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Mahnwache vor C&A-Filiale in Innsbruck

AktivistInnen der Clean Clothes Kampagne fordern Gerechtigkeit für Opfer des Fabriksbrandes in Bangladesch.

 

Schon mehrmals wurden in Textilfabriken ArbeiterInnen zu Opfern der Flammen. Der Brand am 24. November 2012 in der Fabrik Tazreen Fashions Limited in Dhaka/Bangladesch forderte bisher 112 Tote. 50 Schwerverletze wurden in Kliniken eingeliefert. C&A hat bestätigt, dass zur Zeit des Feuers Ware aus der Tazreen Fabrik bezogen wurde. Der deutsche Discounter KIK und die spanischen Unternehmen Sfera und Hipercor, Subunternehmen von El Corte Inglés, gaben bekannt, bis letztes Jahr bei Tazreen produziert zu haben.

 

Die Clean Clothes Kampagne organisiert diese Woche Mahnwachen mit Kerzen vor den C&A Filialen in Österreich, Deutschland, Spanien, Belgien und den Niederlanden, um der Toten des Brandes zu gedenken. In Hong Kong, Indien und den USA gab es bereits Gedenkveranstaltungen. "Unsere Kleidung darf keine Menschenleben mehr kosten“, so Philip Hradecsni, Aktivist der Clean Clothes Kampagne (CCK).

 

Die CCK ruft C&A und andere Käufer der Tazreen Fashion Fabrik in Bangladesch auf, Entschädigungszahlungen an die Opfer des Brandes zu leisten, glaubwürdige Schritte zu unternehmen, um in Zukunft derartige Tragödien in dieser Branche zu verhindern und eine umfassende und transparente Untersuchung des Brandes aktiv zu unterstützen.

 

„C&A ist verantwortlich für die Opfer. Das Unternehmen muss Entschädigungen leisten, die den internationalen Standards entsprechen“, sagt Christine Esterbauer, Koordinatorin der Urgent Actions der CCK in Österreich.

 

Um zukünftig solche Feuer zu verhindern, fordert die CCK C&A und alle übrigen Käufer der Tazreen Fabrik auf, dem Abkommen über Brandschutz und Gebäudesicherheit beizutreten, das bereits vor dem Unglück von bangladeschischen und internationalen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen entworfen wurde. Das Abkommen umfasst unabhängige Inspektionen von Zulieferfabriken, öffentliche Berichterstattung, zwingende Reparaturen und Erneuerungen.

 

Das Sicherheitsprogramm sieht eine zentrale Rolle der ArbeiterInnen und Gewerkschaften bei der Aufsicht und der Implementierung vor. Unternehmen wie PvH (Tommy Hilfiger und Calvin Klein) und Tchibo haben das Abkommen bereits unterzeichnet. Dieses wird gültig sobald vier Unternehmen beitreten.

 

Aktion Innsbruck:
Donnerstag, 13.12, 17 Uhr
vor dem Sillpark 

 

Info unter www.facebook.com/events/100630380109080/

 

Foto und Text von Südwind

10 Comments

  1. Was hilft’s denn, wenn die Leute, die ihre Klamotten bei C&A oder noch schlimmer, bei Primark, kaufen, eine Mahnwache halten?

     

    Reinste Gewissensberuhigung und sonst nichts!

  2. Und das Ganze läuft dann bei facebook unter events! Mein Gott, ist das einfach nur dumm oder zynisch?

     

    Was denken sich die ArbeiterInnen in Bangladesch, die fast keine Flüssigkeit zu sich nehmen, damit sie sich die paar Minuten von der Arbeitszeit ersparen, die auf dem Toilettengang verloren gingen, wenn sie hören, dass wir in einem Einkaufszentrum ein nettes Sit-In machen, das vorher standes- und zeitgemäß auf facebook als EVENT angekündigt wird? Oder besser, was glauben wir, was sie fühlen sollen: Dankbarkeit ob unserer Solidarität, unseres Einsatzes für ihre Arbeitsbedingungen? Und am nächsten Tag stehen die gleichen Leute im H & M oder sonstwo und kaufen sich im Abverkauf ein T-Shirt oder weiß der Himmel was …

    •  ja eben ganz á la "“Oh, great altar of passive entertainment… Bestow upon me thy discordant images at such speed as to render linear thought impossible!” (Calvin)

  3.  meine fresse, seid ihr selbstgerecht. was macht denn ihr? und das die sache in fakebook als "event" angekündigt ist, hat eben damit zu tun, das es der englischsprachige begriff für veranstaltung ist. immerhin machen die leute auf diese schweinereien aufmerksam und bringen damit hoffentlich einige zum nach- und umdenken.

    • Erstens:  Ich finde nicht, dass es nötig ist, nur aufgrund einer Meinungsverschiedenheit auf perösnlicher Ebene so wertend zu werden! 

      Zweitens: Ich persönlich bin ja eigentlich auch überhaupt nicht dagegen, – im Gegenteil!

      Mir gefiel nur der "Gag" von Josph, dass Viele, die an solchen Aktionen teilnehmen, abseits davon aber nicht mehr weiter denken, sprich: zum Beispiel genau ihre Kleider etc. letzten Endes von genannten Produzenten erstehen. 

      Und Drittens wird das zum Beispiel u.a. genau und auch dadurch bestätigt, dass ich hier jetzt sogar "aktiv-ist-in" lesen musste/durfte: UND GENAU DAS IST DAS PROBLEM!!!

      Ganz, ganz viele dieser selbsternannten sogeannten u./od. Möchtegern-Aktivisten, sind eben NUR deshalb aktiv weil es IN ist..

      Genau das ist der Punkt!!!

