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Bloggen für den Seelenfrieden # 2

Manchmal glaubt man, dass räumliche Distanz hilft. Und manchmal hat man damit sogar recht.

Besuch, zum Beispiel

Ob ich Besuch mag? Naja. Von Sven Regener, vielleicht. Den wollte ich immer schon mal zu Hause haben. Sicher, blöd schauen würde ich schon, aber das tue ich grundsätzlich, wenn jemand unangemeldet vor der Tür steht. Und den Herrn Regener kenne ich zumindest vom Hören-Lesen. Das verbindet doch irgendwie. Außerdem haben einseitige Bekanntschaften Vorteile. Glänzt das eigene Gegenüber durch Abwesenheit, glaubt man tatsächlich an dessen beste Seite. Einerseits, weil man wirklich so rein und so dumm bleibt wie weißes Papier und andererseits, weil man nicht so leicht Gefahr läuft, von fatalistischen Forderungen heimgesucht zu werden.

Erwachet!, zum Beispiel

Zugegeben. Wenn man in einem Dorf aufgewachsen ist, dessen urbanes Zentrum aus 12 Postkastln und einer Viehwaage besteht, lässt man sich schnell aus der Ruhe bringen. Wenn einem dann auch noch eingetrichtert wird, dass man die Haustüre immer absperren muss, obwohl man im Umkreis von 50 Quadratkilometern eh jede Feier als Familienfest begeht, tut man sich vielleicht noch ein bissl schwerer mit fremden Leuten. Und dass die dann auch noch die Unverfrorenheit besitzen, einfach so mir nix dir nix vorbeizukommen, um über Gott zu reden, verkompliziert einfach alles. Nicht, dass man mit ihm nicht auf du und du wäre, aber mit Anzugträgern? Da wiegen in mühevoller Kleinarbeit antrainierte Vorurteile a la „Krawatte = Autoritätsperson“ aber „Autoritätsperson ? Bibelforscher“ weil „Bibelforscher“ = „Kinderfänger“ dann doch zu schwer. Kommt sozialisationstechnisch dann auch noch erschwerend hinzu, dass 11 der 12 Postkastln Einladungen zum alljährlichen Landjugendball enthielten, während man selbst am energiefreien Tag der Roten Falken tanzte, rumpelts gewaltig.

In der Bauernkiste, zum Beispiel

Dass ich bis heute so meine Probleme mit der Bauernkiste habe, liegt aber auch am Broccoli. Den ich zwar als Gemüse sehr mag, der als Produzent aber mehr traumatische Kindheitserinnerungen zu verantworten hat, als alle heruntergebeteten Bauernregeln und Zeugen Jehovas zusammen. Mag sein, dass einst als pädagogisch wertvoll angesehener Märchentrash a la Tschitti Tschitti Bäng Bäng nicht alle so nachhaltig verfolgt wie mich, aber nur weil ich paranoid bin, muss das bekanntlich ja noch lange nicht heißen, dass sie mich nicht doch verfolgen. Mit Gratis-Umarmungen, zum Beispiel.

Isabella Krainer

2 Comments

  1.  mich kommt niemand besuchen, wo ich wohne, weiß keiner – und das ist auch so gewollt.


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