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Unsere tägliche Repression gib uns heute!

Am 21. Mai 2012 jähren sich die Überfälle auf 23 Privatwohnungen und sieben Büros von Tierrechtsorganisationen österreichweit, im Zuge derer zehn Aktivist_Innen verhaftet und für drei Monate weggesperrt wurden, bereits zu vierten Mal!

 

Wie steht‘s 4 Jahre später?
Erst letzten Montag bekam zum Beispiel Chris Moser seine letzte Anzeige.
„Herabwürdigung religiöser Lehren“ § 188, Strafrahmen bis zu 6 Monate Gefängnis oder 360 Tagessätze (das sind 10 000 Euro!)

 

Warum?
Wie bereits 2006 in Wien, 2007 in Salzburg, 2008 und 2009 in Innsbruck, 2010 in München und 2011 in Linz, so fand diese mittlerweile „traditionelle“ Kreuzigungsaktion für Tierrechte dieses jahr in Graz statt. Wie die letzten Jahre immer, so auch diesmal am Karsamstag. Und wie 2008 und 2009 in Innsbruck, wurden auch heuer einige der Aktivist_Innen wegen § 188 angezeigt.

 

Film der Aktion 2008 samt Beschlagnahmung der Kreuze in Innsbruck

Dass der Künstler sowie alle weiteren Akteur_Innen es in dieser Aktion nicht darauf anlegen „religiöse Lehren“ herabzuwürdigen, zeigt bereits das Motto dieser Performance, welches auf einem Transparent zu lesen war: „Wir sterben jeden Tag für eure Ernährungssünden!“. Was die Aktivist_Innen um Moser hier bezwecken, wenngleich auch provokant, ist lediglich die Einhaltung des christlichen Gebots „Du sollst nicht töten!“
Die Aktivist_Innen betonen es handle sich hierbei um eine „Aktion für konsequente Gewaltfreiheit und gegen religiöse Doppelmoral!“

 

Behördlich angezeigt und organisiert durch den Salzburger Tierrechtsverein RespekTiere
und mitgestaltet durch den VGT (Verein gegen Tierfabriken), die Tiroler Tierrechtsgruppe Mega (Menschen gegen Ausbeutung), den steirischen Verein TierWeGe sowie die Tierrechtsgruppen Linz und Graz sowie viele eingagierte Einzelaktivist_Innen fand dieser Kreuzigungszug für Tierrechte heuer erstmals in Graz statt.

 

„Hier kommt euer Fleisch für den Ostertisch, es muss nur noch getötet werden!“, brüllten zwei als Metzger verkleidete Aktivist_Innen, während sie in Anlehnung an Katholische Kreuzigungszüge drei (Kunst)bluttriefende Kreuzträger_Innen mit Peitschen, Stöcken und Fleischerbeilen vor sich her durch die Grazer Innenstadt trieben, begleitet von donnernden Trommeln und immer wieder unterbrochen durch Megaphondurchsagen zu den erschütternden Fakten zur sogenannten Fleisch“produktion“.

 

Die geschundenen Kreaturen waren in dieser Inszenierung allerdings anders als in klassischen Darstellungen nicht menschliche, sondern nichtmenschliche Wesen.
Nackt und lediglich mit Lendenschurz bekleidete, als Kuh, Schwein und Huhn verkleidete Aktivist_Innen schleppten schwere Holzkreuze durch Graz, vorbei an Gastgärten, Cafes, Mc Donalds-Filialen und Kleider-Bauer-Niederlassungen – bei beiden letzteren liessen sich die geschundenen Kreaturen übrigens sogar an die Kreuze binden! Ebenso wie übrigens vor dem eindrucksvollen Dom!

 

„Wir sterben für eure Ernährungssünden!“ war auf einem der vielen mitgetragenen Transparente zu lesen.“Du sollst nicht töten, dieser an sich elementare Passus in allen grossen Religionen wird auch und gerade im Katholizismus noch immer derart interpretiert, dass er die nichtmenschlichen Tiere ausklammert.

Und gerade um Ostern wird diese religionsimmanente Doppelmoral sehr deutlich, da wird von Fasten, Verzicht, Gerechtigkeit und Demut gepredigt, aber die nichtmenschlichen Tiere werden wie immer rein aus ignorantem Genuss- und Profitstreben geknechtet und ermordet“ so Chris Moser, Künstler , Autor und Aktivist aus Tirol.