      Etwas zu tun/machen, (nur) weil es ist IN ist, DAS IST LÄCHERLICH…

       

      …aber eben dennoch und leider alltäglich

  4.  persönlich wertend mags sein, aber ich finde es eben traurig, wenn aktivist_innen sofort abgewertet werden, auf den verdacht hin, alles sein nur "hype" oder "event". wahrscheinlich tragen wir alle auch kleidungsstücke aus sweatshops – einfach weil alternativen nicht gerade billig sind und bestimmte (winter)kleidung fast nur von solchen firmen angeboten wird. darf deshalb kein protest gemacht werden, sind alle, die sich an solchen aktionen beteiligen, naive und oberflächliche kinder?

     

    und außerdem finde ich es komisch, wenn ihr euch an wortspielen aufhängt. Ja, für mich ist es "in", aktiv zu sein – nicht im sinn von mode, sondern als lebenseinstellung. aber es ist bestimmt besser, wenn wir uns gegenseitig lächerlich machen und beleidigen und den mund halt. das verbessert die welt und am ende sitzen alle vor ihren pcs und haben die wahrheit für sich gepachtet.

  5. Erstmal: Sprache schafft die Welt – ansonsten wär das ganze Gender-Getue ja umsonst. Zweitens, und das ist der wichtigere und eigentlich relevante Punkt: Sprache schafft Möglichkeiten und Realität, was schon Bourdieu wusste – dort mal nachlesen, ist lesenswert!

     

    So, und jetzt ganz konkret: Ich mache überhaupt nichts mies, finde es aber trügerisch, ganz ohne selbst Konsequenzen zu ziehen und im gefahrlosen Raum "dagegen" zu sein – man schafft sich dadurch ein gutes Gewissen und verliert im Alltag dann, wirklich wichtige und sinnvolle Dinge zu tun (auch wenn sie nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind): In Bezug auf die Hörtnagl-Sache meine ich, dass es sinnvoller ist, Fleisch, Wurst und Lebensmittel überhaupt dort zu kaufen, wo man weiß, woher sie kommen – da passt die Qualität, das ist besser für unsere Gesundheit und das ist meistens auch besser für die Tiere/Natur. Das wiederum bedeutet, dass man sich nicht so oft Fleisch leisten kann, weil das an den Geldbeutel geht – und da ist die Krux verborgen: Sobald es an unser Geld geht, hört die "Solidarität"!

     

    Es geht nicht darum, alles perfekt und moralisch super zu machen – das geht eh nicht, aber manchmal wird’s zynisch und leider nur mehr oberflächlich und das ist meine Meinung zu der C & A-Aktion. Wichtiger fände ich es hier, gewisse Adressen zu meiden, bei denen es so offensichtlich ist, dass die Arbeits-/Umweltbedingungen sehr im Argen liegen und im Freundeskreis diese Problematik zu thematisieren. Ja, kann sein, dass man sich unbeliebt macht und man als moralinsaurer Zeigenosse gilt, aber wer das nicht in Kauf nimmt, braucht dann bei solchen Aktionen auch nicht mitmachen!

     

     

     

  6.  erst schreibst du "sprache schafft die welt" und dann vom "gender-getue". die welt ist schon auch ohne sprache da, aber benennungen und sprachliche handlungen strukturieren sie: getue ist gendern nicht, sondern ein ansprechen auch von nicht-männlichen.

     

    und was mich eben aufregt: dass so getan wird, als wäre diese aktion nur ein pseudoevent gewesen. du schreibst, dass der freundeskreis überzeugt werden soll. was spricht dann gegen eine aktion in der öffentlichkeit?? hauptsache es wird gemotzt, oder?

    • @ "und außerdem finde ich es komisch, wenn ihr euch an wortspielen aufhängt." … -> machst jetzt aber interessanterweise in deinem letzten posting selbiges, liebe/lieber aktiv-ist-in ;o)

  7. Für mich war es nicht mehr als ein Pseudoevent – tut mir leid, ich kann nicht sagen, dass ich die Aktion cool oder sinnvoll finde, wenn ich es emotional und rational nicht so wahrnehme. Wenn ich dich dadurch erzürne, dann tut mir das leid, aber ich werde deshalb nicht meine Meinung ändern.

    Zivilcourage und Teilnahme der Bevölkerung und des Individuums bei politischen, wirtschaftlichen und/oder sozialen Belangen finde ich auch sehr wichtig, aber ich denke, es gibt andere Wege, die sinnvoller sind. Z.B. finde ich die Aktionen der Tierschützer für sinnvoll, weil mir bei denen scheint, dass in ihren privaten Leben Ideal und Realität sich sehr nahe kommen. Es geht ja nicht darum – und da wiederhole ich mich jetzt -, perfekt zu sein, das gelingt niemandem, aber man sollte doch den Anspruch an sich haben, die Sachen, die man proklamiert, die man von anderen verlangt, die man bei anderen anklagt, auch bei sich so gut es eben geht umzusetzen.

     

    Und zum Gendern: Ich bin tatsächlich gegen das Gendern, weil es die Sprache versaut und weil damit meiner Meinung nach nichts gewonnen wird. Weder wurden/werden dadurch die Löhne angeglichen, noch schafft es das Bewusstsein dem Frausein gegenüber, das es braucht, und es haben sich auch die Berufsaussichten für Frauen deshalb nicht verbessert. Ja, ja, das mag jetzt ein Widerspruch zu dem formulierten Satz sein, dass Sprache die Welt schafft, aber ich habe die Verwendung der nur männlichen Form nie als Diskriminierung des Weiblichen verstanden. Hingegen verstehe ich die Formulierung "meine Fresse" als nicht gerade höflich – egal ob Frau oder Mann gegenüber.

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