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Offenheit wird unter Strafe gestellt: 2000.- Euro!

Alkoholverbot VerordnungMorgen Dienstag ist es also so weit: die umstrittene Verordnung zum Alkoholverbot tritt in Kraft. Die Verordnung wurde heute an der Amtstafel angebracht. Wer ab morgen in der FußgängerInnenzone mit einem offenen Bier im Becher, einer geöffneten Dose Bier, einer vielleicht nicht ganz gut wieder verkorkten halben Flasche Wein erwischt wird, kann gnadenlos abgestraft werden. Im Extremfall drohen 2.000.- Euro Strafe.

FPÖ, LISTE FEDERSPIEL, ÖVP und FÜR INNSBRUCK haben nun, was sie wollten: eine Verordnung, die nichts löst und vor allem eines ist: unkontrollierbar. In der nun geänderten, weil um die Verbotszonen Maria-Theresien-Straße, Bozner Platz und Innrain-Bus-Terminal erweiterten Verordnung heißt es wörtlich:

Auf den Flächen (…) sind der Konsum und die Mitnahme von alkoholischen Getränken verboten.
Hievon ausgenommen sind:

1.
Der Konsum und die Mitnahme alkoholischer Getränke
a) in behördlich genehmigten Gastgärten während der Betriebszeiten
b) im Rahmen und im Umfang von behördlich erlaubten öffentlichen Veranstaltungen

2.
Die Mitnahme alkoholischer Getränke
a) in Kraftfahrzeugen
b) in ungeöffneter Verpackung des herstellenden oder vertreibenden Unternehmens

In der neuen, ab morgen geltenden Verordnung wird bei Punkt 2.b) noch hinzu gefügt: „und bewilligten Gelegenheitsmärkten“. Eine klassische „Lex Glühkindlmarkt“.

Stolpert man ab morgen mit einem Becher Bier aus der public viewing Zone am Sparkassenplatz in die Maria-Theresien-Straße: strafbar. Polterabende samt Schnapsrunden an der Annasäule: strafbar. Hochzeits-Glas-Prosecco an der Annasäule: strafbar. Mit einem Glas oder Becher Bier aus einem Lokal für eine Zigarette auf die FuZo gehen: strafbar. Die Verordnung ist ein seltener Schmarren – und dient nur allzu durchsichtig der Vertreibung von alkoholkranken Obdachlosen. Denn die lassen sich mit einer Maximalstrafe von 2.000.- Euro am leichtesten abschrecken. Und sie sind am leichtesten auszumachen. Die Innenstadt ist ab morgen wieder sauber und sicher. Endlich.

Bleiben viele Fragen: bin ich schon strafbar, wenn ich mit einer offenen Dose Bier mit dem Taxi durch die Theresien-Straße fahre? Bin ich strafbar, wenn ich im Café Schindler zu sechst eine 6-Liter-Flasche Champagner „Dom Perignon Methusalem“ um sage und schreibe 10.000 (!) Euro (steht so in der online abrufbaren „Das Schindler Barkarte“) trinke und dann sturzbetrunken und grölend ins Freie stolpere, gar gegen eine Hauswand uriniere? Wer soll das alles kontrollieren? Und wer kontrolliert die Kontrollierer?

DEMNÄCHST HIER AUF PROVINNSBRUCK: die ersten Aktionen der Initiative „Innsbruck: FÜR Lösungen – GEGEN Verbote“.

Markus Koschuh

8 Comments

    • linke realitätsverweigerer? verweigern nicht eher konservative/rechte/bürgerliche parteien die realität wenn sie glauben, dass armut durch unsichtbar machen – also verbieten -, verschwinden wird?
      wieso muss alles reguliert werden? radfahren, trinken, sitzen (bänke abmontieren…)?

    • Aber die Rechten mit ihrem „Immer feste druff“ denken natürlich immer nur an die Bevölkerung, wenn sie Gesetze etc. erlassen!

      Übrigens ist die ÖVP von der FPÖ für mich kaum mehr zu unterscheiden – die gaukeln halt vor: „Mir mochn wos fir eich, mir denkkkkkn nur an eich, glabts uns des!“, sie würden alles nur fürs Volk machen. In Wahrheit bedienen sie nur ihren eigenen Klüngel und fertig. Und dass die ÖVP einfach nicht von ihrem Dollfuß lassen kann spricht wahrlich Bände!

    • In dem Falle bin ich gerne ein Realitätsverweigerer, ja! Und links bin ich sowieso! Was sonst?

  1. Ihr dreht’s euch ja selbst, wie ihr es braucht.
    Man muss nur daran denken, dass eure Hauspartei – die „grüne“ „BürgerundPürgerinnenpeteiligungsbaatei“ – mittlerweile selbst massiv gegen BürgerInnenbefragungen und -mitbestimmung, z.B. im Wipptal, agitiert.
    Jetzt wird nur noch „drübergfahren“.
    „Schwarze Kommunisten“ eben.

  2. Wird vermutlich auch niemand kontrollieren, ob meine Sprite ein Vodka ist oder mein Almdudler ein Bier … von daher ist es in der Härte sicher nicht durchführbar. Meine Spaß- und Konsumkultur sehe ich nicht gefährdet (von Menschenrechten ganz zu schweigen!)

  3. Unaufhaltsam entwickeln sich auch hier die Dinge hin zur amerikanischen Realität. Selbst die Sandler verpacken hier ihre Getränke in einen Papiersack.

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