    Dort ist es nicht möglich, die Villa Marke St Tropzen mitten ins Dorfzentrum zu setzen (zu finden in Tulfes). In der Schweiz muss der Neubau im Aussehen sich an das bestehende Dorf/Stadtbild angleichen.

    In Kematen wird beim Ruetz momentan eine weitere Wohnsiedlung (Blockgebäude mit Flachdach und grossen Fensterflächen Bauart Schulgebäude´70 er Jahre, sehr schiach). Die Zufahrtsstrasse bleibt leider die gleiche:

    30er Zone mit abgesenkten Gehsteigen, wobei wenn sich 2 PKWs treffen, so muss einer der beiden aám Gehsteig fahren. Die neuen Mieter, werden aufgrund des schlechten und nicht günstigen ÖPNV wohl noch mehr Verkehr erzeugen. Wahnsinn.

     

    • Ich (als Architektenkind) würde gerne die Leute die "sowas planen", also die Architekten, in Schutz nehmen. Es ist nämlich so, das hat mich die Erfahrung mit meinen Eltern gelehrt, dass Architekten herzlich wenig mitzureden haben beim Haus das sie planen. Klar, sie können Vorschläge machen, und versuchen, die "Kanten" (im übertragenen Sinn, zwecks "anecken" und so) ein bisschen abzurunden, aber schlussendlich trägt die Entscheidung über das Aussehen des zukünftigen Gebäudes der Auftraggeber. Wenn er ein Märchenschloss haben will, dann kriegt er das auch, und wenn nicht, dann sucht er sich den nächsten Architekten der ihm wortlos alles liefert was er will.

      Nein, die Schuld tragen meiner Meinung nach nicht jene, die sowas planen, sondern jene, die es bewilligen. Umsonst gibt es den Ortsbildschutz schließlich nicht. Aber ich glaube auch nicht, dass das wirklich das Problem ist, in der Riedgasse und Umgebung stehen noch einige andere Häuser, die nicht so wirklich ins Ortsbild passen wollen. Das mit dem Gehsteig ist allerdings eine komplett andere Geschichte, als ehemalige Riedgassenbewohnerin bilde ich mir ein den Standort zu erkennen, wenn mich nicht alles täuscht, steht das neue Prachtstück direkt hinter dem Abgang zur Bäckerbühelsgasse? Hier muss ich mich dem Autor anschließen, schmäler als auf dieser Teilstrecke der Riedgasse ist der Gehsteig nirgends. Schade, anscheinend ist die Sicherheit der in der Riedgasse beheimateten Leute (man lese: viele Familien mit Kindern) nicht ganz so wichtig…

  2. Wobei Hötting ja überhaupt ein ziemliches Desaster ist , was die Situation der Fußgänger/innen betrifft zumindest. Wenn ich etwa an die schmale Höttinger Gasse denke, wo zumindest am Anfangt, also gleich nach der Brücke, ja nicht mal zwei schmalleibige Menschen am Gehsteig aneinander vorbei können. Für mich noch immer ein Rätsel, dass man diesen schönen alten Stadtteil nicht mal in eine verkehrsberuhigte Zone umwandeln kann.

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