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Wir warten jetzt darauf, dass jemand das REJECTED vom REJECTED macht (Ein Interview mit Daniel Dlouhy)

Das diesjährige Filmfest rejected (21. bis 24. Juni @ Bäckerei), das bereits zum 4. Mal stattfindet, ist in vollem Gange und übertrifft sich ohne große Anstrengung wieder einmal selbst. Wir haben Daniel Dlouhy, einen der Festivalgründer, am Eröffnungstag zu einem Gespräch getroffen und ihn unter anderem gefragt, wie das möglich sein kann.
 
Über ein Festival, das über sich hinauswächst, seine Hintergründe, die außergewöhnlichen Filme, die gezeigt werden, die diesjährigen Specials und warum es ein rejected vom rejected geben sollte …
 
 
 
Daniel, du bist ja seit Anbeginn eines der Masterminds des rejected – eigentlich ja sogar der Erfinder. Das Film-Festival gibt es jetzt schon seit 4 Jahren, oder?
 
Ja genau, wir sind heuer im vierten Jahr. Erfunden habe ich es aber auf keinen Fall – die Idee ist verdammt alt, es hat in den 70er Jahren in Berlin schon ein rejected gegeben. Das hat sich nicht so genannt, aber da wurden Filme gezeigt, die von der Berlinale abgelehnt wurden. Wir sind zwar eigenständig, also ohne davon zu wissen, auf die Idee gekommen und waren total begeistert, dabei hat es das schon gegeben.
Gegründet habe ich das Festival zusammen mit Willy Theil, dann ist Joachim Leitner eingestiegen, der aber mittlerweile bei der TT arbeitet und deshalb nicht mehr dabei sein kann. Wir zwei haben das also gegründet und versucht, etwas auf die Beine zu stellen und das Fest mit der Zeit weiterzudenken. Dieses Jahr findet es zum zweiten Mal in der Bäckerei statt, diesmal ganze 4 Tage lang, was ein lustiger Zufall ist – 4 Jahre Rejectd, 4 Tage – mit jedem Jahr werden wir einen Tag länger.
 
Das dritte rejected ging 3 Tage lang, das vierte 4 – ist das so gedacht, dass wir nächstes Jahr 5 Tage lang das rejected genießen dürfen?
 
Eigentlich ist das wirklich nur ein lustiger Zufall, es hat ganz pragmatische Gründe, dass wir dieses Jahr verlängert haben. Da wir immer mehr Film-Einreichungen bekommen, brauchen wir einfach mehr Zeit, um mehr davon zeigen zu können. Wir haben dieses Jahr 300 Filme bekommen, und von denen dann auszuwählen ist einfach schwierig. Da weiß man von vornherein, dass 200 abgelehnt werden müssen.
 
Das rejected lehnt also ab?
 
Ja, wir lehnen ab, und das ist natürlich traurig. Das war nie so geplant, von der Grundidee her. Wir waren am Anfang froh, wenn wir 3 Filme bekommen haben, die wir zeigen konnten. Jetzt ist es soweit, dass wir darauf warten, dass jemand das rejected vom rejected macht – genug Material dafür hätten wir. Wir versuchen natürlich, jeden, der etwas einreicht, nett zu behandeln, wir versuchen, fair auszuwählen. Wir haben dafür ein System entwickelt: Da ich selber mir ja nicht 300 Filme ansehen kann, wähle ich aus einer Auswahl aus, die ich von den Mitarbeitern bekomme, und stelle daraus das Programm zusammen. Es klappt ganz gut so, wir versuchen, einen demokratischen Prozess zu machen und viele verschiedene Meinungen reinzuholen, es gefällt ja jedem etwas anderes.
Auch deshalb ist das Festival so spannend: Wenn du heute den ganzen Tag dabei bist, wirst du sicher sagen „Also ganz ehrlich, 50% davon sind scheiße“, aber dafür gefallen dir die anderen 50%. Und die würdest du sonst nirgends sehen, weder auf dem IFFI noch im Kino oder im Fernsehen. Bei uns werden wirklich Filme gezeigt, die du sonst nirgends sehen kannst, die laufen nur einmal, und zwar hier bei uns. Das ist das Spannende, das hat man auch z.B. beim Eröffnungsfilm beobachten können. Es sind Leute zu mir gekommen und haben gemeint „Wahnsinnsfilm!“ – sie verstehen wirklich nicht, wie man so einen Film bei einem anderen Festival ablehnen hat können. Andere kommen und sagen mir, dass sie das gut verstehen könnten, der Film hätte nach 20 Minuten einen Hänger. Es kommt immer darauf an. Es gibt Leute, die sich wirklich vom Film inspirieren haben lassen, die sagen, sie müssten unbedingt schauen, wo in Wien das Plakatieren verboten ist, wenn sie das nächste Mal da sind. Und genau das ist es: Die Themen sind das Wichtige. Und die kommen in der Plattform, die wir hier versuchen zu schaffen, wirklich zum Zug.
Es sind auch sehr schwierige Themen darunter, z.B. zeigen wir am Samstag Abend einen Dokumentarfilm über Vietnam. Es geht darin um ein Dorf, das früher legal Drogen angebaut hat für den Staat. 5000 Leute haben daran mitgearbeitet und sind natürlich alle selbst süchtig geworden. Und jetzt, da sich seit dem Kalten Krieg und der Auflösung der Sowjetunion viel verändert hat, ist der Drogenanbau verboten worden. Die 5000 Leute in dem Dorf sind aber immer noch abhängig und müssen sich ihre Drogen teuer irgendwo her beschaffen. Das ganze Dorf geht dadurch allmählich vor die Hunde. Zwei vietnamesische Filmemacher sind auf die Idee gekommen, genau daraus einen Film zu machen. Dieser Film ist noch nirgends außerhalb von Vietnam gezeigt worden. Und genau so etwas gibt es bei uns zu sehen.
 
