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Innsbruck, deine Öffis!

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Ist Innsbruck so urban dass unsere Stadt eine „Localbahn“ (die es schon einmal in einer leicht abgeänderten Form gab) braucht oder wäre es vielleicht sinnvoller das bewährte System auf eine andere Art und Weise zu modifizieren?!?

Grundsätzlich ist es ja wunderbar, dass unsere Stadt ein sehr gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz besitzt, welches von mir auch täglich genutzt wird. Gerade als einer der im Stadtteil Reichenau zuhause ist, genieße ich die Vielfalt an Möglichkeiten die mir durch die „Öffis“ geboten werden um entweder ins Stadtzentrum oder wahlweise auch aus der Stadt hinaus transportiert zu werden. Wenngleich mir auch die Preisgestaltung als etwas überteuert vorkommt im Vergleich zu Wien z.b. oder Salzburg (siehe Wiener Verkehrsbetriebe)

Es ist jedoch etwas ganz anderes wenn´s darum geht dieses bewährte System durch eine geplante „Localbahn“ zu ergänzen, denn bereits im Jahr 1891 wurde erstmals eine „Localbahn Innsbruck – Hall i. Tirol“ eröffnet , welche über Mühlau, Arzl, Rum und Thaur (Hallerstraße) nach Hall in Tirol führte um dann am 8.6.1974 (Quelle: Wikipedia) mangels Rentabilität (meine Vermutung) aufgelassen zu werden.

Natürlich könnte man jetzt so argumentieren, dass zwischen 1974 und 2014 die Einwohnerzahl Innsbrucks drastisch gestiegen ist und auch die Pendler die jeden Tag die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen um ein Vielfaches mehr sind als noch in den 70ern, aber wäre es da nicht sinnvoller man würde die Busfrequenz erhöhen und zusätzlich „eigene“ Schülerbusse einführen als eine „Localbahn“ die schlußendlich nach Fertigstellung dann eine (so gut wie) unveränderliche Strecke aufweist. Außerdem würde im Falle einer Panne (welcher Art auch immer) die Localbahn dann wieder durch einen Schienenersatzverkehr ersetzt werden.

KLAUS OLIVER HUCK

Gast

5 Comments

  1. Das Problem ist, dass die Buskapzitäten voll sind und in der Straßenbahen mehr Leute Platz haben. Die IVB und die Stadt haben das ja nicht aus Jux und Tollerei beschlossen…
    Eine doppelt geführte Tram hat 1/3 mehr Platz als ein Gelenkbus. Und weil der „O“ jetzt schon aus allen Nähten platzt, müssen die Schienen vom O-Dorf bis zur Technik verlegt werden, dann ist man schon fast in Hall und Völs, deshalb bietet sich die Regionalbahn logischerweise an.

  2. Diese Fragen werden eigentlich bereits durch die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Innsbruck und der IVB beantwortet, und zwar mit Zahlen und anschaulichen Grafiken, u.a. auf dieser Seite: http://www.ivb.at/de/aktuelles/bauprojekte/tramregionalbahn/projektbeschreibung.html

    Der entscheidende Unterschied zwischen einem spurgeführten Verkehrsmittel (Bahn) und einem Bus ist die Fahrgastkapazität pro Einheit. Das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs bildet in Großstädten der Schienenverkehr, weil Busse schlicht nicht die Kapazität haben. Deshalb haben Millionenstädte U-Bahn-Systeme. Ohne U-Bahn müsste Stoßstange an Stoßstange ein Bus nach dem anderen fahren.

    U-Bahnen sind ab 100.000 Fahrgäste pro Tag das geeignete System, Tram/Stadtbahn zwischen 10.000 und 100.000, Busse unter 10.000.

    Die Linie O, auf der wir ca. 40.000 Fahrgäste pro Tag haben, wird durch die Tramlinie 2 ersetzt werden. Dort fahren in Zukunft 55 m lange Züge in Doppeltraktion, das bedeutet, man kann mit einem Zug (also einem/r FahrerIn) bis zu 400 Personen befördern. Ein Bus, der maximal 18 Meter lang sein kann, packt nur ca. 150 Personen. Und die Kapazitätssteigerung wird auf der Linie O dringend gebraucht, die Busse fahren jetzt im 5-Minuten-Intervall und sind tagsüber meist voll.

