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Swing tanzen – ein globaler Trend erreicht Innsbruck!

Lindy Hop, Balboa, Charleston, Collegiate Shag – was verbirgt sich hinter diesen scheinbar willkürlich zusammen gewürfelten Begriffen? Alle haben zumindest zwei Elemente gemeinsam: Sie haben mit Swing und mit Partner-Tanz zu tun.

Swing, das ist die populärste Richtung des Jazz der 1920er–1950er Jahre und die verschiedenen Partner-Tänze, die zu dieser Zeit in unterschiedlichen Städten der USA entstanden sind und zu Swing-Musik getanzt wurden tragen jene eigenartigen Namen: Lindy Hop, Balboa, Charleston und Collegiate Shag.

Neben dem Charleston, der auch als Solo-Tanz berühmt wurde, ist Lindy Hop der wahrscheinlich bekannteste Swing-Tanz. Er entstand um 1927 in den Tanzclubs von Harlem, New York und wurde die ersten Jahre vor allem von Afroamerikanern getanzt. Es gibt eine Legende zum Namen des Lindy Hop: Ein begabter Tänzer wird während des Tanzens gefragt, was er da tue. Da soeben Charles Lindbergh der erste Flug über den Atlantik gelungen war, worüber die Zeitungen mit der Schlagzeile „Lindy hops the Atlantik“ berichteten, antwortet er: „I am doing the Lindy Hop“. Später verbreitete sich der Tanz in ganz USA und wurde unter anderem als Jitterbug bekannt.

Nach Europa kam er mit den hier stationierten amerikanischen Soldaten während und nach dem zweiten Weltkrieg, wo er sich im Laufe der 50er zum Jive, Boogie Woogie und Rock ‘n Roll entwickelte. Bald wurde Lindy Hop von diesen verdrängt und geriet auch in den Vereinigten Staaten in Vergessenheit. Erst in den 1980er Jahren, besonders aber seit Ende der 1990er Jahre erfreuen sich die Swing-Tänze wieder zunehmender Popularität auf der ganzen Welt. Von Lateinamerika bis Japan, von Australien bis Israel wird gehoppt, geshaggt, das Charleston-Bein geschwungen. Auch in den Großstädten Europas ist Swing nicht mehr wegzudenken. Dabei wird auf Parties im Stil der 30er und 40er Jahre – inklusive entsprechenden Outfits –, bei Workshops und internationalen Tanz-Camps geübt und Neues erlernt und die unterschiedlichen Stile der Swing-Tänze werden weiter gegeben.

Wohl dank seiner afroamerikanischen Wurzeln wirkt Lindy Hop im Vergleich zu anderen Paar-Tänzen, die im Rahmen der Standardtänze unterrichtet werden, lässig, bodenständig und verspielt. Die Verbindung und der Austausch mit der/m Partner/in stehen im Vordergrund, Improvisation und Musikalität sind zentrale Elemente. So sind ernste Gesichter auf dem Swing-Dancefloor eine Seltenheit: Hier sieht man Menschen, die sich von den Rhythmen des Swing mitreißen lassen und dabei irrsinnig Spaß haben – und mitunter in herzhaftes Lachen ausbrechen! Die Art, wie Lindy Hop und die anderen Swing-Tänze heute unterrichtet werden, gibt keine auswendig gelernten Schrittfolgen oder Choreographien vor, die abgespult werden. Beherrscht man die verschiedenen Grundschrittmodule der einzelnen Tänze, kann man nach Herzenslust drauflos improvisieren, stilistisch ausschmücken und sogar in einem Lied von einem Tanz in den anderen wechseln. Beim „social dance“ gibt die Person, die führt („Leader“) spontan vor, was getanzt wird, während die Person, die folgt („Follower“), darauf reagiert und mitunter Impulse zur Improvisation gibt.

Seit rund drei Jahren wird Swing auch in Innsbruck getanzt. Die erste Initiative ergriff Monika Ploner, die jahrelang in Los Angeles gelebt und dort zum Teil noch von den „alten Hasen“ der Swing-Ära gelernt hat. Zurück in Innsbruck hielt sie die gähnende Swing-Leere nicht lange aus und bot einen Anfängerkurs an der VHS an. Damit konnte sie den ersten Schritt zum Aufbau einer Swing-Tanz-Szene machen. Seit etwa zwei Jahren hat sie tatkräftige Unterstützung von Greta Günther, die in Hamburg Lindy Hop und die anderen Tänze kennen und lieben gelernt hat und ebenfalls mit großem Engagement versucht, ihre Kenntnisse und die Leidenschaft des Tanzes weiterzugeben. Beide fahren gemeinsam mit den anderen Innsbrucker Swing-Begeisterten regelmäßig nach München, Wien und in andere Städte um sich dort bei Workshops neues tänzerisches Input zu holen und es den Innsbruckern weiterzugeben.

Seit März 2012 trifft sich die kleine Innsbrucker Szene regelmäßig sonntags im Treibhaus zum Five ‘O Clock Jump. Hier wird Interessierten jeweils in der ersten halben Stunde die Möglichkeit geboten, in einem Crash-Kurs die Grundlagen von Lindy Hop und Charleston zu erlernen und diese hinterher bei den Klängen der Musik der 1920er bis 1950er Jahre auszuprobieren. Von Duke Ellington und Ella Fitzgerald bis hin zu den groovigen Beats des in den späten 40ern entstandenen Jump Blues und den Anfängen des Rock ‘n Roll kommt hier alles auf den Plattenteller – frei nach dem Motto „it don’t mean a thing, if it ain’t got that Swing“!
 

Foto von www.madaboutswing.co.uk/swing.php, Text von Greta Günther

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