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Gemeinsam aktiv: Auf Du & Du im Sportverein

Wir haben mit Mag. Kerstin Cleven, Jugendkoordinatorin beim Integrationszentrum Innsbruck des Österreichischen Integrationsfonds, über ein Pilotprojekt gesprochen, das Menschen mit Migrationshintergrund in das Sportvereinswesen in Tirol einbinden soll.


 

 

 

Du bist Jugendkoordinatorin beim ÖIF. Was sind deine Aufgaben?

 

Wir arbeiten generell projektbasiert. Meine Aufgabe ist es, Projekte für Jugendliche und mit Jugendlichen zu planen und umzusetzen. Diese können sehr unterschiedlich sein, aktuell arbeiten wir zum Beispiel an einem Mentoring-Projekt, das wir gemeinsam mit der Sportunion machen. Es geht dabei  darum, Menschen mit Migrationshintergrund in die Sportvereine zu bringen – und zwar nicht nur als aktive SpielerInnen. Vor allem versuchen wir, sie in die Vereinsstrukturen einzubinden, weil Menschen mit Migrationshintergrund in diesem Bereich noch sehr unterrepräsentiert sind, vor allem auch in der Vereinsarbeit. Wir suchen TrainerInnen, FunktionärInnen, KassierInnen, SchiedsrichterInnen. Dabei sind wir offen für alle Altersklassen, aber Jugendliche sind eine Schwerpunktgruppe.

 

Das heißt, Jugendliche würden Kinder- oder Jugendgruppen trainieren?

 

Je nach Interessen. Wir unterstützen sie bei TrainerInnen-Ausbildungen oder bei Fortbildungen. Sie können dann im Verein verschiedene Aufgaben übernehmen. Ideal wäre, wenn sie soweit Erfahrungen sammeln, dass sie selber ihren eigenen Verein gründen können, dass sie also die Abläufe lernen: Wie läuft eine Hauptversammlung ab, warum benötigt man einen Kassier, wie funktioniert das ganze Vereinswesen? Die Aufgaben, die die Jugendlichen  übernehmen können, sind sehr unterschiedlich – wir gehen auf die unterschiedlichen Interessen der BewerberInnen ein. Manche wollen lieber als TrainerInnen arbeiten, während sich andere lieber anders engagieren. Auch bei den Sportarten sind wir sehr offen, die Leute können sich einfach bei uns bewerben und wir leiten die Bewerbungen dann an die Sportunion weiter. Wir haben viele Sportvereine als Partner, die dann durch die Sportunion sportartspezifisch und wohnortspezifisch angesprochen werden.

 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, dieses Projekt ins Leben zu rufen?

 

Außer diesem Sport-Mentoring-Projekt arbeiten wir schon länger in Zusammenarbeit mit dem AMS und der Wirtschaftskammer an einem Mentoring-Projekt für MigrantInnen im Arbeitsleben. Dadurch haben wir schon einige Erfahrungen mit Mentoring. Durch gemeinsame Gespräche mit der Sportunion ist dann die Idee des Sport-Mentorings entstanden, da Menschen mit Migrationshintergrund in den Strukturen und als EntscheidungsträgerInnen sehr unterrepräsentiert sind. Gleichzeitig liegt dieses Projekt auch im Interesse der Sportvereine selbst, die immer Interessierte suchen – es soll eine Win-Win-Situation für beide sein.

 

Gibt es viele Interessierte?

 

Wir haben mit 7 Paaren gestartet, die die Sportarten Pilates, Handball und Volleyball vertreten.

 

Also ist Sport ein Weg zur Integration?

 

Ja, auf jeden Fall – über gemeinsame Hobbys und gemeinsame Interessen wird die Integration vereinfacht. Das Projekt ist sehr bedarfsorientiert – also je nach Sportart und Wohnort.

 

Welche Rolle spielt die deutsche Sprache bei diesem Projekt? Ist es notwendig, ein bestimmtes Niveau aufweisen zu können?

 

Nein, da gibt es keine konkreten Voraussetzungen. Es ist allerdings möglich, über den ÖIF einen Sprachkurs finanziert zu bekommen. Man kann auch erst einmal beim Training hospitieren, um spezifische Begriffe auf Deutsch zu lernen, wie es aktuell unsere beiden Pilatestrainerinnen tun.

