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Landes- Präambel: Kündigt Gott?

Nach jahrzehntelanger Diskussion gelangte „der liebe Gott“ 1988 in die Tiroler Landesordnung.

„Ich glaube, das freut ihn sehr“, sagte mir damals ein jetzt sicherlich in seiner Nähe befindlicher Abgeordneter. Ob ihn unser Beschluß damals wirklich gefreut hat , wage ich rückblickend schon zu bezweifeln. Die Präambel der Landesordnung ist wirklich wunderschön. Spricht von der Treue zu Gott und zum geschichtlichen Erbe, von geistiger und kultureller Einheit, von Freiheit und Würde des Menschen usw. Aber gleichzeitig – so wissen wir schuldhafterweise erst jetzt – passierten die ärgsten „Dinge“. In der Heimerziehung, im offensichtlichen Verhindern von Nachforschungen über Nazi – Verbrechen, durch vielfachen Mißbrauch von Kindern in vermeintlich gottnahen kirchlichen Einrichtungen. Etwa gleichzeitig! Und da haben wir versagt! Wir haben Gott in die Landesordnung „hineinzitiert“ , ohne uns vorher sehr kritisch umzublicken. Wie es etwa den Schwächsten unserer Brüder und Schwestern ergeht. Wie mit ihnen damals – und auch heute – umgegangen wird. Damals Heimkinder, brave Ministranten oder SchülerInnen, Ãœberlebende des Nazi – Terrors, die einfach nur Gerechtigkeit und Recht wollten. Wie es im Psalm 33 steht. „Gesetz und Gerechtigkeit liebt Er“. Wir können dieses Versagen vor fast 23 Jahren nicht mehr ausbügeln. Wir hätten viel mehr wissen und nachfragen können – wir haben es nicht getan. Und das darf nicht mehr passieren – weder bei den Geringverdiendenden und ihren Kindern, den Asylsuchenden und Behinderten, den „MindestpensionistInnen“ usw. Das sind wir dem „lieben Gott“ in unserer Landesordnung längst schuldig. Sonst kündigt er „seine Passage“!

Unwiderruflich – und recht hat er!

Lothar Müller

2 Comments

  1. Ja, das ist schon eine Chuzpe, das mit dem lieben Gott in der Verfassung oder Landesordnung. Auch die Politiker/innen schwören ja in den meisten (europäischen) Ländern noch auf den lieben Gott. "… so wahr mit Gott helfe" Und wenn nicht …?

  2. Ich sehe den Gottesbezug in der Verfassung nicht nur wegen der miesen "Realverfassung" kritisch. Zahlreiche Staaten und Regime berufen sich auf Gott – Iran ist dafür ein Beispiel, der klerikalfaschistische Ständestaat begann seine Verfassung mit den Worten "Im Namen Gottes, des Allmächtigen". Immer, wenn Politik und Religion sich vermischen, fließt irgendwann Blut – das ist eine traurige Wahrheit der Geschichte.

     

    Der individuelle Glaube, die Suche des und der Einzelnen nach Gott – oder wie auch immer das genannt wird –  ist für mich unantastbar und ganz Privatsache. Die Verfassung ist aber die höchste Rechtsgrundlage eines Staates und da ist Laizismus geradezu eine Grundbedingung für die Freiheit (auch die Glaubensfreiheit) jeder/s Einzelnen.

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