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Uni Innsbruck und die Qual der Kollision

Bildungshungrige, vielseitig Interessierte und Unimenschen haben es nicht immer leicht: Sinnsuche ist anstrengend und Erkenntnisgewinn setzt einiges an Denkarbeit voraus. Tolle Veranstaltungen gibt es zuhauf und es fällt nicht immer leicht, aus diesem Angebot die indivduell interessanteste auszuwählen.

 

Der kommende Montag, der 19 März, ist dafür ein gutes Beispiel: Zwei sehr interessante Veranstaltungen kollidieren und machen es (mir zumindest) verdammt schwer, eine davon auszuwählen.

 

Um 19:30 beginnt eine Veranstaltung des Arbeitskreises Wissenschaft und Verantwortung (WuV) mit dem Titel Wieviel Boulevard verträgt die Demokratie? Billig- und Gratismedien und die (ver-)öffentlichte Meinungsbildung – eine brandaktuelle Frage, wenn man bedenkt, dass in Österreich laut der aktuellen Mediaanalyse die Boulevardzeitungen Kronen Zeitung, Österreich und Heute eine Reichweite von über 60 Prozent haben.

 

Es diskutieren der bekannte Medienwissenschaftler Kurt Imhof  und Walther Prüller, Chefredakteur  der Tiroler Kronen Zeitung, die Veranstaltung findet im Haus der Begegnung (Rennweg 8) statt – den Veranstaltungstext findet ihr hier.

 

Ebenfalls am Montag findet um 20 Uhr ein Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema "REICH reloaded…" – Leben und Werk eines vergessenen Psychoanalytikers* statt – es diskutieren MMag. Martin Haselwanter und Dr. Thomas Pröll moderiert von Univ. Prof. Dr. Josef Christian Aigner (Gesellschaft für Psychoanalyse). Veranstaltungsort ist der Hörsaal 7 auf der GEIWI (Innrain 52).

 

Aus dem Veranstaltungstext: Die Psychoanalyse als Wissenschaft des Unbewussten und der Sexualität "eckt" an und ist unbequem. Immer schon! Die Erkenntnis Freuds, dass "das Ich nicht Herr im eigenen Hause ist", also die Menschen entgegen ihrer Vergötterung des Verstandes auch einem Unbewussten unterliegen, ist besonders zweckrationalem und kapitalistisch-ökonomischem Denken ein Graus und muss "vergessen" gemacht werden. Dies gilt insbesondere für Pioniere der Psychoanalyse wie Wilhelm Reich

 

Da beide Veranstaltungen sich überschneiden und wirklich interessant klingen, wird es schwer eine auszusuchen –  andererseits ist es ja auch ein ziemliches Luxusproblem, wenn uns „zu viele" intellektuelle Leckereien angeboten werden. Wichtig ist es, wach zu bleiben und wissbegierig gerade in bewegten Zeiten.

Andreas Wiesinger

2 Comments

  1. Auf der Profilseite der Uni Innsbruck wurde von einem Studenten noch auf folgende Veranstaltung hingewiesen: Frank Stronach zum Thema "Eine geistige Revolution für Österreich – weniger Schulden – weniger Steuern – weniger Verwaltung – mehr Demokratie" – in der SOWI-Aula, ab 18 Uhr.

     

    Persönlich halte ich den Mann für einen neoliberalen Dampfplauderer, dessen "Revolution" hauptsächlich darin besteht, Sozialleistungen zu kürzen und den Staat noch weiter zurückzudrängen. Aber natürlich soll man Andersdenkenden zuhören, mit ihnen diskutieren und sie vielleicht sogar überzeugen – auch das ist Uni.

  2. Discountuni



    Die Leopold-Franzens-Universität hat sich für läppische 150.000 Euro dazu hergegeben, für Stronach eine quasi wissenschaftliche Kulisse  hinzustellen. Ein qualifizierter Laborplatz kostet mehr, er lässt sich in den Medien allerdings nicht wirklich gut verkaufen, aber das wissen  natürlich Stronach und seine Berater auch.

     

    Ganz nebenbei sei daran erinnert, dass in den 1920er Jahren in Deutschland "Wirtschaftsführer"  gemeinsam mit den anstürmenden faschistischen Banden die  Mitarbeiterbeteiligung unter Ausschluss von Gewerkschaften und Betriebsräten – die betreiben nur Klassenkampf – unter dem Titel  "Werksgemeinschaft" propagiert haben. Mit Erfolg, sieht man von den schrecklichen Ergebnissen für die Arbeiterklasse einmal ab.

     

    siehe auch unter: diepresse.com/home/wirtschaft/economist/742401/Stronach-will-Flat-Tax-fuer-Oesterreich

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