Wie findest du denn solche außergewöhnlichen Filme?
 
Das läuft hauptsächlich über unsere Partner, aber auch über Privateinreichungen. Es gibt Leute, die uns ihre eigenen Filme schicken oder uns auf Filme aufmerksam machen, so nach dem Motto „Du, ich kenne da jemanden, der hat einen guten Film, schreib den doch mal an, vielleicht will er ihn zeigen“. Das machen wir über das ganze Jahr. Ganz viel funktioniert, wie gesagt, auch über die Festivals, die wir als Partner haben, z.B. das Internationale Filmfestival Innsbruck, das BuSho in Budapest, die die Idee auch cool finden, weil sie Filme ablehnen müssen, um die es eigentlich sehr schade ist. Da kommen wir zum Zug. So kommen dann 300 Filme auch leicht zusammen, dieses Jahr hatten wir 60 Einzeleinreichungen, der Rest kommt von den Partner-Festivals. Diese Festivals sind in ganz Europa verstreut, wir haben 8 wichtige Partner. Das wechselt auch immer, letztes Jahr war zum Beispiel die Diagonale dabei, dieses Jahr nicht. Dafür ist heuer das BuSho dazugekommen, oder das Innsbrucker Rec’n’Play Kurzfilm-Festival.
 
Hält sich denn ungefähr die Waage zwischen den Privateinreichungen von selbstständigen Filmemachern und den Filmen von den Festivals, die ihr dann zeigt?
 
Naja, es ist schon so, dass wir insgesamt mehr Filme zeigen, die von den Festivals kommen. Wie gesagt, von 300 Einreichungen kamen nur 60 von privaten Filmemachern. Ganz viele der Filme, die wir davon zeigen, sind eigentlich auch auf Youtube zu sehen, sicher 5 oder mehr. Aber die muss man da erst mal finden! Das ist dann unsere Aufgabe, oder wir kriegen Hinweise, dass wir dem oder dem Link folgen sollen. Diese Filme zeigen wir dann. Der Filmemacher kommt dann auch persönlich, kann über seinen Film reden, z.B. auch mit anderen Filmemachern – die Bäckerei ist als Plattform zum Treffen und Ideen-Austausch einfach perfekt.
 
Was sind die diesjährigen Specials am rejected? Ihr habt ja einiges Neues zu bieten.
 
Heuer neu dabei ist der Stummfilm-Vertonungswettbewerb, der am Freitag im Cinematograph stattfindet. 6 Bands und Musiker haben die Möglichkeit, einen Trailer live zu vertonen. Das ist übrigens auch deshalb eine spannende Geschichte, weil Trailer bis in die 60er, 70er Jahre in Europa lizenzfrei waren – sie wurden von den Filmvereinen nie gesichert. Das heißt, dass man sie im Prinzip überall herzeigen darf. Das macht aber keiner und interessieren tut es auch die Wenigsten. Wir haben aber 6 solcher Trailer ausgesucht. Einer davon ist der Trailer zum Film „The great train robbery“ – einer der ersten wirklichen narrativen Filme, der damals 10 Minuten gedauert hat und 1903, als er rauskam, ein Riesen-Aufreger war, weil der Hauptdarsteller am Schluss gegen die Leinwand schießt und die Zuschauer Angst hatten, weil sie nicht wussten, ob das jetzt vielleicht echt passiert. Das Medium Film war ja relativ neu in dieser Zeit.
Die verschiedenen Trailer werden also von den Musikern, die einen Monat Zeit hatten, um sich vorzubereiten, vertont, und das Ganze wird von einer Experten-Jury bewertet.
 