Seit 2006 gibt er bei den Kreuzigungsveranstaltungen österreichtweit das gekreuzigte Schwein, auch wenn ihm das in seinem polizeilichen Abschlussbericht zum Tierschutzprozess als „Kreuzigungsaktion mit militantem Tierrechtshintergrund“ angekreidet wird.

 

Während Moser also sein Buch „Die Kunst Widerstand zu leisten!“ wo genau jene Aktionen, wie weiters auch z.b. eine Anzeige nach § 248 Abs. 2, „herabwürdigung des Staates und seiner Symbole“, aufgrund eines kritischen Kunstfilms zum Andreas Hofer-Jahr 2009 beschrieben werden, österreichweit wie auch letztes Wochenende z.b. in Meran in gutbesuchtem Rahmen präsentiert, dreht sich die Repressionsmaschine gegen den engagierten Künstler weiter.

 

Foto: RepekTiere

 

13 Comments

  1. Dass (christliche) Religionen immer noch einen Sonderstatus nebst eigenem Blasphemie-Paragraphen erhalten finde ich in einer freien, säkularen Gesellschaft doch sehr bedenklich. Unter dem Deckmantel der Religionen wurden schon viele Massaker angerichtet, die gelebte Doppelmoral im Katholizismus ist fast schon legendär (oder berüchtigt, wie man es nimmt).

    Ich finde es wichtig, dass man sich von derlei Gesetzgebung zum Vorteil dubioser Sekten (nichts anderen sind ja auch die christlichen Kirchen) nicht einschüchtern lässt, ebensowenig von einer Antiterror- und Sicherheitspolizeigesetzgebung, die einem fast schon die Sprache verschlägt (Stasi reloaded trifft es hier sicher ganz gut).

    Generell ist allerdings anzumerken, dass sich ganz Europa immer weniger von autokratischen Regimes unterscheidet, die Gesetze nach Gutdünken entwerfen, um letztlich die vermeintliche "Demokratie" zu schützen, wenn doch damit lediglich wirtschaftliche Interessen gemeint sind. Der Terror-Prozess gegen die Tierschützer hat das mehr als deutlich gezeigt.

    • dominik, du tust mir leid!

      du verstehst von religionen gaaar nix, nimmst dir aber bei deinen urteilen kein blatt vor den mund. ich weiß, das kirchenbashing ist schwer in mode, aber muss man auf jeden zug aufspringen, auch wenn dieser achtlos über andere menschen drüber fährt!?

  2. Hut ab vor Menschen wie Chris Moser, die sich unerschrocken für den Schutz und die Rechte wehrloser Geschöpfe einsetzen! Und Schande über ihre Verfolger!

  3.  Es ist unglaublich was sich der Mensch herausnimmt im Umgang mit Tieren.
    Respekt vor solchen Aktivisten, die trotz des Widerstandes immer und immer wieder in friedvollen Aktionen sich für wehrlose Tiere einsetzen.
    Danke.

    Peter Kahr
    Obmann TirolerTierEngel e.V.

  4. bin vegetarier und bring´s nicht über´s herz eine spinne oder eine fliege zu töten. die nummer mit dem kreuz find ich aber ziemlich daneben! wenngleich keine beleidigung der übelsten sorte, so doch eine respektlosigkeit gegenüber dem christentum, welches als religionsgemeinschaft für das tierleid nicht verantwortlich ist. dasselbe gilt für jesus christus selbst.  außerdem ist die aktion aus künstlerischer sicht wohl sehr sehr plump und einfallslos… das von mir jetzt einfach unterstellte motto "aufmerksamkeit  um jeden preis" find ich scheiße!

     

    • @paul:

      danke für das stichwort! …aber du hätttest vorher darüber nachdenken sollen! deine these, die derzeitige qualität der tierausbeutung beruhe auf einem anthropozentrischen weltbild, ist eine absolute nullmeldung. du glaubst doch nicht ernsthaft, dass es den tieren der welt besser ginge, gäbe es keine religionen. das gegenteil ist der fall. das anthropozentrische weltbild haben auch, und gerade die besonders liberalen, aufgeklärten menschen, die auf religion so hysterisch ablehnend reagieren. der unterschied liegt immer im einzelnen menschen. bei "guten" muslimen, oder christen ist dieses weltbild mit einer ethik verknüpft, die auch tiere einschließt. "gute" gläubige sind demütig und haben größten respekt vor dem, was gott für sie schuf. schade, dass dieser ansatz nur von wenigen gelebt wird.

      der ausufernde, gänzlich moralbefreite utilitarismus in bezug auf die natur ist keine erfindung des christentum. die derzeitige qualität der tierausbeutung ist auf die totale industrialisierung der landwirtschaft bei gleichzeitigem fehlen von werten zurückzuführen. es handelt sich um einen widerlichen auswuchs eines systems, das ganz und gar nicht christlich ist. eine traurigerweise legitime form von unternehmen in unserer gefräßigen neoliberalen wirtschaft.

