8

Knallpink und brandneu: die NEOS

In eineinhalb Monaten wählen wir und da die Parlamentsparteien ohnehin Millionen in die Materialschlacht werfen, konzentriere ich mich lieber auf die kleinen Parteien.

Ganz neu dabei sind heuer die NEOS (Untertitel: Das Neue Österreich) – eine Mischung aus ÖVP für Wohlmeinende und den Resten des Liberalen Forums, das für diese Wahl mit den NEOS fusioniert hat.

Liberal ist auch die politische Richtung der NEOS: Schulden senken, Bürokratie abbauen und Verwaltung entrümpeln. Alles Forderungen, die mehrheitsfähig sind und auch von anderen Parteien vertreten werden. Eine echte Vision, ein echter Aufreger (z.B. Drogenfreigabe) fehlt allerdings: Das kann man als seriös loben, vielleicht wollen sie es aber auch einfach nicht anecken.

Der Auftritt der "Neuen" ist sehr modisch, außerdem haben sie mit Hans Peter Haselsteiner einen finanzkräftigen Sponsor im Rücken. Speziell Jung- und ErstwählerInnen sollen überzeugt werden, ganz österreichisch mit der Forderung: Pensionen für die Jungen sichern – bekanntlich träumt man hierzulande spätestens nach Abschluss der Volksschule von der Pension.

Ich schätze die NEOS auf etwa 2 Prozent ein – das ist für eine Neugrundung ein schöner Achtungserfolg. Wenn sie einen langen Atem unter Beweis stellen und klug agieren, könnten sie es in der übernächsten Legislaturperiode ins Parlament schaffen. Ebenso ist möglich, dass es sich um politische Eintagsfliegen handelt.

Auch wenn ich kein Liberaler bin und die NEOS nicht wählen werde, ist es demokratiepolitisch meistens gut, wenn sich die Auswahl an Parteien erhöht. Immerhin gibt es dann eine Ausrede weniger, um am Wahltag zuhause zu bleiben und das eigene Stimmrecht einfach so zu verschenken.

Link
www.facebook.com/NEOS.tirol

Andreas Wiesinger

8 Comments

  1. Also geht’s wählen, damit nicht irgendwann die paar Hanseln der politischen Führung ohne Stimmen der Mehrheit die Macht haben.

  2. Was mich so ärgert und wo ich einen mega dicken Hals bekomme ist, das diese gesplitterten Parteien in keiner Weise regierungsfähig sind und die ganze Politlandschaft zertrümmern werden. Da ist es noch schwerer Ziele umzusetzen , die nicht nur in einem Wahlprogramm stehen, sondern Hilfen im alltäglichen Leben für viele Menschen, die keine Lobby hinter sich haben. Die sollen sich doch klar und deutlich dazu bekennen, von welchem Stall ( s- stall , es gilt natürlich die Unschuldsvermutung) sie heraus agieren . Was wissen sie über die Geschichte, was wissen sie von Politik ???????????

    •  Ich glaube die NEOS sind sicher die Partei, die noch am Besten über Geschichte und Politik Bescheid wissen. Sie haben ein strukturiertes und konzeptionell gutes Programm (das heißt nicht, dass es jeder toll finden muss, ich spreche von der Aufbereitung und Methode), sie geben sich als modern, sind gut strukturiert und organisiert, Fundraising ist fast ein Musterbeispiel für Österreich, der Auftritt ist professionell usw. 

      Zur Zertrümmerung der Landschaft: Ich verstehe die Argumentation, sie bezieht sich jedoch auf die Ist-Situation und genau darum geht es. Die Veränderung an sich ist nicht mit dem Wahlergebnis abgeschlossen. Wenn es keine Rot-Schwarze Mehrheit mehr gibt wird der Prozess erst beginnen! Weil dann heißt es, endlich politische Kultur und so gesehen Neuland zu betreten. Es wird kein Weg an einer Konsens-Politik vorbeiführen und das wird sicher schwer werden am Anfang, vielleicht wird es auch ein oder zwei Koalitionen sprengen. Der Trend zu Mehrparteienregierungen wird sich aber nicht aufhalten lassen und man wird lernen müssen damit umzugehen. Oder wir machens halt wirklich auf gut österreichisch: Was der Bauer net kennt frisst er nicht, wählen wir doch wiede rot-schwarz, regen uns dann wieder 5 jahre über das kasperltheater auf und lesen in der kronezeitung antworten von faymann persönlich auf leserbriefe, zu silvester dann den rückblick auf das grandios-geniale Jahr der ÖVP usw.  usw 😉 

  3. für tirol auf der NEOS liste:
    CHRISTIAN  KOGLER 
    die ehemalige rechte hand vom rudi federspiel
    der dann als lustknabe vom platzgummer einen wunderbaren vorzugsstimmenwahlkampf geführt hat
    161 stimmen – enorm.

    da ist die erneuerung tatsächlich nicht nur behauptet ….

  4. Naja verschenkt ist die Stimme allemal, wenn sie an eine Partei geht, die keine Chance hat, die Ersthürde zu schaffen.
    Ach nein …sorry Wiese – ist nicht verschenkt, geht nach dem Restmandatsprinzip an die "Großen".
    Da kann man gleich eine der Parteien wählen, die man nicht will, das ist dann wenigstens ehrlich.

    Liebe Grüße aus den deutschen landen
    eine wahlberechtigte Auslandsösterreicherin namens Uschi

    • Ja stimmt schon. Schauen wir weiterhin nur auf unsere Schatten, drehen uns nicht um und verlassen wir die Höhle besser nicht, lieber safe bleiben 😉 Nicht bös nehmen, aber da sind wir dann schon sehr in der Spieltheorie und strategischem Wählen. Wenn jeder so denken würde wäre eine Änderung in irgend einer Form unmöglich und auf z.B. die Grünen hätte es nie geben dürfen. Hoffe, dass nicht viele Leute ihre Meinung zu stark an der (potentiellen) Meinung von anderen Ausrichten und aus Überzeugung wählen. Alles andere wäre nicht ehrlich zu sich selbst. 

  5. Hm, ich denke, es ist ein ziemliches Totschlagsargument, wenn man von vornherein einer neuen Partei gleich jede Chance abspricht. Wie gebloggt: Ich werde die NEOS nicht wählen und glaube auch nicht, dass sie es diesmal ins Parlament schaffen. Stimmen einer Partei, die den Einzug nicht schafft, werden aber auch nicht einfach einer "großen Partei" zugerechnet. Es ist zwar richtig, dass sie von der Reststimmenverteilung profitieren – aber eben proportional zu ihrem Wahlergebnis (alles andere wäre auch undemokratisch).

    "Verschenkt" ist für mich nur eine Stimme, die sich nicht artikuliert und sich somit selbst entmündigt.

Schreibe einen Kommentar zu agnes Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.