Was ist das Thema des diesjährigen 48-Stunden-Wettbewerbs?
 
Das wurde wie jedes Jahr am ersten Tag, also heuer am Donnerstag um 14 Uhr, bekannt gegeben. Es besteht eigentlich aus drei verschiedenen Medien: einem Soundfile, das nach Kuhglocken oder dem, was rausgehört wird, klingt, einem Bild, auf dem eine Ampel zu sehen ist, und einem Wort, nämlich „warten“. Das war die diesjährige Idee. Da gab es Leute, die sofort aufgesprungen sind und verkündet haben, dass sie eine Idee hätten, und sich sofort mit ihren Kameras auf den Weg gemacht haben, andere waren dabei, die das Thema „schon eher schwierig“ fanden – wir werden (am Samstag um 19 Uhr) sehen, was dabei herausgekommen ist. Wir haben heuer extrem viele Anmeldungen, wie viele mit ihrem Spontanfilm fertig werden, ist die Frage.
 
Euer Angebot ist sehr vielfältig, ihr bietet zum Beispiel verschiedene interessante Workshops, die sogar gratis sind.
 
Ein Problem dabei ist, dass alles, was gratis ist, teilweise leider nicht so ernst genommen wird. Das ist aber einfach so und eben der Preis, den man zahlen muss. Bei den Workshops ist es uns so gegangen, dass wir z.B. für den Drehbuch-Workshop 7 Anmeldungen hatten, dann aber nur 2 Leute wirklich gekommen sind. Das deprimiert natürlich kurzzeitig – wir hatten nämlich einen super Workshopleiter organisiert, Nicolas Dabelstein, ein wunderbarer Autor, der diesen 5-stündigen Kurs geleitet hat.
 
Unsere letzte Frage für heute: Warum ist euer Logo und Maskottchen eigentlich ein Frosch?
 
Das ist eine ziemlich depperte Frage, ich kann sie nämlich nicht wirklich beantworten. (grinst) Unsere Idee ist eigentlich nur, dass wir jedes Jahr grün sind. Das hat aber nichts mit der politischen Situation oder der Natur zu tun, das ist nur einfach unsere Farbe. Wir suchen uns dazu jedes Jahr ein anderes Symbol, letztes Jahr war es ja das Moos, wo auch viele Leute gefragt haben „Was soll denn die Wiese?“, und heuer ist es eben der Frosch geworden. Eigentlich ist die Idee schon letztes Jahr entstanden: Wir hatten zwei französische Gäste und irgendwann am Ende des Festivals haben wir darüber gesprochen, was denn das Logo für nächstes Jahr sein könnte, und ich habe dann gemeint, ja, wir könnten ja einen grünen Frosch nehmen, weil eben diese zwei Franzosen dabei waren, und Franzosen ja bekannterweise gerne Froschschenkel essen – die Idee entstand also aus einem blöden Witz. Irgendwann in der Vorbereitung zum heurigen rejected ist der Grafiker zu mir gekommen und hat gefragt, was ich mir so vorstelle, und weil mir nichts eingefallen ist, hab ich zu ihm gesagt, er soll irgendetwas nehmen, und er hat gemeint „Ja, dann nehmen wir doch den Frosch!“ So ist daraus unser diesjähriges Logo geworden. Ich könnte dir natürlich auch etwas Intelligenteres erzählen, wenn ich kurz darüber nachdenke, aber ich spare mir das jetzt einfach und bin ehrlich.
 
Vielen Dank, Daniel, für das spannende Gespräch.
 
 
 

Von Anja Larch und Barbara Zelger 

Anja Larch

2 Comments

  1. Das rejected ist ein gut organisiertes und wichtiges Begegnungsfestival und es würde mich nicht wundern, wenn daraus noch bekannte Filmschaffende hervorgehen – Gratulation an die Veranstalter und Bäckerei: good place to be!

  2. Ja, ein gutes Interview zu einem spannenden Festival, das ich erhlich gesagt, erst heuer zum ersten Mal richtig mitbekommen habe. Zum Logo hätte ich auch noch eine Erklärung: Der Frosch steht für den Froschkönig aus dem gleichnamigen Märchen. Bekanntlich entpuppt sich daraus ja auch bei richtigem Wurf ein Prinz. So wie sich vielleicht eben auch aus dem einen oder anderem beim rejected-festival gezeigten Film noch als ein sehenswertes kleines Meisterwerk herausstellen kann.

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