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Kleiner Wuttext

Bettler
Innsbrucker Bettlergeschichten
Also manchmal könnte ich einfach kotzen.
Manchmal könnte ich mich einfach über InnsbruckerInnen auskotzen, und dass hab ich jetzt auch vor.
Wie kommt es, dass wir zwar ständig wegschauen, wenn wir Leid sehen?
Wie kommt es, dass wir zwar immer diejenigen überhören, die nach Hilfe schreien?
Wie kommt es, dass wir verlernt haben, menschlich zu sein und mitzufühlen?
Und doch lesen wir es, wenn es um die Armen geht.
Dann werden wir laut und wissen Bescheid.
Dann stehen wir plötzlich auf und berichten darüber.
Die Bettler sind unbeliebter als je zuvor.
Man will sie nicht sehen und sieht lieber empor.
Deshalb können nur die wenigsten von uns etwas von Ihnen erzählen, aber die, die es tun, denen glaubt man eh nicht. Wenn sie von Mitgefühl sprechen und von guten Gesprächen.
Denn man selbst weiß es besser, dass ist doch selbstverständlich.
Weil ein Freund von einer Freundin einer Bekannten, der hat doch neulich ganz glaubwürdig gemeint, dass den Bettlern in Innsbruck die Sonne aus dem Arsch scheint.
Und ein anderer, ich glaube er hat Karl geheißen, meinte doch glatt, dass Bettler jeden bescheißen. Die würden es sich ja sogar erlauben, Behinderungen vorzutäuschen.
Das ist wirklich eine Frechheit, wie können die nur!?
Die Werbung belügt und betrügt uns am laufenden Band, doch die Ärmsten der Armen die dürfen das nicht!
Wer hat denn diese Welt der Doppelmoral erfunden?
Ich kann es nicht glauben, dass wir wirklich so dumm geworden sind.
Wir können den Anblick von Leuten nicht ertragen, die uns kniend auf der Straße anflehen, deshalb machen wirs uns einfach und beginnen zu klagen.
Weil das Leid, dass auch bei uns existiert, dass bringt uns zum Nachdenken und ist so deprimierend.
Das kann einem schon mal den Shoppingtag in der Innenstadt vermiesen.
Also bleibt am Ende nur eine Schlussfolgerung, wir sollten die Bettler und BettlerInnen anklagen, sie vor Gericht zerren und die Geschichte von Karl bejahen.
Möglicherweise haben wir dann endlich unsere Ruhe, vor der Armut, unserer Ignoranz und unserem Überfluss.

von anonym

Gast

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