 

Ist es eine Vorgabe, dass die TeilnehmerInnen ihre Ausbildung im Ausland absolviert haben?

 

Nein, das ist keine Vorgabe, aber möglich. Diejenigen, die im Ausland eine Ausbildung abgeschlossen haben, sollen sich angesprochen fühlen und ihre Qualifikationen hier einbringen können. Das Projekt ist allerdings nicht im Arbeits- oder Jobvermittlungsbereich angesiedelt, sondern im Freizeitbereich. Es ist wirklich sehr offen, jede/r, der/die am Sportvereinswesen interessiert ist, kann sich melden und wir suchen individuelle PartnerInnen für sie. Wir haben sieben Paare, die jeweils aus Mentee und MentorIn bestehen und die sich gegenseitig bereichern. Dabei profitiert auch der/die MentorIn, der/die neue Leute in seinen/ihren Verein bringt und dabei auch neue Inputs dazubekommt. Der ÖIF ist für die Mentees zuständig und die Sportunion sucht die passenden MentorInnen dazu. Wir haben das Projekt als Pilotprojekt gestartet und an eine fünf- bis sechsmonatige Partnerschaft gedacht. Dabei ist es Interessierten jederzeit möglich, einzusteigen.

 

Das Projekt ist im Freizeitbereich angesiedelt, aber die TeilnehmerInnen mit Migrationshintergrund können dadurch Kontakte knüpfen. Gibt es eine Möglichkeit, in diesem Bereich in das Berufsleben einzusteigen?

 

Wir wollen das Projekt nicht so bewerben, um keine falschen Hoffnungen zu schüren. Meistens ist es in diesem Bereich schwierig, davon zu leben. Am ehesten gibt es diese Chance im Fitnessbereich.

 

Wie erfahren Interessierte vom Projekt?

 

Wir haben die Flyer dazu über unsere Netzwerke ausgesendet, vor allem via E-Mail. Ansonsten hat sich auch die Sportunion bemüht, das Projekt zu bewerben.

 

Ist es allgemein oft so, dass im Ausland absolvierte Ausbildungen hier nicht anerkannt werden?

 

Ja, da gibt es sehr viele Probleme, da verschiedene Ministerien für die Anerkennung zuständig sind. Wir machen deshalb viele Orientierungsberatungen. Vor allem für Flüchtlinge ist es sehr schwierig, weil sie die erforderlichen Dokumente oft nicht mehr haben. Und selbst wenn sie sie haben, müssen sie riesige bürokratische Hürden überwinden. Dieses Thema ist generell sehr problematisch. Zum Beispiel ist es häufig so, dass Leute, die sogar schon Arbeitserfahrung haben, nicht in dem Beruf arbeiten können, der ihrer Ausbildung entsprechen würde. Es arbeiten etwa viele ausgebildete ÄrztInnen mit Migrationshintergrund in Österreich als PflegehelferInnen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.      

 

 

 

Informationen zum Projekt:

 

 http://www.integrationsfonds.at/tirol/news_tirol/sportmentoring_in_tirol/

 

Gesucht werden

  • Ausgebildete TrainerInnen, die ihre im Ausland erworbene Ausbildung in Österreich anerkennen lassen möchten.
  • FunktionärInnen, die bereits im Heimatland Verantwortung in Vereinen übernommen haben – etwa als KassierIn oder SchriftführerIn.
  • SchiedsrichterInnen – denn auch „Unparteiische“ sind gefragt – aufgrund des hohen Bedarfs ist die Schiedsrichterausbildung besonders förderungswürdig.
  • HobbysportlerInnen und Interessierte: Auch HobbysportlerInnen ohne Ausbildung können sich bewerben. Nach ersten Kontakten und der Teilnahme an Trainings oder sonstigen Veranstaltungen des Vereins kann beispielsweise eine Ausbildung im Rahmen der bestehenden Angebote der SPORTUNION absolviert werden.

 

 

Bei Interesse melden Sie sich bei:

 

Integrationszentrum Tirol

Mag. Kerstin Cleven

Tel: 0512/561771-15

Oder per E-Mail: kerstin.cleven@integrationsfonds.at

 

 

Ein Interview von Anja Larch und Barbara Zelger

 

Barbara Zelger

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