       

  5. tja, und wäre es bei alledem seitens der grossen religionen dann nicht sinnvoll, deren gläubige auf diese -demut -wie du sagst hinzuweisen, praktisch richtungsweisend für tierrechte zu agitieren? und wenn das seitens der weltreligionen eben wie bisher ausbleibt, inwiefern kann es bedenklich sein, diese religionsinstitutionen auf diese DOPPELMORAL – denn nichts anderes wird hier gelebt, hinzuweisen und das zu kritisieren? nirgendwo im obigen bericht steht m.e. dass hier jesus oder mohammed was vorgeworfen würde; allein den religionsinstitutionen wird wegschauen statt handeln unterstellt. und das wohl völlig zurecht. kirchenbashing wäre UNfundierte kritik, hier alerdings auf unzureichende dogmen wie "du sollst nicht töten, aber nur menschen" im katholizismus hinzuweisen ist völlig legitim und wünschenswert!   schau dir bitte den oben verlinkten film an, einer dieser protagoniosten ist ja eindeutig gläubig und würde bestimmt in keinster weise jesus oder gott herabwürdigen, es geht hier ganz klar um diese besagten institutionen. und diese kritik ist mehr als angebracht. oder macht die katholische kirche was gegen den millionenfachen mord an wehrlosen mitgeschöpfen? ausser jagdwaffen (und kriegsgerät!) segnen, leichenfleisch fressen und wegschauen??????? wenn hier seitens der glaubensgemeinschaften was getan wird, denke ich tatsächlich, die kritik wie im bericht beschrieben wäre unangebracht, wenn ich allerdings richtigliege und die amtskirchen tun nichts gegen all das unrecht, dass muss das aber auf alle fälle thematisiert werden (dürfen!)

    schönen sonntag,

    paul m.

    • das thema löst bei dir offensichtlich starke emotionen aus. kann ich gut verstehen. mir geht es auch so, wenn ich mit den grausamkeiten der industrialisierten tierhaltung konfrontiert werde. es ist auch gut so, denn diese gefühlsregungen beweisen einen drang in uns, gut und rechtschaffen zu sein. das problem ist die ohnmacht auf die wir stoßen. wohin mit unserem zorn auf die verursacher des unnötigen leides?? damit wir unseren unmut leichter kanalisieren können, tendieren wir leider dazu, unreflektiert einen schuldigen zu benennen. damit wir einen teil unseres zorns los werden können grenzen wir krampfhaft einen feind ab, den es so gar nicht gibt. wir machen es uns leicht, damit die ohnmacht nicht so unerträglich quält.

      um fair zu urteilen, müssen wir uns der viel schwierigeren aufgabe stellen, menschen als individuen zu betrachten. natürlich haben institutionen auch als solche eine verantwortung. selten sind aber all ihre mitglieder aus dem selben holz geschnitzt. selbstverständlich gibt es innerhalb der kirche und anderer konfessionen tierfreundliche kräfte. tatsächlich gibt es aber auch ignorante und scheinheilige.

      ich vertstehe nicht, warum viele menschen- in völliger verkennung der realität- immer noch argumentiert, als lägen die wichtigen entscheidungen über (verbindliches) recht und unrecht bei der kirche. es ist nun wahrlich nicht die kirche, die die macht hat etwas an den rahmenbedingungen zu ändern. gefragt sind beherzte politikerInnen!

       

  6. JA gefragt wären u.a. (endlich!) mutige politiker_Innen, da wären wir uns bestimmt einig!

    DAMIT diese sich aber endlich einbringen, ist es unbedingt vonnöten,

    diskussionen (auch kontroverse, wie oben) vom stab zu brechen.

    und DAZU brauchen wir, wie alle weiteren sozialen bewegungen, engagierte aktivist_Innen und

    einzelpersonen, die diese diskussionen schüren, provozieren und entfachen…..

    – ich möchte auch nicht alle verantwortung den politiker_Innen lassen,

    nein: mündige menschen wären schön. bewusstseinsgebildete individuen, die FALSCH von

    RICHTIG unterscheiden können und danach leben.

    solande es politiker_Innen gibt, werden menschen (und tiere) beherrscht.

    – was wir anstreben sollten, wäre wahre freiheit!

    ich bin dabei : )

    p.m.

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