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Sonntagmorgen

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Wieder so ein vernebelter Sonntag. Wie Sonntage eben so beginnen, mit verspätetem Frühstück, mit langem Zeitungslesen. Mit Kuchen und Ideenbergen, herausgefallen aus Mitternachtshirngewittern, aus Liebesbezeugungen und Dienstanweisungen an die Grußhirnrinde. Mit aufgebrauchtem Wein und liegengelassenen Gedankenspielereien. Mit Überlegungen, was ist und was sein wird.

Spiel der Erinnerungen, an die Frau, die man am Abend vorher noch getroffen hat und mit der man noch länger um die Häuser gezogen wäre. Wie sie jetzt wieder bei Mann und Kind ist und das Frühstück mit ihnen teilt. Wie die Schwingungsamplitude zwischen Mann und Frau wächst von Mal zu Mal, auch die von Frau zu Mann.

Und wie die Frau gestern noch erzählte vom weißen Clown, und vom Pferd auf dem sie ritt in leichten Träumen. Wie gestern noch das Bild hinter der Bar hing, sich schief lachte ob der vielen Bekundungen und Treueschwüre. Oder hing es nicht schon schief von Anfang an? Und man noch ein Bier trank, ein Schnelles noch, ehe es ans Heimgehen ging. Oder war es doch ein Entfliehen auf leichten Kähnen? Hinein in den leisen letzten Sommerwind.

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Helmut Schiestl

One Comment

  1. Hat nichts mit dem Thema des obigen Textes zu tun, aber
    trotzdem:

    Radio Österreich 1
    Montag, 17.11.2014
    21:40 Texte – neue Literatur aus Österreich
    „Er“ und andere Prosa. Von Helmut Schiestl. Es liest Eleonore Bürcher. Gestaltung: Martin Sailer

    Wieso haben Sie denn nichts erwähnt, Herr Schiestl?
    Vielleicht interessiert es ja doch manche.
    Ich selbst habe es gerade eben bemerkt. Eher durch Zufall, möchte ich hinzufügen.

    http://oe1.orf.at/programm/389331

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