    Das, was als „Regionalbahn“ bezeichnet wird und auch gerade gebaut wird, ist die Linie 5. Das wird eine schnelle Stadtbahn, die abschnittweise parallel mit der Linie 2 fährt, aber hauptsächlich eine Ergänzung zur Ost-West-Achse der S-Bahn durch die Stadt darstellt. Ihre primäre Aufgabe ist die Bereitstellung einer zweiten Hochleistungs-öV-Achse in Ost-West-Richtung durch die Kernstadt. Weil das viele nicht wissen, hab ich es hier mal ausführlich dargestellt: http://www.strassenbahn.tk/inntram/editorial_20100620.html

    Die „Localbahn“ von damals ist mit dem, was jetzt gebaut wird, absolut nicht zu vergleichen. Die EinwohnerInnenzahl der Metropolregion Innsbruck hat sich seit damals mehr als verzehnfacht. Heute geht es darum, die Leute aus den Autos raus und in öV zu kriegen, weil wir im Autoverkehr ersticken. Die Großstadt braucht einen leistungsfähigen Schienennahverkehr.

    Dann sei noch das in der Verkehrsplanung bekannte Phänomen des „Schienenbonus“ erwähnt: stellt man Buslinien auf Tram bzw. Stadtbahn um, gibt es meist enorme Steigerungen der Fahrgastzahlen im Vergleich zum Busbetrieb. Das ist auch für die Linien 2 und 5 zu erwarten und das ist der entscheidende Effekt, der (neben aktiver Einschränkung des Autoverkehrs) für einen spürbaren Rückgang des Autoverkehrs sorgen wird.

  3. Die Haller wurde nicht wegen „Unrentabilität“ im engeren Sinne abgebaut. Unterm Strich schaut beim Autobus ja auch kein Geld heraus. Die Einstellung der Haller ist für mich ein klassisches Beispiel wie sich „Wahrheiten“ ändern, und man erst Jahrzehnte später wieder gscheiter ist. Die geänderte Wahrheit die uns damals aufgetischt wurde lautete: Strassenbahnen sind teuer, verursachen nur Staus im Individualverkehr und sind insgesamt nicht mehr zeitgemäss. Deshalb wurden in ganz Europa unzählige Strassenbahnen zugunsten der Autobusse aufgelassen. Innsbruck wollte da auch dabeisein, und hat im Vorfeld der Olympischen Winterspiele die Kreuzung ReichenauerBrücke/ODorf/Hallerstrasse ausgebaut, die Hallerstrasse im Bereich Mühlauer Brücke verbreitert, Rennweg/Kreuzung Hungerburgbahn ausgebaut etc. Alles Engstellen für den immer stärker werdenden Individualverkehr den man für die Zukunft einer modernen Stadt hielt. Die Gleise der Haller standen hier nur im Weg. Die Alternative wäre gewesen, einen Haufen Geld zu investieren, um aus der alten Haller eine moderne S-Bahn zu machen. Die Haller ist ja bis 1974 mit genau den Garnituren unterwegs gewesen die man auf dem Foto sieht, einzig die Umstellung von Dampf auf Elektrizität erfolgte zu Beginn den 20.Jhdts. So eine Investition in eine Strassenbahn die damals nur als teures Verkehrshindernis galt, unter Einschränkung des großzügigen Kreuzungsausbaus, hätte damals wenig fesch und schon gar nicht modern ausgesehn. Dass sich die Stadt in den nächsten Jahrzehnten im Osten, Richtung Hall noch mehr erweitern wird, war auch damals bekannt, umsomehr setzte man auf die Kombination Individualverkehr/Autobus. Heute weiss man, dass man richtig viele Menschen nur mit einer S-Bahn auf einer eigenen Trasse transportieren kann. Auch wenn man heute die Trasse lieber anders, durchs O-Dorf führen will, die alte separate Trasse zw. Innsbruck und Hall ist weg.

  4. Ja, dem kann ich als täglicher O-Faher nur zustimmen. Die Busse sind, vor allem in den Morgenstunden, proppenvoll. Und überfüllte Busse sind – besonders im Winter – ja auch ein gefährlicher Infektionsherd, auch das sollte bei diesem Thema nicht unerwähnt bleiben.

  5. Auch wenn ich mich als von überfüllten und verspäteten Fahrzeugen geplagter O-Bus-Nutzer (übrigens sind die Dinger durch die geringere Taktdichte auch am Wochenende oft ziemlich voll…) auf die Bahn freue, verstehe ich nicht so genau, warum eine Anbindung an die S-Bahn in Völs und Rum notwendig sein soll.
    Die bestehenden S-Bahn-Stationen bzw. solche, die noch errichtet werden sollen (z.B. Messe oder Wifi), wären doch auch geeinget und würden die Pendler mit dem schnelleren Verkehrsmittel näher an ihr Ziel in der Innenstadt bringen…

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