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Interview mit JC, Teil 1

Von einer anonymen Quelle wurde mir unlängst folgendes Interview der Boulevardzeitschrift "Täglich Neu" zugespielt. Ach wie passend knapp vor der großen Geburtstagsfeier. Sehen wirs uns mal an:

„Täglich Neu“ ist glücklich. Jesus C., den meisten unserer LeserInnen bekannt, gab uns vor kurzem ein langes Interview. Ein seltenes Glück, ihn direkt sprechen zu können. „Täglich Neu“ bringt das Interview in mehreren Folgen. Einzige und von J.C. authorisierte redaktionelle Änderung: die Zusammenfassung in Schwerpunkte.
 
Red: „Du bist seit langem wiedereinmal persönlich zu sprechen. Warum diese Zurückhaltung“?
 
J.C: „Da müßt ihr schon unterscheiden. Persönlich bin ich eigentlich immer zu sprechen. Es stimmt: mit Interviews halte ich mich sehr zurück. Was zu sagen war habe ich eigentlich schon gesagt. Beispiel Bergpredigt. Damals.
Die Botschaft bleibt ja ewig die gleiche. Wozu also noch Interviews“?
 
Red: „Und wie lebt es sich so, aus unserer Sicht in zwei Welten? Stichwort immer und überall“?
 
J.C: „Ich weiß, das ist das Highlight für eure Leser. Wie ist es da drüben?
Ich tu mir da wahnsinnig schwer, Worte zu finden. Nicht die Realität, die Beschreibung, die Worte sind das Problem. Daß es „ganz anders“ ist wißt ihr ja von jenen, die schon an der Grenze waren oder kurz davor sind. Zu dem „ganz anders“ gehört ganz vorrangig was man Freiheit nennt. Das neue Leben ist ein absolut freies Leben. Frei von den Einengungen von Raum und Zeit.
Von materiellen Dingen, Zwängen. Krankheit, Armut, Leid – das kennen wir natürlich noch. Von früher. Weil wir dieses Wissen natürlich mitnehmen“.
 
Red: „Freiheit also, nicht Frieden, den wir den Weggehenden wünschen?
Liegen wir da falsch mit dem Frieden, der ewigen Ruhe“?
 
J.C: „Mit dem Frieden sicher nicht, aber mit der Vorstellung einer ewigen Ruhe! Mit eurer Vorstellung. Die geht viel zu sehr von den Gräbern aus, viel zu wenig vom Leben danach. Wir kennen diese Unterscheidungen nicht mehr.
Als Mensch in diesem Leben braucht man sie wahrscheinlich“.
 
Red: „Wenn du zurückblickst. Nehmen wir die Zeit nach deinem sagen wir
„irdischen Leben“. Wie siehst du die Entwicklung seither“?
 
J.C: „Da könnten wir wirklich ewig darüber reden. Aber ich weiß – ihr müßt auf die Zahl der Zeichen achten. Mit Leerzeichen oder ohne“?
 
Red: „Mit. Aber bitte“!
 
J.C: „Für euch müßte es schon etwas deprimierend sein. Wenn ich nur an die letzten zweitausend Jahre denke – viel hat sich da nicht geändert. Ich bin als Jude geboren und habe das Testament natürlich mitbekommen. Einschließlich der Geschichten um die Gier und Habsucht, den Egoismus. Alles. Und da hat sich nichts geändert. Nur als ein Beispiel. Das Wissen um die Blödheit von Gier, Neid und Habsucht müßte ja seit dem Tanz ums Goldene Kalb intus sein. Aber nichts! Was mir sehr positiv auffällt: die Menschenrechte. Vielleicht tut sich da was. Viel mehr ist für euch aber nicht drin. Bisher“.
 
Red: „Bevor wir auf dein Bemühen um die Bildung einer Gemeinschaft eingehen. Nochmals zurück zum Leben da drüben, wie wir sagen. Du meinst, wir hätten da problematische Vorstellungen. Wie war das damals bei dir, zu deiner Zeit“?
 
J.C: „ Unsere Sprache war anders. Aber die Leute hatten genau dieselben
Probleme und Vorstellungen. Sie haben etwa versucht, Gott zu beschreiben. Und dann das Leben mit ihm – nach dem eigenen Tod. Gott kannst du nicht beschreiben. Jedenfalls nicht mit den Worten der Welt. Vergesst das endlich. Ich weiß, wovon ich rede. Wir lachen oft! Damals, über „Gott ist tot“. Wie hat er doch gelacht! Das einzige, das echt tot war, waren die Vorstellungen und die Worte über ihn. Wie heißt es doch bei einem eurer Philosophen: worüber man nicht reden kann, darüber soll man schweigen. Ich rede oft mit ihm“.
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Im nächsten Teil des Interviews reden wir mit J.C. über seine Gemeinschaft.
Und über die Möglichkeiten ihrer „Optimierung“. J.C. streut einige Blumen, fordert aber auch – „untypisch“ – Eingehen auf Akzeptanz, Alltagserfahrung
Und: „Controlling“. Fortsetzung in einer der nächsten Ausgaben von „Täglich

Neu“.          

Thomas Müller

2 Comments

  1.  Ich denke, die Kirche und die herrschende Elite würden Jesus heute genau so verfolgen, kriminalisieren und vermutlich umbringen (lassen) wie vor 2000 Jahren. Menschen, die Gleichheit fordern und gegen die vorherrschende Ideologie Stellung beziehen, sind immer unbequem. Die christlichen Kirchen haben sich von der Lehre Jesus genau so weit entfernt wie die sozialdemokratischen Parteien von Karl Marx.

  2. Und auf provInnsbruck steht dieser Beitrag, weil da Heiland mittn unter ins geboren worden isch (frei nach Haspinger in 1809 – Die Freiheit des Adlers). Warum ihn allerdings die Schützen immer vom Himmel schießen versuchen, verstehe auch ich nicht …

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